Brookmerland

Jupa will Jugendhaus im alten Bahnhof

| | 24.08.2021 07:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Unten im Bahnhof befindet sich unter anderem die alte Wartehalle, darüber sind Wohnungen. Foto: Karin Böhmer
Unten im Bahnhof befindet sich unter anderem die alte Wartehalle, darüber sind Wohnungen. Foto: Karin Böhmer
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Die Brookmerlander Jugendvertreter kritisieren, dass es in der Samtgemeinde kein Angebot für ihre Generation gibt. Sie fordern, den Verkauf des Bahnhofs zu stoppen. Dort erkennen sie viele Vorteile.

Brookmerland - Ende Juli hatte der amtierende Jugendsamtgemeinderat (kurz: Jupa) einen einstimmigen Beschluss gefasst. Alle Mitglieder sind der Meinung, dass der alte Bahnhof in Marienhafe in ein Jugendhaus umgebaut werden sollte, und haben einen entsprechenden Antrag geschrieben. Darin wird der Samtgemeinderat dazu aufgefordert, vom geplanten Verkauf des Gebäudes abzusehen. Das Schreiben wurde bereits vom Jupa-Vorsitzenden Steffen Bloem und Jugendbürgermeister Ruben Donker an Samtgemeindebürgermeister Gerhard Ihmels (SPD) übergeben.

Das Gebäude von 1905 gilt als ortsprägend und ist dabei, unter Denkmalschutz gestellt zu werden. Die vergangenen Jahre haben ihm jedoch zugesetzt. Foto: Karin Böhmer
Das Gebäude von 1905 gilt als ortsprägend und ist dabei, unter Denkmalschutz gestellt zu werden. Die vergangenen Jahre haben ihm jedoch zugesetzt. Foto: Karin Böhmer
Schon 2018 kam das Thema Jugendhaus im Brookmerland erstmals im Jupa auf. 2019 wurde bei einer Arbeitskreissitzung der Dorfregion Brookmerland diese Idee in die Diskussion eingebracht. Dort stieß sie Donker zufolge auf eine sehr breite Zustimmung aller Sitzungsteilnehmer aus den unterschiedlichen Gemeinden und wurde in den Dorfentwicklungsplan aufgenommen. Im Rahmen einer Projektgruppensitzung haben sich die Jupa-Vertreter laut Donker zusammen mit den anderen Teilnehmern aus verschiedenen Generationen als mögliche Standorte sowohl die Sozialinsel bei der IGS Marienhafe-Moorhusen als auch das alte Bahnhofsgebäude in Marienhafe angeschaut.

Jupa: Sozialinsel ist zu sehr mit Schule verknüpft

Die Sozialinsel wirke aufgrund ihrer räumlichen und atmosphärischen Nähe zur IGS auf viele Jugendlichen jedoch abschreckend, so Donker. Das obere Stockwerk werde größtenteils für die Sozialarbeit der Schule genutzt, die unteren Räume böten kaum Gestaltungsmöglichkeiten. Fazit: Nicht geeignet.

Anders beim Bahnhofsgebäude: Dies liege zentral mit Anschluss an Busse, sei aber unabhängig von der Schule und habe genug Abstand zur Nachbarschaft, um Lärmkonflikte zu vermeiden, so Donker. Im Erdgeschoss gebe es den alten Wartesaal, der beispielsweise als Generationen-Café genutzt werden könne. Im ersten Stock liegen Donker zufolge Wohnungen mit eher kleineren Räumen. „In einem haben wir spontan gedacht, dass man dort sehr gut einen Kicker und einen Billardtisch aufstellen könnte“, so Donker. Der Platz ermögliche es, dass Jugendliche verschiedenen Alters einen Rückzugsraum finden könnten und zusätzlich auch Platz für weitere Generationen da sei. Unter dem Dach sei noch ein größerer Raum, der als Versammlungsraum für Vereine in Frage komme.

Gebäude mit bewegter neuerer Geschichte

Der Bahnhof wurde 1905 gebaut und wird seit einigen Jahren nicht mehr von der Bahn genutzt. 2013 erwarb ihn die Samtgemeinde Brookmerland bei einer Auktion für 36500 Euro. Zunächst war angedacht, dort Sozialwohnungen zu schaffen. Später gab es den Vorschlag, das Gebäude als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung zu stellen. Schließlich entstand die Idee, im Bahnhof ein Mehrgenerationenhaus einzurichten. Wegen der damit verbundenen Kosten befürwortete zuletzt eine große Ratsmehrheit den Verkauf des Gebäudes. Pläne, dort von einem Investor eine Tagespflegeeinrichtung betreiben zu lassen, scheiterten. Zwei weitere Investoren wollten dort Wohnraum einrichten. Der Verwaltungsausschuss der Gemeinde Marienhafe beschloss daraufhin, das Gebäude zu erwerben. Der Kauf ist bislang laut Samtgemeindebürgermeister Gerd Ihmels aber noch nicht vollzogen.

Dass die unmittelbar angrenzenden Schienen eine Versuchung für Schabernack darstellen könnten, sei dem Jupa bewusst. Es habe bei der Besichtigung geheißen, dass ein höherer Zaun dort Abhilfe schaffen könne, so Donker.

Jugendbürgermeister: Wunsch wurde von etlichen jungen Leuten geäußert

Zudem könnten die Jugendlichen auch selbst mit anpacken, wenn es um die Einrichtung und Möblierung gehe: „Ganz im Sinne des Umweltschutzes und des Upcyclings könnte die Einrichtung des Jugendhauses, zum Beispiel Möbel, aus Spenden beschafft werden und die (Um-)Bauarbeiten könnten von Jugendlichen zusammen mit erwachsenen Handwerkern umgesetzt werden. Frei nach dem Motto: Profi zeigt Nichtprofi.“ Das Jugendhaus solle nicht nur auf Jugendliche, sondern auch auf junge Erwachsende ausgerichtet oder sogar generationsübergreifend genutzt werden.

Diese Ideen sollen im Arbeitskreis der Dorfregion weiterentwickelt werden. Und die Unterstützung sei bisher nicht nur von den Mitgliedern des Arbeitskreises gekommen. Er habe auch mit etlichen Jugendlichen gesprochen, die gesagt hätten, dass ein Jugendhaus nötig wäre, so Donker. Er selbst und Bloem hätten im Jugendhaus Norden gesehen, „was man für tolle Sachen machen kann“. Wie berichtet, sieht sich dieses Jugendhaus verstärkt als Einrichtung für die Stadt und die Umlandgemeinden und wirbt um die Jugend aus dem Brookmerland.

Kritik am Fehlen eines Angebots für junge Leute

Bei einem Treffen in Leezdorf im November 2019 Ideen notierten Jugendliche ihre Ideen auf Karten, die sie an eine Pinnwand hefteten. Archivfoto: Thomas Dirks
Bei einem Treffen in Leezdorf im November 2019 Ideen notierten Jugendliche ihre Ideen auf Karten, die sie an eine Pinnwand hefteten. Archivfoto: Thomas Dirks
Doch die will wohl lieber im Brookmerland bleiben. „Wir sind davon überzeugt, dass ein Jugendhaus die Lebensqualität der Jugendlichen in der Samtgemeinde nachhaltig verbessern würde und dass eine Renovierung des alten Bahnhofes das Erscheinungsbild der Samtgemeinde aufwerten könnte“, heißt es im Antrag des Jupa. Zudem würde ein zentraler Treffpunkt verhindern, dass sich die Jugendlichen verstreut an verschiedenen Orten treffen und dadurch Konfliktsituationen zwischen Anwohnern und Jugendlichen entstehen. „Ich hoffe, dass das dann auch angenommen wird, sonst wäre das extrem schade“, so Donker.

„Wir als Jugendsamtgemeinderat finden es bedauerlich, dass das Brookmerland als eine der wenigen Gemeinden im Landkreis kein eigenes Jugendhaus besitzt und wollen dies ändern“, heißt es im Antrag – zumal derzeit neben den Fördergeldern der Dorfregion bereits 680.000 Euro aus dem Förderprogramm „Kleinere Städte und Gemeinden“ zur Verfügung stünden.

Samtgemeindebürgermeister: Wunsch nicht zum Nulltarif zu haben

Laut Ihmels soll der Antrag zunächst im Sozialausschuss beraten werden – aber erst nach der Wahl. Ihm zufolge wird in einem Jugendhaus dauerhaft ein Ansprechpartner vor Ort sein müssen. Es gehe nicht nur um einen Treffpunkt, sondern um eine Anlaufstelle mit vertrauter Kontaktperson und Angeboten. Dazu solle – ein politischer Beschluss vorausgesetzt – mit den Sozialarbeitern der Gemeinde gesprochen werden, ob von dort Betreuung kommen könnte. „Aber es wird sicher auch zusätzlich Personal nötig sein“, so Ihmels. Laufende Kosten also. Aber: Immer wieder werde von der Politik gesagt, dass mehr für die Jugend getan werden müsse, so Ihmels. „Das gibt es aber nicht zum Nulltarif. Wenn wir ein Jugendhaus machen, muss es Hand und Fuß haben.“

Auch Ihmels hält das Bahnhofsgebäude für gut geeignet. Die Räume im ersten Geschoss ließen sich teilweise zusammenlegen, sodass Platz für eine Leseecke oder einen EDV-Raum vorhanden wäre. Über die Konzeptphase seien die Pläne aber noch nicht hinausgegangen. Wie es weitergehe müsse nun zum einen politisch diskutiert werden, zum anderen von den rund 80 Arbeitskreismitgliedern weiter verfolgt werden, so Ihmels.

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