Aurich

Disco-Betreiber ziehen positives Fazit nach Wiedereröffnung

| | 05.10.2021 19:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
An den Diskotheken rund um Aurich war die Stimmung bei der Wiedereröffnung sehr gut. Symbolfoto: Markus Scholz/DPA
An den Diskotheken rund um Aurich war die Stimmung bei der Wiedereröffnung sehr gut. Symbolfoto: Markus Scholz/DPA
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Mit der 2G-Regel wurde nun wieder gefeiert. Im Netz gab es Kritik, die Stimmung vor Ort war jedoch ausgelassen. Ein Gasthaus in Aurich führt zum Weihnachtsgeschäft auch 2G ein - aus mehreren Gründen.

Aurich - Durchweg positiv ist die Bilanz der Discobetreiber rund um Aurich, die mit der 2G-Regel wieder an den Start gegangen sind. Monika Frieden vom Tiffany berichtete von guter Stimmung in ihrem Tanzlokal, das an zwei Abenden am Wochenende unter der neuen Regel öffnete. Es sei nicht zu langen Wartezeiten gekommen. Auch Komplikationen oder Unmutsäußerungen von den Gästen seien ausgeblieben. Sie wisse von einem Gast, der ungeimpft vor der Tür stand und dann doch mit Verständnis auf das Nein der Türsteher reagiert habe, so Frieden: „Das lief alles ohne Theater und Stress.“

Noch dürfen die großen Tanzlokale nur die Hälfte der Besucher einlassen. Das ist nach ihrer Aussage aber ein Fortschritt, denn Tanzen mit Maske wurde nicht angenommen. Symbolfoto: DPA
Noch dürfen die großen Tanzlokale nur die Hälfte der Besucher einlassen. Das ist nach ihrer Aussage aber ein Fortschritt, denn Tanzen mit Maske wurde nicht angenommen. Symbolfoto: DPA

Nachdem die ON in der vergangenen Woche über die Entscheidung des Tanzlokals für 2G berichtet hatten, gab es etliche negative Kommentare in den sozialen Netzwerken. Das sei am Wochenende in der Realität aber nicht zu spüren gewesen, sagte Frieden. Das Tiffany sei normal voll gewesen. Unterschiede zu sonst habe sie nicht feststellen können. „Die Leute waren froh, wieder feiern zu können“, so die Tiffany-Betreiberin: „Wir machen jetzt so weiter und bleiben bei 2G.“ André Cirksena, Betriebsleiter im Aurum Middels, zieht ebenfalls ein positives Fazit des Wochenendes. Karten für die „Phase 1“ am Sonnabend gab es nur im Vorverkauf. Eigentlich passen 1500 Gäste ins Aurum, am ersten Abend wurde die Zahl der Tickets jedoch auf 700 begrenzt. Zutritt hatten nur Geimpfte und Genesene ab 18 Jahren. Am Sonnabendnachmittag meldete das Aurum „Wir sind ausverkauft“.

Mehr Personal für die Kontrollen

Am Eingang wurden die Nachweise in Verbindung mit dem Personalausweis kontrolliert. Die Gäste mussten sich mit der Luca-App im Aurum anmelden. Bei etwa zehn Gästen seien die Daten per Formular erfasst worden, so Cirksena. Um die Kontrollen durchzuführen, seien drei bis vier Mitarbeiter mehr im Einsatz gewesen als sonst. Damit die Abläufe vereinfacht werden, seien bei der Wiedereröffnung die unter 18-Jährigen noch außen vor gewesen, um keine Mutti-Zettel kontrollieren zu müssen, so Cirksena: „Die Leute haben es gut hingenommen, dass es am Eingang etwas länger gedauert hat.“

Bei der „Phase 2“ am Sonnabend in dieser Woche wollen die Middelser Discobetreiber die Zahl der Gäste aller Voraussicht nach auf 750 erhöhen - und alle Bereiche wieder öffnen. Tickets wird es laut Cirksena weiterhin nur im Vorverkauf geben, aber jetzt sind allerdings auch wieder Gäste ab 16 Jahren zugelassen. Einige Details würden im Vergleich zum Auftakt noch verbessert. Die Stimmung war Cirksena zufolge sehr gut. Die Leute hätten ohne die Masken und Abstandsvorgabe gefeiert wie vor Corona.

Anfeindungen im Netz, aber keine andere Wahl

Im Galaxy in Georgsheil gilt die 2G-Regel schon seit August. Laut Galaxy-Sprecher Simon Zielezinski hatte die Disco keine andere Wahl, da Tanzen mit Maskenpflicht überhaupt nicht angenommen wurde von den Gästen. Anfangs waren auch im Galaxy die unter 18-Jährigen unter 2G noch ausgeschlossen. Mitte September seien die Jugendlichen zum 19-jährigen Bestehen des Galaxy aber wieder zugelassen worden. „Wir merken den positiven Trend der Impfqoute bei den jungen Menschen“, so Zielezinski.

Auf Abstand muss mit 2G nicht mehr geachtet werden. Symbolfoto: DPA
Auf Abstand muss mit 2G nicht mehr geachtet werden. Symbolfoto: DPA

Die Auslastung sei zwar auf 50 Prozent begrenzt. Diese Grenze sei nicht sofort erreicht worden, die Zahl der Gäste steige aber von Woche zu Woche. „Allgemein sind unsere Besucherzahlen auf einem guten Niveau, so dass wir wieder wirtschaftlich damit arbeiten können.“ Unter 3G habe es einen andauernden Abwärtstrend bei den Besucherzahlen gegeben, so Zielezinki: „Bis heute erhalten wir leider regelmäßig Anfeindungen auf Social Media oder schlechte Bewertungen in diversen Portalen aufgrund der 2G-Regelung.“ Dies sei für die Betreiber nicht nachvollziehbar, da zuvor für einige Wochen für alle Gruppen geöffnet war - aber eine generelle Maskenpflicht in der Discothek herrschte. „Dies wurde aber schlichtweg nicht akzeptiert - somit hatten wir gar keine andere Möglichkeit. Und der jetzige Erfolg zeigt, dass 2G hier sinnvoll ist“, so Zielezinski.

Galaxy: 2G kann keine Dauerlösung sein

Er betonte aber zugleich, dass dies keine Dauerlösung sein könne. „Als Diskothek ist es unsere Aufgabe, alle Menschen bei uns willkommen zu heißen und für Unterhaltung, Spaß und Party zu sorgen. Leider geht dies aufgrund der Regularien der Landesregierung nicht. Schwangere, Menschen, die nicht geimpft werden können, oder Menschen, die sich nicht impfen lassen möchten, müssen aktuell vor der Tür bleiben.“ Dies sei die Vorgabe des Landes und nicht auf dem Mist des Galaxy-Teams gewachsen. Trotz des Unwillens in den sozialen Medien seien die Gäste selbst „super vorbereitet“, so Zielezinski. Die meisten nutzten die CovPass-App mit dem digitalen Impfpass, der mit dem Personalausweis abgeglichen werde. „Nur vereinzelt müssen wir Impfpässe oder Genesungsbescheinigungen gegenprüfen.“

Die Diskothek Thun reagierte nicht auf eine Anfrage der ON.

Begegnungen verschiedener Gruppen unvermeidbar

Ewald Maas, der am Sonnabend bei „Stahlzeit“ zum ersten Mal die 2G-Regel bei einer Veranstaltung in der Sparkassen-Arena anwendet, ist gespannt auf das Wochenende. Bislang hätten nur wenige Kunden bei Marema direkt angerufen, um Karten zurückzugeben. Und wenn hätten sie für die Entscheidung Verständnis gezeigt, so Maas.

Vor der Grünkohl- und Weihnachtssaison führt der Sandkrug in Wiesens auch 2G ein. Symbolfoto: Carmen Jaspersen/DPA
Vor der Grünkohl- und Weihnachtssaison führt der Sandkrug in Wiesens auch 2G ein. Symbolfoto: Carmen Jaspersen/DPA

Der Sandkrug in Wiesens schickt sich auch an, die 2G-Regel einzuführen, und zwar ab dem 1. November. Das Lokal gehört damit zu den ersten Wirtshäusern, die sich dafür entscheiden. „Wir sehen für uns und unsere Gäste keine alternative Möglichkeit, wollten den Gästen aber einen zeitlichen Vorlauf geben, um sich darauf einzustellen“, sagte Sandkrug-Chefin Carmen Buß auf ON-Nachfrage. Der Betrieb sei relativ groß und vielfältig, mit zwei Kegelbahnen, zwei Clubräumen, einem Saal für 80 Personen und dem Restaurant und Kneipen-Bereich. „Demnächst beginnen die Kohl-Touren und zeitgleich die Weihnachtsfeiern, so dass wir bis zu sechs verschiedene Gruppen bewirten plus unser tägliches à-la-carte-Geschäft“, so Buß. Da seien Begegnungen der verschiedenen Gruppen unvermeidbar.

Entlastung für Mitarbeiter

„Mit der 2G-Regel können wir allen Gästen eine schöne Feier bieten ohne Maskenpflicht und Abstandsregeln. Unter 3G müssten wir ständig alle Gäste daran erinnern, ihre Masken zu tragen und Abstände einzuhalten“, so Buß. Sie könne sich nicht vorstellen, dass ein Ungeimpfter, der am Abend Essen gehen möchte, sich in Zukunft einen selbst zu zahlenden Test unterziehen werde. Folglich werde diese Gruppe zumindest im à-la-carte-Geschäft ohnehin wegfallen.

Ein weiteres wichtiges Argument ist das Wegfallen der Mundschutz Pflicht für mich und meine Angestellten“, argumentiert Buß: „Es ist schon sehr belastend, einen ganzen schweißtreibenden Arbeitstag, der sich auch gerne mal auf zwölf Stunden ausdehnt, mit Mundschutz zu verbringen.“ Das könne für die Gesundheit der Mitarbeiter auf Dauer nicht gut sein. Ausschläge im Gesicht und Hautreizungen seien jetzt schon an der Tagesordnung.

Buß rechnet damit, dass die neue Corona-Verordnung, die am 10. November kommen soll, ohnehin ähnliche Vorschriften fürs Vorweihnachtsgeschäft enthalten. „So haben wir unseren Kunden einen kleinen Vorsprung verschafft, sich auf die neuen Regeln einzulassen.“

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