Südbrookmerland
Bahnausbau: Experte sieht überwindbare Hürden
In Südbrookmerland formiert sich der Widerstand gegen Personenverkehr auf der Bahnstrecke Aurich-Abelitz. Ein Auricher Bahnexperte hält vorhandene Hürden bei dem Projekt aber für überwindbar.
Südbrookmerland - Aufatmen war vor einigen Jahren in Moordorf angesagt: Nach langen Planungen und Debatten rückten die Verantwortlichen der Eisenbahninfrastrukturgesellschaft Aurich-Emden (EAE) von Plänen ab, den Personenverkehr zwischen Aurich und Abelitz zu reaktivieren. Der Windanlagen-Riese Enercon wollte plötzlich keine Lademaßverbreiterung mehr für die Strecke und zog sich und sein Geld aus dem Projekt zurück.
Doch durch Initiativen des Bundes, möglichst viel Verkehr von den Straßen auf die Schiene zu verlegen, sind die Pläne in den vergangenen Wochen wieder in den Fokus gerückt. In Moordorf sorgt man sich nun wieder vor einer Teilung des Ortes. Vor allem, weil möglicherweise eine Lärmschutzwand entlang der Bahntrasse gebaut werden muss. So stellte es zumindest Bürgermeisterkandidat Thomas Erdwiens bei der Podiumsdiskussion der ON am Dienstagabend dar.
„Vieles ist möglich, wenn man es will“
Die Einschätzung stammt ursprünglich vom Auricher Johann Ubben. Er beschäftigt sich schon seit vielen Jahren beruflich mit der Reaktivierung von Bahnstrecken und ist daher ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet. Sein Tenor: „Vieles ist möglich, wenn man es will.“ Ubben hat kürzlich auf Einladung der AKSBG-Gruppe im Auricher Kreistag über die Möglichkeiten der Reaktivierung der Bahnlinie zwischen Aurich und Abelitz referiert. Dort gebe es, wie andernorts auch, Hürden, die es zu nehmen gelte. Dazu gehöre auch der Lärmschutz. Dieser müsse aber beispielsweise nicht zwingend über eine hohe Mauer erreicht werden. Es gebe mittlerweile viel kleinere, weniger störende und dazu noch deutlich kostengünstigere Lösungen.
Nötig sei sicherlich, die Zahl der Bahnübergänge zu reduzieren. Auch das sei aber möglich, so Ubben gegenüber den ON. Als Beispiel nannte er die Trasse Münster-Sendenhorst, an dessen Reaktivierung er mitgearbeitet habe. 2025 sollen dort wieder die ersten Züge rollen. Damit dies sicher und wirtschaftlich geschieht, wurden etwas mehr als 70 Bahnübergänge auf 23 reduziert. Das habe zunächst zu Protesten geführt. Nach etlichen Gesprächen hätten sich diese Proteste aber gelegt und es habe hohe Zustimmungsraten gegeben.
Dass es gegen die Reaktivierung Widerstände in Südbrookmerland gebe, könne er nachvollziehen, so Ubben. Auch das kenne er von anderen Projekten. Meist habe sich der Widerstand aber gelegt, wenn die Kommunen die eigenen Vorteile durch eine Reaktivierung erkannt hätten.
Experte hält nichts von wahllosen Zahlen
Ubben selbst sieht das Projekt Aurich-Abelitz nach eigenen Angaben emotionslos. Beruflich habe er mit der Sache ohnehin nichts zu tun. Allerdings: Die Erfahrung zeige, dass ein solches Thema immer wieder aufkomme, solange die Schienen noch verlegt seien. Außerdem gebe es bundesweit keine eigene Kommune, die auf den Schienenpersonennahverkehr verzichten wolle, wenn dieser einmal da sei. Ubben plädiert deshalb dafür, ein sogenanntes standardisiertes Bewertungsverfahren durchzuführen. Dabei würden einerseits die Kosten und andererseits der Nutzen berücksichtigt. Ebenso flössen Umweltbelange in die Bewertung mit ein. Wenn ein solches Ergebnis vorliege, könne man sehen, wie in der Sache weiter zu verfahren sei. „Ich glaube nicht, dass es ein negatives Ergebnis gibt“, so Ubben. Nichts halte er hingegen davon, wahllos Zahlen zu möglichen Projektkosten in den Raum zu werfen, die sich durch nichts belegen ließen.
So hatte der Auricher Bürgermeister Horst Feddermann, wie berichtet, Anfang August von einer Summe von 200 Millionen Euro gesprochen, die die Ertüchtigung der Strecke nach einer groben Rechnung kosten würde. Das, so Ubben, halte er für den falschen Weg.