Aurich

DRK-Präsidentin fordert mehr Katastrophenvorsorge

| | 20.08.2021 18:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Bei einem Besuch in Aurich betonte Ex-Bundesministerin Gerda Hasselfeldt: Der Bund muss für Krisenfälle noch mehr Material vorhalten. Die CSU-Politikerin äußerte sich auch zur Lage in Afghanistan.

Aurich - Mehr Vorsorgemaßnahmen für Krisen und Katastrophen fordert die Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Gerda Hasselfeldt. Bei der Flutkatastrophe habe sich gezeigt, dass man in Deutschland durchaus über genug „Manpower“ verfüge. „Aber es hat sich auch gezeigt, dass wir in der materiellen Ausstattung noch Luft nach oben haben“, sagte die frühere Bundesgesundheitsministerin bei einem Besuch in der Auricher ON-Redaktion. Ähnlich sei es in der Flüchtlingskrise 2015/16 gewesen. Damals habe man aus Kanada Feldbetten besorgen müssen, so die CSU-Politikerin aus dem Bayerischen Wald. In der Pandemie sei es erneut so gewesen. Anfangs fehlten Schutzmaterialien wie Masken und Anzüge. „Wir müssen für so etwas besser vorbereitet sein“, so Hasselfeldt.

Die DRK-Präsidentin äußerte sich auch zur aktuellen Krise in Afghanistan. Wenn Deutschland seine humanitäre Verantwortung ernst nehme, sagt Gerda Hasselfeldt, dürfe es die Augen vor künftigen möglichen Flüchtlingsbewegungen aus Afghanistan nicht verschließen. „Es sind Menschen, wie wir, die dort leben“, sagte die CSU-Politikerin. „Dass dabei noch Verantwortung auf uns zukommt, dessen muss man sich bewusst sein.“

Hasselfeldt: Nachbarländern von Afghanistan helfen

Andererseits könne es „nicht nur Angelegenheit von Deutschland sein“, weitere künftige Flüchtlinge aus Afghanistan aufzunehmen – abgesehen von den sogenannten Ortskräften, die der deutschen Bundeswehr geholfen haben. „Auch die anderen europäischen Staaten sind in der Verantwortung.“

Zuallererst aber müsse man den Afghanen helfen, die in die direkten Nachbarländer wie Pakistan und Iran fliehen. Diesen Staaten müsse Deutschland bei der Bewältigung dieser Aufgabe helfen, so Hasselfeldt. Am Gespräch in der ON-Redaktion nahm auch Konstantin Musolf von der Jungen Union Aurich teil. Der 21-jährige Student hatte wie berichtet Mitte Juli bei den Aufräumarbeiten nach der Flutkatastrophe im Ahrtal geholfen. Musolf nahm im Gespräch mit Hasselfeldt und den anwesenden Bundestagskandidaten Gitta Connemann (Hesel) und Dr. Joachim Kleen (Großheide) kein Blatt vor den Mund. „Was von staatlicher Seite kam, war ein vollkommenes Versagen“, meinte er – und sprach außerdem von einem „organisatorischen Debakel“, das er vor Ort miterlebt habe. Von staatlichen Stellen hätten die Betroffenen tagelang nichts gehört, Soldaten hätten bisweilen tatenlos rumgestanden. Gut sei aber zu sehen gewesen, dass viele Menschen aus der ganzen Gesellschaft mitangepackt hätten, so Musolf.

„Ohne Strukturen und Verantwortlichkeit geht es nicht“

DRK-Präsidentin Hasselfeldt räumte ein: „Es gibt eine enorme Hilfsbereitschaft. Das ehrenamtliche Engagement ist herausragend. Aber wir brauchen auch Ordnung in der Hilfe. Ohne Strukturen und Verantwortlichkeit geht es nicht.“ CDU-Bundestagskandidat Kleen konnte aus jüngster Erfahrung bestätigen: „Wir haben eine starke Kultur des Ehrenamts.“ Das habe die Reaktion der Menschen in der Gemeinde Großheide deutlich gemacht. Kleen wohnt unweit vom Unglücksort entfernt in Coldinne, das zu Großheide gehört.

Für einen Tornado lässt sich nur schwer Vorsorge treffen. Doch aus Sicht von DRK-Präsidentin Hasselfeldt ist für Fälle wie die Pandemie oder die Flutkatastrophe eine sogenannte „Bundesvorhaltung“ notwendig. Heißt: Der Bund muss entsprechende Materialien vorsorglich lagern, damit diese im Krisenfall schnell abrufbar sind. Dabei werde immer wieder über die Finanzierung diskutiert. „Vorsorge ist nicht zum Nulltarif zu haben. Sie ist notwendig. Wir können nicht darauf warten, bis etwas passiert“, so Hasselfeldt.

Forderung: Bundesamt muss aufgewertet werden

Man benötige außerdem eine bessere Koordinierung. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe müsse aufgewertet werden, fordert DRK-Präsidentin Hasselfeldt.

CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann (Hesel), die Hasselfeldt beim Besuch in Aurich begleitete, fordert ebenfalls ein „einheitliches Vorgehen“. „Viren und Wasser halten sich nicht an Landesgrenzen“, so Connemann.

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