Aurich/Georgsheil
Leiter des Impfzentrums: „Haben vielen Hoffnung gegeben“
Es war eine Riesen-Herausforderung: Zehntausende Menschen sollten so schnell wie möglich geimpft werden. Seit Jahresbeginn hat das Team in Georgsheil viel erlebt – schöne und weniger schöne Momente.
Aurich/Georgsheil - Manchmal, sagt Norman Büchter, hätten seine Kollegen und er eigentlich einen Wohnwagen am Impfzentrum in der Turnhalle Georgsheil gebraucht. Sie arbeiteten bis in den Abend – und standen morgens in aller Früh wieder auf der Matte. Die vergangenen zehn Monate waren für die Mitarbeiter der Einrichtung eine intensive Zeit.
Da gab es Momente wie den am 15. März um 15.35 Uhr, als eine E-Mail hereinkam. Darin hieß es vom Land Niedersachsen: Sofortiger Stopp aller Impfungen mit dem Vakzin des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca. Innerhalb weniger Stunden mussten tausende Menschen angerufen werden, die für die nächsten Tage Termine für eine Astra-Impfung gehabt hätten. Alles war durchgeplant, alles musste umdisponiert werden, erinnert sich Büchter im Gespräch mit den ON.
„Von vielen Seiten überschwängliche Dankbarkeit“
Ein positiver prägender Moment waren dagegen die allerersten Einsätze der mobilen Impfteams in den Alten- und Pflegeheimen, die am 5. Januar begannen, nachdem einen Tag zuvor die erste Lieferung mit Biontech-Impfstoff angekommen war. „Da haben wir von vielen Seiten geradezu überschwängliche Dankbarkeit bekommen. Die Leute waren total aus dem Häuschen. Da konnten wir vielen Hoffnung machen“, erinnert sich Büchter.
Ihre Basis hatten die Teams in der Georgsheiler Turnhalle, wo das Impfzentrum bereits seit 15. Dezember betriebsbereit eingerichtet worden war. Auch das war eine enorme Herausforderung, wie sich Thomas Bongert vom Corona-Krisenstab des Landkreises erinnert. „Es war sehr kurzfristig“, so Bongert. Innerhalb weniger Tage mussten Firmen für den Aufbau gefunden werden. Und die Messebauer und Zeltverleiher wurden plötzlich stark nachgefragt, weil in ganz Deutschland zeitgleich Impfzentren aus dem Boden gestampft werden mussten.
Langes Warten auf mehr Impfstoff
Umso ernüchternder war dann, dass am 15. Dezember alles betriebsbereit war, doch die wichtigste Sache fehlte: der Impfstoff. Für dessen Beschaffung war der Bund zuständig. Erst am 4. Januar schaffte es die erste Lieferung in den Landkreis Aurich. Und es dauerte noch eine gefühlte Ewigkeit bis Anfang Februar, als endlich soviel Vakzin da war, dass man das Impfzentrum für die erste Priorisierungsgruppe der Über-80-Jährigen öffnen könnten. Und wie geht es nun weiter? In Georgsheil beginnt ab der nächsten Woche der Rückbau der Zelte und Impfkabinen. Begonnen wird am Montag mit der Beschilderung, so Bongert. Ende der ersten Oktoberwoche soll die Turnhalle, die der Gemeinde Südbrookmerland gehört, dann möglichst freigeräumt sein – und vor allem wieder für den Schulsport nutzbar.
Im EEZ in Sandhorst werden wohl am Sonntag oder Montag die letzten Impfungen stattfinden. Am Sonntag gibt es noch einmal von 9 bis 12 Uhr einen Sonder-Impftag ohne Anmeldung dort. Anschließend folgen am Montag in den BBS Aurich und Norden (9 bis 15 Uhr) und am Dienstag in der KVHS Aurich (9 bis 15 Uhr).
EEZ bleibt als Impfzentrum eingerichtet
Das EEZ soll wie berichtet bis Ende des Jahres als Impfzentrum vorgehalten werden. Es soll vor allem als Basis für die drei mobilen Impfteams dienen, die ab Oktober im Landkreis unterwegs sein sollen. Bis zu 110 Mitarbeiter an einem Tag sind laut Norman Büchter im Impfzentrum im Einsatz gewesen. Federführend organisiert wurden die Zentren von der Kreisvolkshochschule Norden. Diese Organisationsform sei die richtige Entscheidung gewesen, betonte Landrat Olaf Meinen.
Während die Verträge einiger Mitarbeiter ausliefen, werden andere in die mobilen Impfteams übernommen, erklärte Büchter.
Es gab auch Probleme
Er und Landrat Meinen räumten ein, dass es hin und wieder auch Probleme im Betrieb gab und die Nerven angespannt waren. Das aber bleibe bei einem derartigen Mammutprojekt gar nicht aus, so Meinen. Da war die angespannte Verkehrs- und Parkplatzsituation an der Turnhalle mit den engen Zufahrten. Da waren bisweilen auch unangemeldete Besucher, die geimpft werden wollten, obwohl ihre „Priorisierungsgruppe“ noch nicht an der Reihe war.
Doch da waren eben auch die schönen Momente, wie Norman Büchter betont. „Viele Mitarbeiter haben sich schätzen und lieben gelernt. Es gab sogar einen Heiratsantrag im Impfzentrum.“