Aurich
Klinik-Nachnutzung: Viele Ideen – noch wenig Konkretes
Bislang war nicht viel zu hören darüber, wie die riesigen Gebäude in Aurich und Norden nach 2028 genutzt werden sollen. Nun gibt es erste Vorschläge mit einigen Eckpunkten.
Aurich - Welche Gebäude könnten wie genutzt werden? Was soll das kosten – und wer bezahlt es? Wer solche konkreten Informationen darüber erwartet hatte, was nach Eröffnung der Zentralklinik an den Altstandorten Aurich und Norden ab 2028 passieren soll, der war am Ende der Sitzung des Kreis-Krankenhausausschusses am Donnerstag womöglich enttäuscht. Denn fest steht bislang noch kaum etwas.
Sicher ist laut Andreas Epple, beim Landkreis zuständig für die Nachnutzung der Altkliniken, nur, dass sowohl in Aurich als auch in Norden eine sogenannte Notfall-Triage-Praxis eingerichtet wird, an die sich Patienten zunächst wenden können. Eine solche Einrichtung, betrieben rund um die Uhr, war immer eine Forderung der Zentralklinik-Gegner gewesen. Details zu der Notfallpraxis nannte Epple nicht, nur, dass in Aurich dafür erhebliche Umbauarbeiten notwendig würden, in Norden nur kleinere Arbeiten.
Alles soll sich um Gesundheit drehen
Ansonsten steht laut Thomas Joosten von der beauftragten Beratungsfirma GÖK Consulting nur fest, dass sich auf dem Gelände in Aurich und Norden weiter alles um Gesundheit drehen soll. Ein „Gesundheitscampus“ solle entstehen, die vorhandenen Gebäude böten sich dafür an. Das sei naheliegend, so Joosten. Die Nutzung als stadtnahes neues Wohngebiet ist damit offenbar keine Option.
Möglich seien auf dem Gelände alle Nutzungen, die etwas mit Gesundheit und Vorsorge zu tun haben, von Arztpraxen, über eine Apotheke oder einen Optiker bis hin zu einem Kindergarten oder einer Behinderteneinrichtung. Immer wieder genannt wurden auch stationäre oder ambulante Pflegeeinrichtungen.
Epple: Profit steht nicht im Mittelpunkt
In Aurich geht es laut Andreas Epple um rund 30 000 Quadratmeter nutzbare Klinikfläche (41 000 mit Nebeneinrichtungen), in Norden um gut 19 000 Quadratmeter. Epple betonte, dass es dem Landkreis nicht darum gehe, den höchsten Mietpreis zu erzielen, sondern die bestmögliche Gesundheitsversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Manchen Akteuren gehe es vor allem um Profitmaximierung. „Das ist nicht unser Interesse“, so Epple. Man betrachte das Thema aus medizinischer Sicht, nicht aus der eines Immobilienverwalters. Wichtigster erster Schritt sei eine Bestandsaufnahme, welche Gebäude überhaupt wie genutzt werden können. Auch um „böse Überraschungen“ zu vermeiden, so Epple.
Er betonte, dass auch die vorhandenen Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) an den Standorten bleiben sollen, räumte aber ein, dass möglicherweise nicht alle derzeit angesiedelten Arztpraxen bleiben, sondern manche lieber mit der Zentralklinik nach Uthwerdum ziehen könnten.
Berater: Bau der Zentralklinik ist sinnvoll
Doch Berater Joosten glaubt, dass das Konzept des „Gesundheitscampus“ gerade für jüngere Ärzte attraktiv sein könnte. Er wiederholte noch einmal die Argumente für den Bau der Zentralklinik. Es gebe angesichts sinkender Auslastung zu viele Krankenhausbetten in Deutschland, der Trend gehe zu ambulanten Behandlungen, die Liegezeiten in den Kliniken würden kürzer. Außerdem gebe es einen Fachkräftemangel.
Darüber hinaus müsse jede Klinik eigentlich rund acht Prozent ihres Umsatzes in den Erhalt ihrer Gebäude- und Techniksubstanz investieren. Die Fördermittelquote der Länder liege aber nur noch bei gut drei Prozent, so Joosten. Die „Lücke“ müssten die Träger, Landkreise oder Städte, finanzieren. Deshalb zentralisiere man in ganz Deutschland Klinikleistungen, um eine höhere Qualität der medizinischen Leistungen zu bekommen. Daher sei es „schlau, ein neues gemeinsames Krankenhaus zu bauen“, so Joosten. Auch für die Gesundheitszentren an den Altstandorten gebe es Fördergeld vom Staat.
Planung soll parallel zur Zentralklinik laufen
Was die Nachnutzungs-Ideen kosten könnten, darüber gebe es noch keine Informationen, hieß es.
Wichtig sei, dass der Planungsprozess für die Nachnutzung parallel zu Planung und Bau der Zentralklinik in Uthwerdum laufe, betonten Epple und Joosten. „Das braucht eine feine Abstimmung mit der Trägergesellschaft. Die Übergabe soll Hand in Hand laufen ohne längere Leerstände.“
Grünen-Abgeordnete Gila Altmann wollte wissen, ob auch mögliche Geburtshilfe-Angebote in Aurich und Norden geplant seien. Daran hatte, trotz der Diskussionen der vergangenen Jahre, aber offenbar noch niemand gedacht.
Altkliniken sollen Gesundheitszentren werden
Noch kein Konzept für UEK-Nachnutzung in Aurich
Nachnutzung der Klinikstandorte ist Thema
Perspektive für die UEK Aurich fehlt