Aurich
Umgang im Kreistag: CDU-Fraktionschef vermisst Respekt
Bisweilen ist der Tonfall giftig im Kommunalparlament. Sven Behrens missfällt das. Die Grünen sehen das Verhalten im Kreistag vor allem durch einen Faktor dominiert.
Aurich - Die ON stellten den acht Fraktionen und Gruppen im Kreistag die Frage: „Wie beurteilen Sie den Umgang mit- und untereinander?“
Wie SPD-Fraktionsvorsitzender Johannes Kleen mitteilt, wurden fallweise Allianzen gebildet. Außer mit der AfD sei mit allen verhandelt worden.
Aus Sicht von CDU-Fraktionschef Sven Behrens gibt es beim Umgang untereinander im Kreistag „definitiv noch Steigerungsbedarf“. „Respekt für andere Meinungen ist ein Grundwert, leider vermisse ich diesen im Kreistag. Bei Redebeiträgen ins Wort fallen, nicht zuhören oder nicht ausreden lassen, sind respektlose Verhaltensweisen, die mir nicht gefallen. Es ärgert mich, wenn man zu Absprachen und Kompromissen, die man mühsam erarbeitet hat, plötzlich nicht mehr steht“, so Behrens.
AKSBG-Gruppensprecher Franz Constant schreibt, die Gruppe pflege einen „offenen und toleranten Umgang mit den anderen demokratischen Fraktionen und Gruppen“. Man könne nur gemeinsam etwas voranbringen, so Constant.
Für die Freien Wähler, künftig UWG-Landkreis Aurich, schreibt Hayo Moroni, der Umgang sei „fast immer unverkrampft und in vielen Dingen themenorientiert“ gewesen.
Aus Sicht des AfD-Fraktionsvorsitzenden Jan-Adolf Looden war der Umgang der Kreistagsabgeordneten untereinander „respektvoll und kollegial“. Es herrsche ein gutes „Betriebsklima“ in den Sitzungen. „Wir sind zwar nicht immer alle einer Meinung und es wird zeitweise heftig mit Worten gestritten, aber gerade das macht eine Demokratie aus“, so Looden.
Grünen-Sprecherin Gila Altmann meint, es bleibe spürbar, „dass der Kreistag von Männern und ihren Verhaltensmustern dominiert wird“. Die kleinen Fraktionen kooperierten je nach Thema gut miteinander. Bei den großen Fraktionen stehe, solange die Mehrheiten gesichert seien, aber immer noch das Trennende mehr im Vordergrund als die gemeinsame Verantwortung, so Altmann.
BWM-Sprecherin Agnes Bracklo berichtet, ihre Gruppe habe mit den anderen kleineren Fraktionen genug Überschneidungen für Zusammenarbeit gegeben. Die großen Fraktionen aber hätten bisweilen ihre Macht spielen lassen. Das Thema Tageseltern habe aber gezeigt, dass die kleinen Fraktionen doch nicht ganz machtlos seien, so Bracklo.
Linken-Fraktionsvorsitzende Blanka Seelgen meint: „Die Mehrheitskoalition aus SPD/CDU regiert durch.“ Die Zusammenarbeit der kleineren Fraktionen sei „ausbaufähig“.