Aurich

Zwei Managerinnen sollen in kurzer Zeit etwas reißen

| | 01.11.2021 16:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Bürgermeister Horst Feddermann (links) und Johann Stromann (von rechts) stellten die neuen Mitarbeiterinnen Vicki Janssen und Dr. Katharina Heidtmann vor. Foto: Karin Böhmer
Bürgermeister Horst Feddermann (links) und Johann Stromann (von rechts) stellten die neuen Mitarbeiterinnen Vicki Janssen und Dr. Katharina Heidtmann vor. Foto: Karin Böhmer
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Aurich hat eine neue Klimaschutzmanagerin und eine City-Managerin eingestellt. Die Aufgaben sind groß, die Zeit ist knapp. Beide Stellen sind fürs Erste befristet. Und es gibt ein paar Herausforderungen.

Aurich - Die beiden neu besetzten Stellen im Auricher Rathaus haben eines gemeinsam: Die Stelleninhaberinnen müssen von Null auf 100 starten, denn beide Arbeitsplätze sind zumindest fürs Erste befristet. Die Stadt Aurich hat am Montag Dr. Katharina Heidtmann als neue Klimaschutzmanagerin und Vicki Janssen als neue Citymanagerin vorgestellt.

Dr. Katharina Heidtmann ist die neue Klimaschutzbeauftragte der Stadt Aurich. Foto: Karin Böhmer
Dr. Katharina Heidtmann ist die neue Klimaschutzbeauftragte der Stadt Aurich. Foto: Karin Böhmer

Heidtmanns Stelle läuft zunächst bis zum 31. Januar 2023. Die 29-Jährige ist Nachfolgerin von Klimaschutzmanagerin Evelyn Brudler, die das Amt nur acht Monate lang bis Juli ausübte und dann kündigte. Ihr Klimaschutzkonzept, über das sie im Juni im Umweltausschuss einen Sachstand abgeben sollte, ist bislang unveröffentlicht. Heidtmann will an dieser Stelle anknüpfen, wie sie sagt. Zudem wartet sie auf die Ergebnisse eines externen Gutachtens zur Treibhausgas-Bilanz in der Stadt Aurich. Dazu zählen die Emissionen der städtischen Liegenschaften ebenso wie der CO2-Ausstoß privater Haushalte, des Gewerbes und des Verkehrs. Bundesweite Daten aus den Jahren bis 2019 werden dann nach einem festgelegten Schlüssel heruntergerechnet auf Aurich. Dabei werde auch eine Entwicklung erkennbar, so Heidtmann.

Maßnahmen müssen dann noch beraten werden

Welche Maßnahmen aus den Ergebnissen dann abgeleitet werden, ist noch offen, wie Aurichs Bürgermeister Horst Feddermann beim Pressegespräch betonte. „Man merkt, dass den meisten Menschen Klimaschutz immer wichtiger wird, aber wir sind hier eben auch keine Insel, sondern müssen das umsetzen, was die große Politik uns vorgibt“, so Feddermann: „Aber wir müssen natürlich unsere Hausaufgaben machen.“ . Es werde deshalb darüber zu reden sein, welche Maßnahmen in Aurich sinnvoll seien. Vielleicht müssten künftig andere Vorgaben für Baugebiete gemacht werden.

Zwei Biographien

Dr. Katharina Heidtmann kommt aus Oldenburg, hat dort einen Bachelor in Sozialwissenschaft mit Schwerpunkt Umwelt gemacht. Es folgte ein Doppelmaster in Water- and Coastal Management an der Universität Oldenburg und in Umwelt- und Infrastrukturplanung an der Universität Groningen. In ihrer Doktorarbeit hat Heidtmann in Oldenburg im Bereich Politikwissenschaften untersucht, wie Kommunen die EU-Umwelt-Vorgaben umsetzten können. Sie ist seit dem 1. Oktober bei der Stadt Aurich beschäftigt und bereits hergezogen, kann nun die Wege in der Stadt mit dem Fahrrad zurücklegen.

Vicki Janssen lebt seit mehr als 20 Jahren in Südbrookmerland. „Ich mag, wie die Menschen hier ticken“, sagt die gelernte Industriekauffrau. Sie hat sich weiterqualifiziert als E-Commerce-Managerin, als Digital Leader und als Certified Expert in New Work. Zuletzt hatte sie Coworking-Spaces in Ostfriesland gegründet, unter anderem im EEZ, das dann aber geschlossen wurde, als das EEZ als Impfzentrum genutzt wurde.

Und der Verkehr und die Industrie? Das soll überlegt werden, wenn die Treibhausgas-Bilanz vorliegt, so Feddermann. Die Städte Leer und Wilhelmshaven haben beispielsweise ein Car-Sharing-Unternehmen in die Stadt geholt, das auch Unternehmen ein Angebot für Firmenfahrzeuge macht. Auch was für Aurich? Feddermann kennt diese Initiativen, weiß aber auch, dass es schon einen Car-Sharing-Verein in Aurich gibt. Dessen jahrelange Arbeit werde geschätzt, deshalb solle er auf jeden Fall mit in solche Überlegungen einbezogen werden.

Fünf besondere Punkte der Innenstadtentwicklung

„Einbeziehen“ ist auch ein Stichwort für Vicki Janssen. Die 47-Jährige hatte am Montag ihren ersten Arbeitstag als City-Managerin. Auch ihre Stelle ist befristet und endet nach jetzigem Stand am 31. März 2023. Die Monate bis dahin soll Janssen nutzen, um die Innenstadt attraktiv zu machen.

Vicki Janssen soll mit Netzwerkarbeit und Ideen als Citymanagerin die Innenstadt voranbringen. Foto: Karin Böhmer
Vicki Janssen soll mit Netzwerkarbeit und Ideen als Citymanagerin die Innenstadt voranbringen. Foto: Karin Böhmer

Dazu soll Leerstandsmanagement ebenso gehören wie die Öffnung der Innenstadt für neue Digitalangebote. Stadtsprecher Johann Stromann benannte fünf Orte, um die Janssen sich besonders kümmern soll: Neben der Innenstadt sind das die Stiftsmühle, der Auricher Hafen, die Anbindung des bisherigen Nix-wie-hin-Geländes und das Familienzentrum.

Flächendeckendes kostenloses WLAN als Grundaufgabe

Janssen will als Erstes zuhören, welche Bedürfnisse und Ideen es in der Stadt schon gibt, und dann Verbindungen knüpfen. Als wesentlich sieht sie dabei das Thema Digitalisierung an. Kostenfreies flächendeckendes WLAN sei eine Grundvoraussetzung für eine attraktive Innenstadt. „Die Leute sind heute mit ihrem Smartphone unterwegs“, nennt Janssen, was eigentlich auf der Hand liegt. „Das flächendeckende WLAN steht ganz oben auf der To-do-Liste“, wirft Feddermann ein.

Janssen sieht aber noch weiteres Potenzial in der Digitalisierung und den Bedarf, Kaufleute und Kunden zu überzeugen. In Emden gebe es nun einen digitalen Supermarkt. „Für viele ist das noch eine Hürde. Deshalb sollte es Kurse geben, die erklären, wie das mit dem Mobilen Bezahlen funktioniert und was da mit meinen Daten passiert“, so Janssen. Im Familienzentrum gebe es schon eine gut genutzte Smartphone-Schule. Das könne man auf den Bereich des E-Commerce ausweiten. Und in einigen Städten gebe es auch schon öffentliche Ladestationen für Smartphones, sagt Janssen und lässt den Satz in der Luft ausklingen.

Pop-up-Stores als Gründungs-Katalysator

Sie sehe es auch als ihre Aufgabe an, sichtbar zu machen, was es alles schon gibt. „Es gibt viele Gründer in den Seitenstraßen und auf den Dörfern.“ Popup-Stores, in denen Gründer ohne lange Mietvertragsbindung eine Idee testen und im Zweifel scheitern können, sind ebenso eine Möglichkeit zur Belebung der Innenstadt wie der teil von Leerstand geprägten Straßen im Umfeld.

Und die Markthalle? „Das ist wirklich ein sehr schwieriges Thema“, sagt Feddermann. Es werde in Kürze politisch beraten. Vicki Janssen soll sich unterdessen damit vertraut machen.

Eine ihrer Aufgaben wird auch sein, das Geld, das Aurich aus einem EU-Programm zur Förderung der Innenstädte bekommt, mit zu verwalten. Dazu zählen auch die Beantragung und die Abrechnung. Doch die Sache ich gar nicht so einfach wie gehofft. Aurich hatte beispielsweise im Sinn, die Innenstadt durch Spielgeräte attraktiver zu machen. Dabei waren auch Popup-Spielplätze in der Phase des Umbaus angedacht. Der Umbau der Fußgängerzone wird allerdings bereits mit Fördergeld finanziert. Eine doppelte Förderung ist aber nicht gestattet, so Feddermann. Deshalb kommt die Fußgängerzone für solche Spielgeräte gar nicht infrage. Ob der Georgswall - ebenfalls bei der Sanierung gefördert - dafür geeignet wäre, müsste geklärt werden. Im Moment nehme die Stadt die Grünfläche zwischen der Innenstadt und dem früheren Nix-wie-hin-Gelände ins Visier. Diese Verbindung gelte es auch zu stärken, so Stromann.

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