Bedekaspel
Pizzeria am Großen Meer: Nach Mietstreit geht der Ofen aus
Nach einem Streit um eine Mieterhöhung müssen Abdallah Boral und seine Familie ihre Pizzeria am Großen Meer voraussichtlich aufgeben. Nun klammern sie sich an einen letzten Strohhalm.
Bedekaspel - Bald ist Schluss: Die Pizzeria „Al Mare“ am Großen Meer muss schließen. Grund ist aber weder die Corona-Pandemie, noch anderweitig fehlende Einnahmen. Die Betreiberfamilie hat stattdessen einen Rechtsstreit gegen den Vermieter verloren und muss das Gebäude räumen. Zu den Umständen, die dazu geführt haben, gehen die Meinungen beider Parteien deutlich auseinander.
„Leider endet für uns das Kapitel hier“, schreibt Abdallah Boral bei Facebook. Illustriert ist der Beitrag mit einem Foto des Auricher Landgerichts. Dort stritt die Familie Boral nach eigenen Angaben über Monate mit dem Vermieter Volker Iben von VIP Immobilien in Aurich. Der hatte das Gebäude samt Pizzeria 2019 gekauft, wie er den ON auf Anfrage sagte. Nun hat er eine Räumungsklage durchgesetzt.
Es geht um die Miete
Grund für die Auseinandersetzung sind Streitigkeiten um die Höhe der Miete, wie beide Seiten den ON übereinstimmend sagten. Als Iben das Gebäude übernahm, hätten die Betreiber der Pizzeria eine Miete von zwei Euro pro Quadratmeter bezahlt. Für eine Wohnung in dem Bereich wären laut Iben dagegen etwa sieben Euro fällig. Er habe daraufhin mit den Gastronomen über eine Mieterhöhung sprechen wollen. Damit habe der Ärger begonnen, in dessen Zuge er sich zeitweise sogar bedroht gefühlt habe.
Im Wesentlichen stellen die Gastronomen diesen Sachverhalt ähnlich dar. Sie berufen sich jedoch auf den Mietvertrag, den sie mit der vorherigen Eigentümerin geschlossen hatten. Dieser sei unbefristet gewesen, was sich auch durch Tonaufnahmen belegen lasse. Mit einer Mieterhöhung seien sie zunächst nicht einverstanden gewesen, gibt Abdallah Boral zu. Als Grund gibt er die Corona-Pandemie an, in deren Zuge das Restaurant zeitweise ganz schließen musste. Dennoch habe man die Miete stets bezahlt. Zudem habe man vor der Eröffnung einiges in das Restaurant investiert, weshalb man auch auf einen unbefristeten Mietvertrag gedrungen habe. Eine Verdopplung der Miete von 600 Euro auf 1200 Euro sei aber nicht zu bezahlen gewesen.
Eigentümer: Kündigung schon vor Corona
Laut Volker Iben zieht das Corona-Argument jedoch nicht. Er habe das Gebäude Mitte 2019 gekauft und umgehend die Miete erhöhen wollen. Weil das nicht akzeptiert wurde, habe er den Gastronomen bereits zum März 2020 gekündigt – also zu dem Zeitpunkt, als Corona in Deutschland gerade erst ein großes Thema geworden war.
Hier weichen die Darstellungen somit voneinander ab. Unverständnis äußert Abdallah Boral auch über die frühere Vermieterin. Die habe stets bestätigt, dass es einen unbefristeten Mietvertrag gebe. Vor Gericht habe sie ihre Aussage geändert. Von offizieller Stelle bestätigt sind die gerichtlichen Aussagen nicht. Und in diesem Punkt sind sie nach Auffassung von Iben auch nicht relevant, denn: Auch ein unbefristeter Mietvertrag könne von beiden Parteien gekündigt werden.
Ende Oktober ist Schluss
Nach derzeitigem Stand ist am 24. Oktober Schluss. Darauf weisen die Gastronomen auf einem Schild am Parkplatz der Pizzeria an der Schöpfwerkstraße hin. Wie es mit dem Betrieb weitergeht, weiß Abdallah Boral aktuell nicht. Versuche, an anderer Stelle am Großen Meer ein Restaurant zu eröffnen, schlugen bislang fehl. Viele Stammgäste bedauerten bereits, dass das Restaurant wohl schließen muss. An einen letzten Strohhalm klammern sich die Betreiber aber noch: Sie wollen gegen das Urteil ein Rechtsmittel einlegen. Der Ausgang ist offen und die Kosten dafür sind vermutlich hoch.
Noch nicht sicher ist, was mit dem Gebäude passiert, wenn die Gastronomen ausgezogen sind. Volker Iben hat dafür bereits einen Käufer gefunden. Er hält es für möglich, dass dieser das Restaurant zu Wohnungen umbaut. Die würden schließlich gebraucht.