Aurich
Linke: Markthallen-Pläne sind „Verlängerung des Elends“
Seit Jahren wird über die Zukunft des zentralen Gebäudes gestritten. Nun will die Stadtverwaltung die endgültige Entscheidung weiter vertagen. Vor allem die Linken sind für eine radikale Lösung.
Aurich - Nur eine „Verlängerung des Elends“ nennt der scheidende Linken-Ratsherr Hendrik Siebolds die neuen Pläne zur Auricher Markthalle. Grünen-Fraktionssprecherin Gila Altmann sagt auf ON-Anfrage: „Das lange Sterben geht weiter.“ Wie berichtet schlägt die Auricher Stadtverwaltung der Politik vor, die Mietverträge mit den verbliebenen Pächtern bis Ende 2023 zu verlängern, weitere neue Mieter zu werben und ein neues Gutachten zur Zukunft des Gebäudes in Auftrag zu geben.
Siebolds lehnt, wenig überraschend, die neue Beschlussvorlage rundweg ab. „Die Halle wird nicht gebraucht. Sie wird nicht schöner und besser. Sie blockiert den Marktplatz. Wir sollten den Schrecken schnell beenden.“ Seine Fraktion plädiert wie bisher schon für einen schnellen Abriss. Auch eine weitere Untersuchung lehnen die Linken ab. „Das Gutachten ist rausgeschmissenes Geld. Ich weiß nicht, was da rauskommen soll“, so Siebolds.
„Wenn man ranklotzt, ist die Halle in zwei Wochen weg“
Das Argument, ein Abriss oder eine zeitnahe Sanierung würden der Innenstadt eine weitere Großbaustelle bescheren, lässt der Linken-Ratsherr nicht gelten. „Das sind Behelfsargumente. Wenn man da ranklotzt, ist die Halle in zwei Wochen weg.“ Auch die dann fehlende Pflasterung auf dem Marktplatz sieht Siebolds nicht als Problem. „Der Bauhof hat jede Menge Steine rumliegen.“
Der Auricher Marktplatz sei historisch immer eine Freifläche gewesen. Er könne die Angst vor dem leeren Raum nicht nachvollziehen, so Siebolds. „Es hat viele Vorteile, den ganzen Platz zur Verfügung zu haben.“ Für Gastronomie sei im Übrigen angesichts vieler Leerstände auch in anderen Gebäuden Platz.
Grüne fordern Zeit- und Finanzierungsplan
Grünen-Fraktionssprecherin Altmann sieht die neuen Pläne der Stadtverwaltung, die das Thema wieder „auf Sankt Nimmerlein verschieben“, ebenfalls kritisch. Sie ist für einen „geordneten Rückbau“, wie sie es nennt. Die Grünen wollten „das Ding auch weghaben“, so Altmann. Allerdings wolle man vor einem schnellen Abriss ein Konzept für die Zukunft haben. „Es muss einen Zeit- und Finanzierungsplan geben,“ fordert Altmann.
Wie Siebolds lehnt auch die Grüne eine „Subventionierung ohne Ende“ ab. „Es sollte kein Pfennig öffentliches Geld mehr in die Markthalle fließen“, so Altmann. In der neuen Beschlussvorlage stört sie auch die Verlängerung der Mietverträge bis Ende 2023. Ein Jahr weniger hätte aus ihrer Sicht auch gereicht.
SPD: „Abriss kommt nicht in Frage“
Deutlich andere Töne kommen von den größeren Fraktionen im Auricher Stadtrat. „Uns bleibt im Grunde keine Wahl“, sagte SPD-Fraktionschef Harald Bathmann auf ON-Anfrage. Die bisherigen Investorenpläne seien nicht umsetzbar gewesen. „Und ein Abriss kommt für uns nicht in Frage. Wir gehen davon aus, dass die Markthalle der Innenstadt grundsätzlich eher hilft als schadet“, so Bathmann. Es sei im Augenblick wegen der Corona-Krise aber leider eben schwierig, Investoren zu gewinnen, gerade im Gastronomiebereich. Kurzfristig sei es wichtig, einen Leerstand zu verhindern. Deshalb unterstütze die SPD die Pläne der Stadtverwaltung.
So ähnlich sieht es auch CDU-Fraktionschef Arnold Gossel. „Wir müssen jetzt ein bisschen Zeit gewinnen“, sagt er auf ON-Anfrage. Mit dem bisherigen Verfahren sei man nicht weitergekommen. Gossel wundert sich allerdings über das geringe Interesse der Investoren. „Wenn ich irgendwo Geld verdiene, dann doch dort“, so der Christdemokrat.
CDU: „Bei Abriss müsste Riesenfläche bespielt werden“
Von einem Abriss hält er ebenfalls nichts. Das werde nämlich auch sehr teuer. „Und dann haben wir da eine Riesenfläche, die bespielt werden muss“, gibt Gossel zu bedenken. Das findet auch GFA-Fraktionsvorsitzender Hans-Gerd Meyerholz. „Wir können nicht noch mehr abreißen“, sagt er.
Die künftige FDP-Fraktionsvorsitzende Sarah Buss hält die aktuellen Pläne der Stadtverwaltung im Grunde ebenfalls für nachvollziehbar. Sie könne verstehen, dass eine weitere Großbaustelle in der Innenstadt derzeit nicht sinnvoll sei. Der neue Stadtrat müsse sich aber gleichwohl zügig zum weiteren Vorgehen positionieren, so Buss.
Wann die neue Beschlussvorlage zur Auricher Markthalle den politischen Gremien zur Abstimmung vorgelegt wird, steht derzeit noch nicht fest.
Ohne Konzept kommt die große Leere
Nur noch ein Mieter ist übrig