Aurich
Heidemarkt: Gewerbegebiete bleiben außen vor
Die Läden werden zur Auricher Traditionsveranstaltung sonntags wieder öffnen – aber nur im Zentrum. Der Kaufmännische Verein ist sauer und überlegt, wie er künftig gegen die Beschränkung vorgehen kann.
Aurich - Beim Heidemarkt am 10. Oktober kann man am Nachmittag in den Auricher Innenstadtgeschäften schnüstern und einkaufen. Die Sonntagsöffnung ist genehmigt. Die Gewerbegebiete Süd und West bleiben aber wieder außen vor. Die Stadt Aurich als Genehmigungsbehörde hat ihre Zustimmung auf den Bereich bis einschließlich Innenstadtring beschränkt, wie Ordnungsamtsleiter Helmut Lücht auf ON-Nachfrage sagte.
Die Entscheidung sorgt beim Kaufmännischen Verein (KV) für Enttäuschung. KV-Vorsitzender Udo Hippen erinnert sich an das vergangene Jahr, als die Läden in den Gewerbegebieten das Thema Heidemarkt „gespiegelt“ hätten. Im Gewerbegebiet West ist mit dem Hagebaumarkt ohnehin ein Pflanzenhändler angesiedelt. Im Gewerbegebiet Süd habe ein Pflanzenhändler einen Stand gehabt und das Heide-Thema aufgegriffen. Dies zu wiederholen sei die Hoffnung auch für dieses Jahr gewesen, so Hippen. Umso größer sei nun die Enttäuschung, denn diese Entscheidung sei für Aurich als Einkaufsstadt sehr unglücklich. Letztlich lägen zwischen dem Heidemarkt auf dem Marktplatz und den Geschäften in den Gewerbegebieten ja keine langen Wege. Gerade nach dem monatelangen Lockdown habe er sich mehr Unterstützung für den stationären Handel in der Stadt gewünscht. Mit dem Warenangebot der Händler in den Gewerbegebieten sei das Angebot in der Stadt noch attraktiver. Baumärkte und Gartencenter lockten beispielsweise noch andere Kunden an als die Läden der Innenstadt. Zudem würden die Kundenströme besser entzerrt, als wenn sich alles in der Innenstadt konzentriere.
KV überlegt, wie er mit Situation umgeht
Gegen die Entscheidung vorgehen möchte der KV für diesen verkaufsoffenen Sonntag aber nicht mehr. „Für die Zukunft müssen wir uns aber wohl was überlegen, um Druck aufzubauen“, so Hippen. Nun wolle man jedoch den Klageweg nicht mehr riskieren, denn auf keinen Fall solle damit die Genehmigung für den verkaufsoffenen Sonntag in der Innenstadt riskiert werden. Die Kaufleute hätten sich bereits auf diese Veranstaltung eingestellt. Viel wichtiger sei der Termin aber für die Pflanzenhändler, die ebenfalls fest für den 10. Oktober planten, so Hippen.
Die Stadt hat wie üblich Stellungnahmen der Kirche, der Gewerkschaft Verdi und des Einzelhandelsverbandes eingeholt. Diese weichen laut Lücht nicht von den vorheringen ab. Verkaufsoffene Sonntage dürfen seit 2019 nur noch in Verbindung mit einem Anlass genehmigt werden – auch räumlich. Andernfalls drohen Klagen. Die Gewerkschaft Verdi hat schon mehrfach angedroht, vor Gericht Veranstaltungen noch zu kippen. 2020 hatte die Stadt ihre Genehmigung für die Ladenöffnung zum Heidemarkt zunächst auch auf die Innenstadt begrenzt, dann aber im Gespräch mit Verdi als Nach-Corona-Maßnahme zugunsten der Händler eine Einigung erzielt, die die Außenbereiche einbezog.
Stadt nach Erfahrungen vorsichtig geworden
Beim „Auricher Stadtzauber“ am 5. September 2021 waren dann allerdings wieder nur die Läden der Innenstadt geöffnet, weil die Veranstaltung auf die Innenstadt begrenzt ist. Die Gewerkschaft hatte mit Klage gedroht, sollte auch die Öffnung in den Gewerbegebieten genehmigt werden.
„Auch der Heidemarkt an sich hat sein Zentrum auf dem Marktplatz“, sagte Lücht. Eine direkte Verbindung zu den Gewerbegebieten gebe es nicht. Deshalb habe die Stadt ihre Genehmigung auf den zentralen Bereich begrenzt und hoffe, damit eine Entscheidung getroffen zu haben, die rechtssicher für die Beteiligten sei.
Hans-Joachim Rudnick vom Modehaus im Gewerbegebiet Süd erinnert sich wehmütig an die bis 2019 problemlos erlaubten Öffnungen zum Heidemarkt am Tag der Deutschen Einheit. „Das war ein echter Frequenzbringer.“ Durch das neue Gesetz sind solche Selbstläufer nun vom Tisch. Dabei freuen sich seine Angestellten, wenn sie an einem der wenigen verkaufsoffenen Sonntage arbeiten dürften, so Rudnick. Schließlich werde der Sonntagsdienst gut entgolten. Seine Familie habe aber schon gefürchtet, dass ihre Läden beim Heidemarkt außen bleiben. Deshalb sei Gott sei Dank auch noch kein Pflanzenhändler fest bestellt.
Verdi reagierte am Montag nicht auf eine Anfrage der ON.