Ochtelbur

Friesenstraße: Monatelange Sperrung ist notwendig

| | 22.08.2021 19:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die viel diskutierten Schranken in einigen Nebenstraße haben sich laut Landkreis Aurich und der Baufirma durchaus bewährt. Archivfoto: Romuald Banik
Die viel diskutierten Schranken in einigen Nebenstraße haben sich laut Landkreis Aurich und der Baufirma durchaus bewährt. Archivfoto: Romuald Banik
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In den letzten Wochen gab es Diskussionen um die Baustelle in Ochtelbur. Viele Pendler und Anwohner sind betroffen. Wasserverband, Landkreis und Baufirmen erklären, warum die Sache so kompliziert ist.

Ochtelbur - Fünf Monate lang wird in Ochtelbur auf einer Strecke von rund einem Kilometer der Schmutzwasserkanal saniert. Die Friesenstraße wird dazu voll gesperrt. Während der Arbeiten ist die Sperrung nötig, weil Baustellenfahrzeuge in der engen Ortsdurchfahrt rangieren müssen. Lars Heyen von der ausführenden Baufirma sagte, dass ein Bagger einem Auto schwere Schäden zufügen könne, wenn er dagegenstoße. Um zu vermeiden, dass die Arbeiter ständig den Rückraum sichern müssen, werde unter Vollsperrung gearbeitet. „Sonst würden die Bauarbeiten noch deutlich länger dauern“, sagte Heyen auf ON-Anfrage.

Schutz der Anlieger hat sich laut Landkreis bewährt

Eine Schrankenanlage im Rahmen einer Vollsperrung wurde bisher im Landkreis Aurich noch nie angeordnet. „Nach jetzigem Stand hat sich dieses System bewährt“, teilte Kreissprecher Nikolai Neumayer auf ON-Anfrage mit. Die Schrankenanlage sei zum Einsatz gekommen, damit der Busverkehr, vor allem die Schülerbeförderung, über die Nebenstraßen sichergestellt werden kann. „Das wäre ohne Sicherung der Nebenstraßen nicht möglich gewesen“, so Neumayer. Dann wären diese Strecken zu den Hauptumfahrungsrouten für sämtliche Autofahrer geworden. Auch in den Ferien müsse das Busunternehmen die Strecke nutzen. Da nach den Ferien die Zahl der Busfahrten steigen wird, soll an diesem System auch festgehalten werden.

Die Schranken hat das ausführende Bauunternehmen F. Heyen aus Westerende-Kirchloog angeschafft. Sie seien wesentlich günstiger als die Bewachung der Baustelle durch Personal. „Damit wird auch der Gebührenzahler entlastet, wenn der OOWV als Auftraggeber diese Bewachungskosten nicht tragen muss“, sagte Unternehmer Lars Heyen den ON.

Es sei eine Kennzeichenerkennung eingebaut, in die neben den Kennzeichen der Rettungskräfte und Busse nun auch die Kennzeichen der Anlieger einprogrammiert würden. Zudem habe die Feuerwehr eine Fernbedienung, um die Schranke bei Bedarf steuern zu können, sagte Heyen. Und zur Sicherheit sei an die Einsatzkräfte noch ein Schlüssel und der PIN-Code verteilt worden. So können die Schranke so lange oben gehalten werden, wie der Einsatz es erfordere.

Die Ausfahrt aus dem beschrankten Bereich ist für alle Fahrzeuge frei möglich. Einige Anwohnern kritisieren die Schranken-Lösung, weil durch die freie Ausfahrt der Schleichverkehr durch die Meeden doch in ihren Straßen ankommt. Heyen betont, dass nicht er es sei, der entscheide, welche Abschnitte gesperrt werden, sondern die Verkehrsbehörde. Er habe die Schranken lediglich angeschafft.

Haben sie sich aus seiner Sicht bewährt? Der Bauunternehmer sagt, dass sie gut funktionieren. Sollte es sich bei anderen Baustellen anbieten, sei es möglich, sie dort wieder einzusetzen.

Doch auch außerhalb der eigentlichen Arbeitszeit bleibt die Straße voll gesperrt. Die zuvor freigelassene Rettungsgasse wurde von zu vielen Autofahrern trotz anderslautender Beschilderung in beide Richtungen genutzt. Weil der Begegnungsverkehr in der unübersichtlichen Baustelle zur Unfallgefahr wird, hat der Landkreis am Freitag angeordnet, auf voller Breite Absperrungen aufzustellen.

Am Wochenende fuhren einzelne Autofahrer daraufhin über den Gehweg. Anwohner reagierten in der Facebook-Gruppe „Baustelle Ochtelbur L1“ mit Empörung.

Neues Rohr wird unter Fahrbahn verlegt

Warum die Bauarbeiten so aufwendig sind, erläuterte Dieter Henkel, der die Betriebsstätte Wiesedermeer des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV) leitet und für die Baustelle in Ihlow zuständig ist, auf ON-Nachfrage. Nachdem ein altes Schmutzwasserrohr in den vergangenen Monaten an mehreren Stellen eingefallen ist, wird dieses nun erneuert. Das bisherige Rohr verläuft laut Henkel unter dem Gehweg. Dort sind allerdings schon so viele Leitungen verlegt, dass keine weiteren Bauarbeiten möglich sind. Deshalb wird das neue Rohr nun auf einer Ausweichstrecke unterhalb der Fahrbahn verlegt. Zusätzlich bekommen erstmals alle Häuser an der Friesenstraße einen Hausanschluss mit eigenem Schacht. Bisher habe es oft nur Stutzen gegeben, so Henkel. Reparaturen würden so künftig einfacher.

Zudem wird im Laufe der Baumaßnahme auch ein Abwasserpumpwerk, das an der Ecke Friesenstraße/Fennenstraße steht, erneuert.

Erster Bauabschnitt ist geschafft

Gearbeitet wird in mehr als zwei Metern Tiefe. Unter dem Rohr wird Flüssigboden eingebracht. Das ist laut Henkel Boden, der mit Zement vermischt wird und somit fester abbindet, sodass Versackungen unter dem Rohr vermieden werden. Zudem fließt der Flüssigboden unter das Rohr und muss nicht mit Maschinen verdichtet werden. Klassische Verdichtungsarbeiten wären angesichts der übergangsweise noch bestehenden alten maroden Verrohrung und der nahe an der Fahrbahn stehenden, teils älteren Häuser kaum ohne Schäden möglich gewesen, so Henkel.

Die Baustelle befindet sich jetzt auf Höhe der Hausnummer Friesenstraße 20, so Henkel. Der erste Bauabschnitt zwischen Loogstraße und Fennenstraße ist somit geschafft. Der zweite Abschnitt bis zum Gänseweg folgt jetzt. Laut OOWV-Sprecher Heiko Poppen soll nach der Urlaubszeit auch ein weiterer Bautrupp eingesetzt werden. Heyen bestätigte dies, Details seien aber noch in Klärung. Die Baustelle liegt bisher im Zeitplan. Seit einem Monat wird in Ochtelbur gearbeitet. Weitere vier Monate soll es noch dauern.

Laut Lars Heyen wird die Schranken-Regelung so geändert, dass weitere Straßen hinzukommen. Die Codes sind abschnittsweise zugeordnet. Jede Straße bekommt ihren eigenen.

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