Brookmerland
Neues Wasserwerk kommt auf eine „Warft“
Modernste Filtertechnik trifft auf eine alte Bauweise: Der Neubau in Siegelsum wird erhöht angelegt. Das ist ein Vorgriff auf mögliche Herausforderungen der Zukunft.
Siegelsum - Gut zwei Meter höher als das jetzige soll das künftige Wasserwerksgebäude in Siegelsum gebaut werden. Das soll die Versorgung auf mögliche Überflutungsereignisse vorbereiten, sagte Michael Veh, Regionalleiter des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV) im Landkreis Aurich, im ON-Gespräch. Der OOWV betreibt das Wasserwerk.
Geplant wird für mehrere Jahrzehnte
„Wir planen beim neuen Wasserwerk für die nächsten 50 Jahre“, sagte Veh. Eng werden könne es höchstens, wenn bei einer Überschwemmung die Stromversorgung so lange ausfalle oder die Straßen so lange unpassierbar seien, dass auch die Notstromaggregate nicht mehr funktionieren. Das Wasserwerk selbst sei auf Hochwassersituationen aber vorbereitet, weil es quasi auf einer Anhöhe gebaut wird. Ähnliche Überlegungen gibt es auch bei den Entwürfen zur Zentralklinik in Uthwerdum. Kurz gefasst; Der Warftenbau ist zurück in Ostfriesland.
Für den Erdwall um das Werk wird unter anderem das Erdreich genutzt, das jetzt aus der Baugrube ausgehoben wurde, wie der neue Wasserwerksleiter Horst Krebs berichtet. Unter einer Plane wartet es auf seine neue Bestimmung.
Neuer Leiter gleich mit Großprojekt konfrontiert
Krebs tritt seinen neuen Job in aufregenden Zeiten an. Seit Februar ist er beim OOWV beschäftigt und wurde von seinem Vorgänger Heinz Klaassen ein halbes Jahr lang in seine Aufgaben eingearbeitet – vor allem ins Projekt Neubau.
Klaassen ist seit diesem Monat in der Freistellungsphase der Altersteilzeit, also im Ruhestand. Horst Krebs ist nun für die Wasserwerke in Aurich, Siegelsum und für das Notwasserwerk auf Baltrum und damit für elf Mitarbeiter zuständig.
Trinkwasseraufbereitung ist für ihn noch Neuland. Der gebürtige Emder hat nach einer Ausbildung zum Elektromaschinenbauer bei der Emder Firma Johann Feldmann in Hamburg an der Instandhaltung von Kraftwerken gearbeitet und parallel eine Zusatzausbildung zum Elektrotechniker mit Schwerpunkt Energietechnik gemacht.
Besondere Filtrationsanlage Teil des 19-Millionen-Euro-Projektes
Vor etwa 20 Jahren zog es ihn nach Köln, zunächst war er dort zehn Jahre als Elektrotechniker in der Chemieindustrie tätig, später zehn Jahre als Leiter der Instandhaltung bei einer großen Deponie in Erftstadt. Dort war er für Neubauprojekte und die Trink- und Abwasserversorgung zuständig. Krebs kennt sich also mit Pumpen, Leitungen und Projekten aus. Die Wahl sei auch deshalb auf den 53-Jährigen gefallen, so Veh. Schulungen zur Trinkwasseraufbereitung ergänzen die Vita jetzt noch.
In Siegelsum steht eines der großen Neubauprojekte des OOWV an, wo erstmals neue Filtrationstechniken zum Einsatz kommen, die unerwünschte Härtebildner wie Calcium und Magnesium aus dem Wasser entfernen und feinste Partikel wie Huminstoffe und Eisen aus dem Trinkwasser holen. Letztere sind dafür verantwortlich, dass das Siegelsumer Wasser eine leichte Gelbfärbung hat. Der Flocker, der abgängig ist, wird mit der neuen Filteranlage nicht mehr gebraucht, sodass es künftig nur noch ein Gebäude plus Speicher gibt.
Betriebsstelle wird auch noch neu gebaut
Das Auricher Wasserwerk ist mehr als 20 Jahre jünger als der Siegelsumer Bau von 1958. Und das Wasser sei dort deutlich anders, so Veh. Die Filtration von Huminstoffen sei dort gar nicht nötig. Dort seien in seiner bisherigen Tätigkeit die Notstromaggregate, Teile der Stromversorgung und eine Leitung erneuert worden, berichtet Krebs. Ein umfassender Umbau wie in Siegelsum ist laut Veh in absehbarer Zeit in Aurich aber nicht nötig.In Siegelsum wird es mit dem Bauen allerdings noch weitergehen, wenn der Neubau wie geplant in drei Jahren fertig ist. Denn dann wird auch die Betriebsstelle des OOWV neu gebaut, die sich mit auf dem Gelände befindet, aber eine eigene Einheit mit eigenem Leiter bildet. Die 14 Mitarbeiter sind für die Instandhaltung des Leitungsnetzes zuständig.
Der Ort dieses Neubaus steht noch nicht fest. Wohl aber, dass nach dem Abriss des Flockers und des Filtrationsgebäudes viel neuer Platz auf dem Gelände zwischen der B 72 und der Bahntrasse sein wird. „Wir denken über einen Lehrpfad nach“, sagt Veh. Auf jeden Fall soll das Wasserwerksareal naturnah mit Blühwiesen und Obstbäumen angelegt werden. Neu wird auch der Name sein: Statt Wasserwerk Marienhafe soll es künftig auch offiziell Wasserwerk Siegelsum heißen.