Meinung
Personalprobleme in Kliniken gab es schon vor Corona
Die Pandemie wirft ein Schlaglicht auf das wohl größte Problem der Kliniken: den Personalmangel. Doch diesen gab es schon vor Corona. Die Politik lässt die Krankenhäuser im Regen stehen.
Corona wirft auch ein Schlaglicht auf das wohl größte Problem der Krankenhäuser: den Mangel an Fachkräften. Die Pandemie hat das Problem nicht geschaffen. Aber sie rückt es in den Fokus. Seit Covid-19 dreht sich vieles um die Frage, wie ausgelastet die Kliniken sind.
Um es positiv zu sehen: Endlich werden die Missstände, unter denen das Personal, aber auch die Geschäftsleitungen bundesweit zu leiden haben, aufgedeckt. Doch die Erfahrung zeigt: Die Politik lässt die Krankenhäuser mit diesem massiven Problem im Regen stehen – und schafft durch neue Vorschriften weitere Probleme.
UEK musste zeitweise Zentrale Notaufnahme und Intensivstation abmelden
In dieser Woche nahm die Trägergesellschaft der Ubbo-Emmius-Klinik Stellung zu Beschwerden über eine zu hohe Arbeitsbelastung. In dem Schreiben von Geschäftsführerin Dr. Astrid Gesang heißt es, aufgrund von Engpässen beim Personal mussten zeitweise die Zentrale Notaufnahme und die Intensivstation der Häuser in Aurich und Norden abgemeldet werden. Eine neue Personaluntergrenze, die seit Februar gilt, verschärft die Lage auf den Intensivstationen noch.
Zwei Patienten auf eine Pflegekraft, so lautet der neue Schlüssel. Kliniken suchen dafür zusätzliches Personal. Und zwar alle gleichzeitig auf einem schmalen Arbeitsmarkt. Klinikbetreiber hatten vor diesem Problem gewarnt. Jetzt werden sie mit dem Personalmangel alleingelassen.
Warme Worte der Anerkennung reichen nicht
Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass Mediziner und Pflegepersonal geradezu verzweifelt vor der nächsten Corona-Welle warnen. Schon vor der Pandemie gelangten die Kliniken im Winter zum Teil ans Limit.
Mit Corona laufen sie Gefahr, in die bisher undenkbare Lage zu geraten, nicht alle schwerst Kranken versorgen zu können. Denn jeder Covid-Intensivpatient benötigt eigentlich eine eigene Pflegekraft. Es wäre Aufgabe der Politik, bessere Bedingungen zu schaffen. Da ist vor allem das Gehalt zu nennen. Warme Worte der Anerkennung reichen nicht.
Aber auch die Gesellschaft kann etwas tun: sich impfen lassen. Das beseitigt zwar nicht die Personalprobleme der Kliniken. Die werden bleiben. Aber es ist eine Soforthilfe zur Entlastung, die noch dazu so einfach ist.
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