Plaggenburg

Oldie-Fußballer fordern Deutschen Meister heraus

| | 31.08.2021 17:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Reinhard de Groot, Trainer der Ü60 SG Plaggenburg, hält einen Bildband mit vielen Fotos in der Hand. Gut zu erkennen sind die orangegefärbten Trikots der SG-Oldies. Foto: Wolf-Rüdiger Saathoff
Reinhard de Groot, Trainer der Ü60 SG Plaggenburg, hält einen Bildband mit vielen Fotos in der Hand. Gut zu erkennen sind die orangegefärbten Trikots der SG-Oldies. Foto: Wolf-Rüdiger Saathoff
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Plaggenburger Ü60-Fußballer spielen gegen ehemaligen Titelträger aus Höxter. Die Gastgeber haben einen Vorteil auf ihrer Seite.

Plaggenburg – Manchmal sind es Zufälle, die Dinge in Bewegung bringen. So erging es auch Reinhard de Groot. Der Betreuer und Trainer der Ü60-Fußballer der SG Plaggenburg traf vor zwei Jahren auf dem Plaggenburger Fußballplatz Günther Spieker aus Höxter. Es entspann sich ein Gespräch und am Ende vereinbarten beide ein Fußballspiel zwischen der SG und der Ü65 Kreisauswahl Höxter. Höxter ist nicht irgendeine Altstar-Formation, sondern der inoffizielle Deutsche Meister der Ü65 aus dem Jahr 2018.

Das Freundschaftsspiel war für das Vorjahr vorgesehen, aber die Pandemie machte den Verantwortlichen einen Strich durch die Rechnung. Der zweite Anlauf winkt nun am kommenden Wochenende. Vom 3. bis 5. September besucht eine Reisegruppe aus Höxter die Plaggenburger: Fußballer und ihr Anhang.

Auf der Tagesordnung steht nicht nur Fußball. Ein buntes Rahmenprogramm sorgt für kurzweilige Momente. Freitags wird geboßelt. Am Sonnabendvormittag ist eine Bootsfahrt von Dornumersiel aus in Richtung Langeoog geplant.

Erst spielen, dann feiern

Sportlich geht es am Sonnabendnachmittag im Waldstadion zur Sache. Anpfiff ist um 17 Uhr. De Groot weiß um die Stärke des Gegners, aber er setzt auf einen Vorteil der SG. „Höxter ist es gewohnt auf Kleinfelder zu spielen. Bei uns geht es auf den großen Platz. Das kommt unserer Spielweise entgegen“, glaubt der SG-Trainer. Egal, wie die Partie ausgeht, danach folgt der gemütliche Teil mit einem leckeren Buffet im Plaggenburger Vereinsheim.

Motor und Organisator auf Plaggenburger Seite ist Reinhard de Groot. Er hält seit rund 13 Jahren den Laden zusammen. Der Berufsschullehrer kann sich noch gut an die Anfänge der Ü60-Crew erinnern: „Wir saßen mit vier Leuten zusammen und besprachen, wie es mit dem Altligafußball weitergehen soll. Viele von uns waren älter als 60 Jahre. Wir spielten gegen Mannschaften, die bedeutend jünger waren. Es passte einfach nicht mehr zusammen“, so de Groot.

Erster Spielertrainer blieb nicht lange

Er nahm die Sache in die Hand und telefonierte seine Spielerlisten ab. Rund ein Dutzend Spieler fand er im eigenen Verein Eintracht Plaggenburg. Dazu gesellten sich noch weitere Spieler aus Moordorf, Wittmund und Wallinghausen. Somit war die SG Plaggenburg Ü60 geboren. Im Jahr 2009 begannen der Trainingsbetrieb sowie die Spiele. Der Plaggenburger Hans Friedrichs stand als Spielertrainer für die Altstars bereit. Es wurde nur eine kurze Ehe. Schon nach dem zweiten Spiel haute Friedrichs in den Sack. In der Pause des Spiels gab es lautstarke Streitereien in der Kabine zwischen ihm und einigen Spielern. „Es wurde sehr laut“, erinnert sich de Groot. So laut, dass Friedrichs noch während der Pause die Kabine verließ und das Weite suchte. Was nun? De Groot sprang ein. Er betreute die Mannschaft in der zweiten Hälfte. Eigentlich nur vorübergehend. Aber daraus sind mittlerweile schon zwölf Jahre geworden.

Plaggenburg war das der Dinge

Wohl auch deshalb, weil die Ü60 SG Plaggenburg von den acht Spielen im ersten Jahr alle gewann. Plaggenburg war in dieser Region das Maß der Dinge. In den Sportteilen der ostfriesischen Zeitungen war schnell die Rede von „der besten Ü60 in Ostfriesland“.

De Groot formte ein homogenes Team. Er setzte die Störenfriede nach und nach an die Luft. Zwei, drei Spieler, die mit ihren Meckereien und Besserwissereien für Unfrieden sorgten. De Groots Motto war einfach: „Lieber verliere ich ein Spiel und habe eine gute Kameradschaft, als wenn einige mit einer großen Klappe alles kaputt machen.“

Sein Vorgehen wurde belohnt. Die Plaggenburger Ü60 machte sich einen guten Namen in der Region und auch außerhalb Ostfrieslands. Größter Widersacher der Plaggenburger war BW Papenburg.

Ein geliebter Gegner

„Die lagen jedes Jahr vorne in der Tabelle. Aber einmal waren wir am Ende Erster“, erinnert sich de Groot und schmunzelt.

Irgendwann wurde die Tabelle abgeschafft, weil sie den Ehrgeiz vieler Mannschaften überstrapazierte. Mit Folgen: „Einige Spieler drehten echt ab und gingen voll und hart zur Sache“, so de Groot. Er denkt dabei ungern an die Begegnungen gegen Petkum. Das seien Spiele mit üblen Fouls, Treterei und Roten Karten gewesen. Seit drei Jahren treten die Plaggenburger nicht mehr gegen die Konkurrenz aus Petkum an. Es gibt auch keine Hinweise aus dem Plaggenburger Lager, dass sich zukünftig daran etwas ändern wird.

Die Plaggenburger Fußballer sind das ganze Jahr am Ball. Im Sommer wird in Plaggenburg trainiert und Spiele ausgetragen. Ab Oktober geht es in die ehemalige Bundeswehrhalle auf dem Auricher Kasernengelände. Die Plaggenburger spielen Hallenturniere in Großefehn, Bad Zwischenahn, Papenburg und Heidmühle und richten seit einigen Jahren selber ein Turnier in Westerholt aus.

SG spielt in Orange

Darüber hinaus sind die Plaggenburger Ü60 regelmäßig bei der Niedersachsenmeisterschaft dabei. Die erste fand 2014 in Großefehn statt. Dort landete die SG auf Rang elf. 2019 schloss die SG in Seershausen mit dem sechsten Platz von 26 Mannschaften ab. Die bis dahin beste Platzierung der Plaggenburger. Die SG ist auf dem Platz immer sehr gut an den orangenen Trikots zu erkennen. Eine Farbe mit Seltenheitswert, meint de Groot. Sie wurden von einem Schweizer Sponsor bereitgestellt.

De Groot war früher in seiner aktiven Zeit Mittelfeldspieler. Einer mit Ausdauer und Auge. Als er gewichtsmäßig zulegte, rückte er in die Sturmmitte auf.

„Weniger laufen, aber gute Torquoten“, feixt de Groot. Eine Bandscheibengeschichte mit OP brachte ihn an den Spielfeldrand. Dort hält er sich nun seit vielen Jahren auf und organisiert den Spielbetrieb der SG. Sein Problem ist der Nachwuchs. „Neue Spieler ab 60 sind schwer zu finden. Da muss man lange suchen, bevor man die richtigen findet“, so de Groot.

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