Aurich
Bürgermeister: Situation der Markthalle ist ein Drama
Durch Corona ist das Vergabe-Verfahren für die Auricher Markthalle einmal mehr ins Stocken geraten. Besonders für die aktuellen Mieter muss eine Entscheidung her.
Aurich - Es schien vor einigen Monaten etliche Interessenten für die Auricher Markthalle zu geben. Doch mehrere - so wie Arno Fecht und Beyhani Gür - scheiterten am Widerstand der Politik. Anderen kam die Corona-Pandemie dazwischen, sodass das Interessenbekundungsverfahren ins Stocken kam. Im Sommer meldeten sich nach Angaben des Auricher Bürgermeisters Horst Feddermann noch zwei Interessenten, für die allerdings der gerade erst auf die Halle maßgeschneiderte Bebauungsplan hätte geändert werden müssen.
Der Stadtrat hatte im Mai 2019 fixiert, dass dort nur Lebensmitteleinzelhandel, Restaurants, Cafés und Kneipen, Musikveranstaltungen und unter bestimmten Bedingungen sonstiger Einzelhandel erlaubt ist.
Neue Interessenten schon wieder passé
Die beiden letzten Interessenten sind laut Feddermann aber schon wieder passé. Einer habe offiziell zurückgezogen, der andere habe sich nach dem ersten Kontakt nicht wieder gemeldet. Laut Feddermann bleiben damit zwei Angebote vom vergangenen Jahr übrig. In beiden werde eine Nutzung als Markthalle oder als Gastronomie angestrebt, für die Dauer von 20 Jahren. Nun geht es darum, wie mit diesen beiden Angeboten weiter verfahren wird. Eigentlich hätte die Markthalle schon im kommenden Mai langfristig verpachtet werden sollen.
Doch bei der Entwicklung der Markthalle ist seit Jahren der Wurm drin. „Wenn man Corona an etwas Schuld geben möchte, dann daran, dass es bei der Markthalle wieder nicht weitergegangen ist“, sagte Feddermann: „Es ist ein Drama.“ In das Interessenbekundungsverfahren platzte der erste Lockdown. Nach der Angebotsabgabe folgte sehr schnell der zweite. Eine Entscheidung steht weiterhin aus.
Stillstand seit Lockdowns
Kay Hoppe, der zusammen mit Partnern eines der beiden Angebote gemacht hat, sagte im Mai 2020 den ON, dass angesichts der Pandemie und ihrer Folgen für Gastronomen und Geschäftsleute derzeit keine ernstzunehmenden Konzepte gemacht werden könnten. Das ist inzwischen aber lange her. Auf ON-Nachfrage wiederholte Hoppe diese Einschätzung nun noch einmal. In den vergangenen Monaten habe sein Team nicht mehr über das Projekt gesprochen. Er werde mit seinen Partnern nun nach langer Pause wieder das Gespräch suchen. Mieter zu finden und akzeptable Mieten zu erzielen, sei derzeit aber äußerst schwierig.
Auch Feddermann sagt, dass die Markthalle der Stadt „ganz große Sorgen“ mache. Und ganz große Sorgen dürften auch die Zwischenmieter haben, die seit Oktober 2020 trotz ihrer Investitionen coronabedingt nur sehr eingeschränkt zum Zuge kamen und deren Vertrag am Ende dieses Jahres nach jetzigem Stand endet.
Lorenz: „Ich hätte mir gewünscht, dass die Stadt langsam weiß, was sie will“
Martin Lorenz, der früher einer der Markthallenbetreiber war, ist inzwischen nur noch Pächter. Er ist desillusioniert, denn nach einem sehr guten Start im Herbst sei seit der Wiedereröffnung im Sommer nicht mehr viel los. Wie es ab Januar weitergehe, sei offen. „Wir brauchen eine Entscheidung, danach bewerten wir, wie es bei uns weitergeht. Wenn es passt, bleiben wir, wenn es nicht passt, gehen wir“ Für die Mitarbeiter sei die Situation ebenfalls eine Hängepartie. Sie würden zwar auf jeden Fall weiterbeschäftigt, wüssten aber nicht wo. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Stadt langsam weiß, was sie will“, so Lorenz.
Lorenz spricht davon, dass von außen und von der Politik immer unterstellt werde, dass nur ein vernünftiges Konzept nötig sei und die Markthalle werde ein voller Erfolg. Aus langjähriger Erfahrung könne er sagen, dass dem nicht so sei. Denn jetzt seien dringend Investitionen nötig. Und für die Gastronomie sei es generell eine sehr schwere Zeit. Zu den Folgen des Lockdowns komme noch ein Mangel an Personal. Es sei aus seiner Sicht jetzt nicht Aufgabe der Mieter, die Halle wieder in Schwung zu bringen, sondern der Stadt. „Sie muss die Markthalle als Ganzes sehen und sich etwas einfallen lassen“, so Lorenz.