Aurich/Südbrookmerland
Erntekrone: Im „Ährenamt“ für den Bundespräsidenten
„Ährenamt“ nennen die Auricher Landfrauen das Binden der Erntekrone, die am Sonntag an Bundespräsident Steinmeier überreicht werden soll. Für die Frauen ist das Neuland.
Aurich/Südbrookmerland - In Windeseile fliegt der Bindedraht um das Getreide, das borstig versucht, wieder abzurutschen. „Wichtig ist, dass keine Lücken entstehen und dass der Draht nicht sichtbar ist“, sagt Bianca König-Uken, Floristin und Landwirtin in Aurich. Neben ihr flechten und wickeln sechs Landfrauen an einem Gestell, um eine besondere Erntekrone zu binden. Diese Krone ist für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bestimmt. Und er will sie, wie bereits berichtet, am Sonntag in einem ökumenischen Gottesdienst in Victorbur in Empfang nehmen.
Große Erfahrung im Binden von Erntekronen haben die sechs „Frauen im Ährenamt“, wie sie sich selbst scherzhaft nennen, nicht. Doch unter der kundigen Anleitung von Bianca König-Uken wächst das rund 1,30 Meter hohe Kunstwerk mit einem Durchmesser von gut einem Meter in die Höhe. Gebunden wurde die Erntekrone in den Räumen von Blumen König an der Wallinghausener Straße. „Kränze binden wir Landfrauen ja zu jeder Gelegenheit“, sagt Kerstin Kulke, während sie aus dem Inneren der Krone die Haferhalme befestigt. „Aber so eine Erntekrone für den Bundespräsidenten, naja, das hat schon was.“ Dabei sei die Anfrage überraschend gekommen, sagt Maren Ziegler vom Landwirtschaftlichen Hauptverein Ostfriesland. „Unser erstes Problem war: Wo bekommen wir ein Gestell für die Krone her?“ Denn seit dem Erntedankfest am 3. Oktober hängen in den meisten Kirchen die Erntekronen bereits. Und dort bleiben sie – so will es der Brauch - bis sie von den Adventskränzen abgelöst werden. Also wurde eilends ein neues Metallgestell in Auftrag gegeben und gefertigt.
Wichtiges Fest für Menschen auf dem Land
Dass die Bundespräsidenten eine Erntekrone bekommen, ist laut Clara Billen vom Deutschen Landfrauenverband mit Sitz in Berlin eine jahrzehntelange Tradition. Einen ökumenischen Gottesdienst mit anschließender Bürgerbegegnung gibt es aber erst zum dritten Mal. Hinter der Aktion steht der sogenannte „Viererkreis“. Zu ihm gehören neben dem Landfrauenverband noch der Deutsche Bauernverband, die Katholische Landvolkbewegung Deutschland und der Evangelische Dienst auf dem Lande in der Evangelischen Kirche in Deutschland. „Das Erntedankfest ist für die Menschen im ländlichen Raum und die Bauernfamilien ein wichtiges Fest. Es ist ein Moment zum Innehalten“, sagt Billen.
Bis zum Sonnabend erfolgt noch das „fine tuning“ an der Krone mit bunten Bändern und Früchten. Nach der feierlichen Übergabe auf einem eigens organisierten Erntemarkt in Victorbur soll die Krone im Auricher Kreishaus hängen. Denn: Bundespräsident Steinmeier wird die Krone zwar persönlich entgegennehmen, aber er wird sie nicht nach Berlin ins Schloss Bellevue bringen, wie Ziegler verrät. „Er kommt mit dem Flugzeug – und da darf aus Brandschutzgründen die Krone nicht mit rein.“
Sorgen aufgrund möglicher Proteste
In Victorbur laufen derweil die Planungen für den Besuch des Staatsoberhauptes auf Hochtouren. Wie berichtet, kam die Anfrage aus Berlin auch dort überraschend für die Verantwortlichen. Der ersten Aufregung in der Kirchengemeinde wich aber schnell die Vorfreude.
Aufregung ist aber auch das Stichwort für diejenigen, die für den reibungslosen Ablauf verantwortlich sind. Bei Übergaben der Erntekrone in den vergangenen Jahren hatte es beispielsweise Proteste von Landwirten gegeben. Offiziell sei für Victorbur nichts geplant, heißt es dazu laut verschiedenen Medienberichten aus den Verbänden. Aber man könne eben nicht für alle Landwirte sprechen.
Die Sicherheitsvorkehrungen für einen Besuch des Bundespräsidenten sind aber ohnehin hoch. Schon seit Wochen befinden sich die Organisatoren deshalb unter anderem mit dem Bundeskriminalamt im Austausch, auch Besichtigungstermine vor Ort hat es schon gegeben. In die Karten schauen lassen will sich bei den Sicherheitsvorkehrungen aber natürlich niemand.
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