Aurich

Fünf turbulente Jahre: Abschied für 28 Kreispolitiker

| | 14.10.2021 19:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mit Hermann Akkermann (SPD, Krummhörn) verabschiedete Landrat Olaf Meinen den dienstältesten ausscheidenden Abgeordneten. Foto: Stephan Friedrichs
Mit Hermann Akkermann (SPD, Krummhörn) verabschiedete Landrat Olaf Meinen den dienstältesten ausscheidenden Abgeordneten. Foto: Stephan Friedrichs
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Zentralklinik, Corona-Pandemie, Bauernproteste: Es gab viele umstrittene Themen seit 2016 für die Abgeordneten des Kreistags. Landrat Olaf Meinen blickte zurück – von einer Sache war er überrascht.

Aurich - Es war wohl die turbulenteste Wahlperiode in der mehr als 40-jährigen Geschichte des Landkreises Aurich, sagte der Landrat. Zwischen Ende 2016 und heute gab es die heftige Debatte um den Bau der Zentralklinik mit einem Bürgerentscheid. Es gab die umstrittene Ausweisung neuer Naturschutzgebiete, gegen die 500 Bauern mit 250 Treckern vor dem Sitzungssaal in Middels Sturm liefen. Und es gab die Corona-Pandemie, die alles veränderte. Landrat Olaf Meinen (parteilos) erinnerte sich am Donnerstag in der 32. und letzten Sitzung des alten Auricher Kreistags daran, wie er dem Norderneyer Bürgermeister erklären musste, dass seine Insel „dicht gemacht“ wird.

Landrat „manchmal überrascht von der Schärfe“

Alles in allem: Die Wahlperiode war nicht langweilig, sondern herausfordernd. Unter den Abgeordneten des Kommunalparlaments sei es ab und an hoch hergegangen. Es habe auch persönliche Verletzungen gegeben. „Manchmal war ich überrascht von der Schärfe der Diskussionen“, so Meinen. Doch am Ende seien die Beschlüsse doch meist mit großen Mehrheiten gefasst worden.

Von der Intensität her sei die Arbeit im Landkreis nicht mit der in den Städten und Gemeinden zu vergleichen, so Meinen. Als Beispiel nannte er das Thema Tiertransporte, bei dem Mitarbeiter des Kreis-Veterinäramtes bedroht wurden. „Wenn man sieht, was da in den sozialen Medien abgeht, ist das manchmal schon schwer zu ertragen.“

Auch Hinrich Röben saß 20 Jahre lang im Auricher Kreistag. Foto: Stephan Friedrichs
Auch Hinrich Röben saß 20 Jahre lang im Auricher Kreistag. Foto: Stephan Friedrichs

Insgesamt verabschiedete der Landrat am Donnerstag 28 der 58 Kreistagsabgeordneten. 14 von ihnen waren nicht wiedergewählt worden, 14 weitere hören freiwillig auf. Das sei durchaus eine

Lob auch für Familien der Kreispolitiker

Zäsur. „Sie haben sich alle ehrenamtlich zum Wohl des Landkreises eingesetzt“, lobte Meinen. Er hob zugleich die Rolle der Familien hervor. „Wenn der Partner nicht dahintersteht, kann das nicht funktionieren.“

Für die kommende Wahlperiode von 2021 bis 2026 ist der Landrat „überzeugt, dass sie genauso turbulent wird“. „Wir haben einiges an Themen vor dem Bug, hoffen zum Beispiel auf konkrete Schritte zur Zentralklinik“, so Meinen.

Als dienstältester, ausscheidender Kreistagsabgeordneter wurde nach 35 Jahren Hermann Akkermann (SPD, Krummhörn) verabschiedet. Er war von 1996 bis 2001 stellvertretender Landrat. „Du warst immer die Ruhe selbst, auch wenn intensiv diskutiert wurde“, lobte Meinen.

Mehrere „Urgesteine“ verabschiedet, Beekhuis verhindert

Auch weitere Urgesteine wie Theo Frerichs (CDU, Aurich, 20 Jahre, „Es gibt wohl keinen Auricher, der ihn nicht kennt“), Alfred Meyer (SPD, Wiesmoor, 12 Jahre, „Immer authentisch“) oder Hinrich Röben (SPD, Aurich, 20 Jahre, „Kommunalpolitik war ihm Herzensangelegenheit“) wurden verabschiedet.

Zu den Ausscheidenden gehörte auch Ex-SPD-Fraktionschef Jochen Beekhuis, der wegen der Chataffäre aus der Partei ausgeschlossen worden war und später in die AKSBG-Gruppe wechselte. Beekhuis war am Donnerstag nicht vor Ort, weil er an der Sitzung des Landtags in Hannover teilnahm.

Ebenfalls war es für den Vorsitzenden Erwin Sell die letzte Sitzung. Er wurde zum Samtgemeindebürgermeister in Hage gewählt und tritt das Amt am 1. November an. „Du musstest immer mal wieder eingreifen. Bei 59 Mitgliedern war das gar nicht immer so einfach“, lobte Landrat Meinen, der Sells Ruhe schätzt.

Sell gab das Lob an die Abgeordneten zurück: „Sie haben mir die Arbeit sehr einfach gemacht.“ Und das trotz der turbulentesten Wahlperiode in der Geschichte des Landkreises.

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