Aurich

Stadt übernimmt Kindergarten „Rappelkiste“ Walle

| | 27.10.2021 13:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im Kindergarten „Rappelkiste“ in Walle werden rund 60 Kinder in drei Gruppen an zwei Standorten betreut. Foto: Stephan Friedrichs
Im Kindergarten „Rappelkiste“ in Walle werden rund 60 Kinder in drei Gruppen an zwei Standorten betreut. Foto: Stephan Friedrichs
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Bislang wurde der Kindergarten „Rappelkiste“ in Walle von einem ehrenamtlichen Verein getragen. Doch es fand sich kein neuer Vorstand. Nun geht die Trägerschaft in professionelle Hände.

Aurich - Für einen Verein von Ehrenamtlichen ist es eine Herkulesaufgabe, eine Kindertagesstätte zu führen. Gegründet wurden solche Trägervereine in den vergangenen Jahrzehnten oft aus privaten Eltern-Initiativen heraus. Doch mit der Zeit wuchsen die Einrichtungen, wurden die Aufgaben und die Verantwortung größer – so groß, dass sie für eine Handvoll Ehrenamtlicher kaum zu stemmen sind.

Auch der Trägerverein des Kindergartens „Rappelkiste“ in Walle hat sich Anfang August aufgelöst, weil sich nicht mehr genug Ehrenamtliche fanden, die die Herkulesaufgabe stemmen mochten. „Es wird wirklich Zeit, das in professionelle Hände zu geben“, sagte der bisherige Vereinsvorsitzende und jetzige Liquidator Michael Leffers auf ON-Anfrage. Anfangs, wenn man die verantwortungsvolle Aufgabe als Laie übernehme, sei einem noch gar nicht klar, was das Amt alles bedeutet.

Keine Bedenken der Eltern

Jetzt geht die Kita mit drei Gruppen und rund 60 Plätzen an zwei Standorten in die Trägerschaft der Stadt Aurich über. Darauf haben sich das Mitarbeiterteam und der frühere Vorstand einstimmig geeinigt, teilte Leffers mit. Die Entscheidung habe man Mitgliedern und Eltern am Dienstagabend bei einem Treffen mitgeteilt.

Der Kindergarten „Rappelkiste“ in Walle. Foto: Stephan Friedrichs
Der Kindergarten „Rappelkiste“ in Walle. Foto: Stephan Friedrichs

„Wir hatten vorab auch mit anderen möglichen Trägern gesprochen. Allerdings haben wir jetzt schon viele Schnittstellen mit der Stadt – und die Zusammenarbeit lief immer sehr gut“, so Leffers. Wegen der jetzt schon engen Beziehungen und der Rückversicherung, dass der Betrieb des Kindergartens auch unter Trägerschaft der Stadt wie bisher weiter gehen wird, habe es keine Bedenken der Eltern gegeben. Man werde jetzt die nächsten Schritt einleiten, so Leffers.

Stadtverwaltung bereit zur Übernahme

Erster Stadtrat Hardwig Kuiper, zuständig für den Bereich Kitas, bestätigte auf ON-Anfrage, dass die Verwaltung seit längerer Zeit im Gespräch mit dem Trägerverein war, um eine mögliche Übernahme auszuloten. Dabei seien der Fachdienst Soziales, das Personalamt und der Personalrat eng eingebunden gewesen, betonte Kuiper.

Auch mit der Ortsbürgermeisterin von Walle, Monika Gronewold (CDU), sei man in der Sache in Kontakt gewesen. Man habe dem Verein ein „deutliches Signal gesendet, dass wir das machen würden“, so Kuiper. Nun brauche es noch einen politischen Beschluss in den Gremien des neuen Stadtrates. Das Thema solle „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ auf der Tagesordnung stehen, so Kuiper.

Auch Lebenshilfe war im Gespräch

Ein möglicher Träger, den der Verein im Blick hatte, war die „Leila“, eine Gesellschaft der Auricher Lebenshilfe, die bereits mehrere Kitas im Landkreis Aurich betreibt. Die neue „Leila“-Geschäftsführerin Dr. Nele Krampen sagte auf ON-Anfrage, es wohl Interesse seitens des Vereins gegeben, unter das Dach der Leila zu gehen. „Das ist eine ganz tolle Einrichtung. Wir hätten das auch gerne gemacht“, so Krampen. Sie betonte den großen Einsatz des Vereinsvorsitzenden Michael Leffers und seinem Team. Doch weil die Übernahme relativ kurzfristig zum Jahresbeginn erfolgen müsste, sei das nicht machbar gewesen, so Krampen.

Ortsbürgermeisterin Monika Gronewold zeigte sich auf ON-Anfrage zufrieden mit der Entscheidung. Denn genau diese hatte der Ortsrat im September nach der Auflösung des Trägervereins einstimmig empfohlen. „Das ist jetzt auf einem guten Weg“, so Gronewold.

Ortsbürgermeisterin wünscht sich Ganztagsbetreuung

Sie betonte zugleich, dass der Kindergarten aus Sicht des Ortsrates in Zukunft zügig weiterentwickelt werden muss, damit Walle im Vergleich zu anderen Stadtteilen attraktiv bleibt. Ein Antrag auf eine Ganztagsbetreuung sei bei der Stadtverwaltung bereits gestellt. Auf längere Sicht sei auch eine Krippenangebot wünschenswert, das es derzeit in Walle nicht gibt, so Gronewold.

Die Ortsbürgermeisterin erinnerte daran, dass sie den Trägerverein des Kindergartens 1987 selbst mitgegründet habe. Damals sei man mit einer Nachmittagsbetreuung von rund 20 Kindern gestartet. Anfang der 1990er-Jahre sei dann die Umwandlung von einem Spielkreis in einen Kindergarten erfolgt. Die Stadt habe finanziell unterstützt, das habe jahrelang gut geklappt, so Gronewold. „Aber es wurde immer schwieriger, Vorstandsmitglieder zu finden.“ Zumindest dieses Problem ist durch die Übernahme der Stadt nun wohl vom Tisch.

Zur Unterstützung der künftigen Arbeit der neu aufgestellten „Rappelkiste“ hat sich am Dienstagabend außerdem ein neuer Förderverein gegründet. Vorsitzender ist der Wallster Pastor Helge Preising.

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