Aurich
Bestattungswald: Entscheidung soll noch im Herbst fallen
Drei Anbieter für Bestattungswälder planen in Aurich Projekte auf Flächen in Sandhorst, Kernstadt und Popens. Die Verwaltung hat nun einen Favoriten. Er war vor zehn Jahren bereits aus dem Rennen.
Aurich - Die Zeit des amtierenden Stadtrates neigt sich dem Ende zu – und als eine der letzten Entscheidungen soll in drei Ortsratssitzungen und im Stadtrat ein Beschluss über den künftigen Betreiber und den Ort des geplanten Bestattungswaldes gefasst werden.
Inzwischen stehen drei Standorte und drei Betreiber zur Auswahl, deren Konzepte die Stadtverwaltung mithilfe eines Schemas zu den Themen Kommunale Interessen, Bürgerinteressen und Umwelt- und Naturschutz bewertet hat.
Unterschiedlich große Einzugsgebiete angepeilt
Als erster Anbieter hatte die Friedwald GmbH aus Hessen ein Konzept im Oktober 2019 im Ortsrat Sandhorst vorgestellt. Ziel ist es, in Kooperation mit den Landesforsten rund 30 Hektar im Sandhorster Wald nach und nach zum Friedwald umzugestalten. Als Einzugsbereich plant die bundesweit tätige Firma ein Gebiet 30 Kilometer rund um Aurich. Die Hoffnung der Friedwald GmbH, die vom Ortsrat Sandhorst bereits Zustimmung für ihre Pläne bekam, war es, bereits Ende 2020 den Wald zu eröffnen.
Im Juli 2020 erteilte der Stadtrat der Verwaltung aber erst den Auftrag, ein geeignetes Areal zu suchen und mit potenziellen Bewerbern Gespräche aufzunehmen. Kurze Zeit später meldete sich die Gedächtniswald Logabirum GmbH, die einen Friedwald im Eschener Gehölz plant. Ähnliche Pläne hatte es bereits 2009 gegeben. Betreiber sollte damals Jan Janssen sein, der in Aurich das Krematorium betreibt. Der Vorschlag wurde damals jedoch vom Rat abgelehnt, weil das Gehölz mit 6,7 Hektar zu klein und zu frequentiert durch Radfahrer, Spaziergänger und Jogger erschien. Nun nimmt die Gedächtniswald GmbH einen neuen Anlauf und kalkuliert mit einen Einzugsbereich von zehn Kilometern rund um Aurich.
Privatwald als möglicher Standort im Süden der Stadt
Jan Janssen ist auch noch nicht aus dem Rennen: Als dritter Interessent meldete sich die JJ Krematorium GmbH mit Sitz in Schirum. Sie will in ihrem eigenen rund 8,5 Hektar großen Wäldchen in Popens einen Begräbniswald für ein Einzugsgebiet von rund 15 Kilometern rund um Aurich anbieten.
Die Auricher Verwaltung hat alle drei Konzepte anhand einer Bewertungsmatrix mit 16 Kriterien unter die Lupe genommen. Es geht dabei um die Chance der Stadt, Einfluss zu nehmen, um eine jährliche Aufwandspauschale für die Stadt, die Einzugsbereiche, um die Preise für die Gräber, die Zugänglichkeit, die Barrierefreiheit, die Infrastruktur wie Parkplätze und Busanbindung in den drei Gebieten sowie um nötige Eingriffe in die Natur.
Friedwald GmbH landet bei der Punktevergabe auf Platz drei
Im Bereich Kommunale Interessen sind in der Bewertungsmatrix insgesamt 15 Punkte zu vergeben. Dabei schneidet die Friedwald GmbH mit 5 Punkten deutlich schlechter ab als die Gedächtniswald Logabirum GmbH mit 15 Punkten und die Betreiber des Krematoriums mit elf Punkten.
In der Sparte Bürgerinteressen kommt die JJ Krematorium GmbH auf 43 von 45 Punkte, die Gedächtniswald Logabirum GmbH auf 42 Punkte und die Friedwald GmbH auf 32. Von den 40 möglichen Punkten in der Kategorie Umweltschutz holen die Anbieter aus Logabirum 25 Punkte, die GmbH aus Aurich 23 und das Unternehmen aus Hessen 21 Punkte. Am Ende liegt die Gedächtniswald GmbH mit 82 Punkten vor der JJ Krematorium GmbH mit 77 und der Friedwald GmbH mit 58 Punkten.
Froh über Ende der Wartezeit
Dr. Hans-Adam von Schultzendorff, der die Pläne der Friedwald GmbH vor zwei Jahren vorstellte, hat den Eindruck, dass die Stadtverwaltung bei der Bepunktung vor allem die Anbieter aus der Region im Blick hatte, wie er auf Nachfrage sagte. Er sei nun sehr gespannt darauf, wie die drei Ortsräte auf die Bewertung reagieren. „Meine Zuversicht, dass wir jetzt noch den Zuschlag kriegen, ist aber relativ gering.“ Gleichwohl sei er froh, dass nun endlich eine Entscheidung getroffen werden solle. Denn seit zwei Jahren befinde sich die Friedwald GmbH in der Warteschleife.
Bürgermeister Horst Feddermann teilte auf Nachfrage mit, dass es der Wunsch der Politik gewesen sei, das Thema noch in dieser Legislaturperiode zu beschließen. Es gibt auch andere Stimmen aus der SPD, die kritisieren, dass eine eigene Ratssitzung zu dem Thema angesetzt werde, während sonst Kritik an häufigen Fraktionssitzungen geübt werde.