Aurich
Kreissportbund Aurich schlägt Alarm: Zu wenig Übungsleiter
In den rund 300 Vereinen des Kreissportbunds Aurich fehlen Übungsleiter. Mit einer Umfrage soll nun der Bedarf geklärt werden.
Aurich - Der Kreissportbund Aurich hat ein Problem. In seinen rund 300 Vereinen fehlen Übungsleiter. Eine tickende Zeitbombe für die Zukunft, die den Sportbetrieb lähmen könnte. Mit einer Umfrage bei den Vereinen will der KSB ergründen, wie groß der Bedarf an Übungsleitern ist. Das sagte die stellvertretende Vorsitzende Imke Goudschaal gestern Vormittag den Ostfriesischen Nachrichten auf Anfrage.
„Die Nachfrage nach sportlichen Angeboten in den Vereinen ist groß, aber sie kann vielfach nicht erfüllt werden, weil qualifiziertes Personal dafür fehlt. Und da wollen wir jetzt ran“, so Goudschaal. In den nächsten Tagen erhalten die Vereine Post vom KSB. Es soll einerseits der Bedarf und das Interesse der Vereine in Sachen Übungsleiterausbildung ermittelt und andererseits offene Fragen angegangen werden, um Unsicherheiten auszuräumen.
Handlungsbedarf beim Kindersport
Der KSB sieht besonders im Kinder- und Jugendbereich Handlungsbedarf. Dort ist die Nachfrage nach Sportangeboten besonders groß. Das bestätigte Wilfried Theessen, Vorsitzender des MTV Aurich mit rund 3200 Mitgliedern einer der größten Vereine Ostfrieslands. Theessen: „Kaum waren die Hallen wieder offen, da schnellte die Nachfrage nach oben. Der Bewegungsdrang bei Kindern ist nach der langen Corona-Pause groß. Das merken wir.“ Die Gruppen wurden größer. So groß, dass man Gruppen teilen müsste. Aber dafür fehlen Übungsleiter, gibt Theessen zu bedenken.
Der Verein versucht, aus der Elternschaft Kräfte zu gewinnen. Übungsleiter sprechen Mütter oder Väter an und versuchen, sie für die Mitarbeit zu überzeugen. Wenn Interesse an einer Übungsleiterausbildung besteht, dann übernimmt der Verein auch die Kosten. Je nachdem, wo die Lehrgänge stattfinden, kann da auch schon mal ein Betrag von bis zu 2000 Euro zusammen kommen. Gut investiertes Geld, befindet Theessen, denn die Übungsleiter verpflichten sich, für mehrere Jahre für den Verein tätig zu sein.
Hohe Anforderungen
Nach Auskunft von Theessen sind die meisten Frauen und Männer, die als Übungsleiter beim MTV tätig sind, aktive oder ehemalige Sportler. Sie bringen reichlich Erfahrung mit und erhalten mit der Ausbildung pädagogisches und methodisches Rüstzeug an die Hand, um Übungsstunden vorzubereiten und Sportgruppen zu leiten. Dazu gesellen sich Inhalte zur Dopingprävention oder zum Schutz vor sexualisierter Gewalt. Nicht nur das. Der MTV verlangt von seinen Lizenzinhabern auch ein polizeiliches Führungszeugnis.
Im vergangenen Jahr verlor der MTV Aurich rund 200 Mitglieder. Die übliche Fluktuation und Todesfälle sowie keine Eintritte wegen Corona. Nun verzeichnet der MTV eine große Nachfrage. Damit dürften die Verluste aus dem Vorjahr kompensiert werden, glaubt Theessen. Zusätzliche Übungsleiter wären schon hilfreich, denn dann könnten die Angebote erweitert oder vertieft werden.
Auf der Straße Erfahrungen gesammelt
Arno Penning, Vorsitzender des Boßelvereins „Ostfrisia“ Rahe, ist schon seit einigen Jahrzehnten als Jugendbetreuer im Verein unterwegs. Eine Lizenz hat er nicht. Er bekennt: „Ich habe mein Wissen und meine Erfahrungen auf der Straße von meinen Jugendbetreuern bekommen und es weiterentwickelt.“ Für den Besuch eines Übungsleiterlehrgangs hat er sich nie die Zeit genommen. 90 Stunden fallen für Ausbildung der C-Lizenz im Breitensport an. Der Unterricht findet auch an Wochenenden en bloc statt. Für Penning eine hohe Hürde, da er an den Wochenenden boßelt oder eine Nachwuchsmannschaft betreut.
In seinem Verein haben zwei Mitglieder eine Lizenz. Das könnten ruhig noch mehr sein, so Penning und hofft, dass er sich demnächst durchringt und den Lehrgang besucht.
Arbeit verhindert Teilnahme
Auch Johann Weber von den Leegmoorer Schützen hat es in jungen Jahren verpasst, sich der Ausbildung zum Übungsleiter zu stellen. Er sagt: „Vor 40 Jahren wollte ich den Lehrgang machen, aber es klappte wegen der Arbeit nicht. Dabei ist es dann auch geblieben.“ Er hat seine Erfahrungen im Schießstand gemacht und auch von der Zusammenarbeit mit anderen Trainern profitiert. Dazu zählt er den ehemaligen Kadertrainer Heinz Hauschild. Das sei eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit gewesen, meint Weber. Gegenwärtig absolviert Vereinskollege Dennis Grünhoff den Übungsleiterlehrgang. Er wäre dann der einzige C-Lizenzinhaber im Verein, so Weber. „Dann leben wir nicht nur von den Erfahrungen unserer Schützen, sondern auch von dem, was Dennis mitbringt“, freut sich Weber.
Claus Dirks, Vorsitzender des TuS Westerende macht sich in Sachen Übungsleiter gegenwärtig keine großen Sorgen. Er sagt: „Wir haben zwei im Bereich Fußball und auch sonst sind wir gut aufgestellt. Bei uns übernehmen viele Eltern Aufgaben. Ohne die geht es nicht.“
Vereinschef Dirks spielte auch schon mit dem Gedanken, den Lehrgang zu machen, aber es klappte mit seiner Arbeit oder seinem Urlaub nicht. Häufig gehörte Argumente in den Vereinen.