Aurich

Kreis-SPD will Nachwuchs stärker einbinden

| | 18.08.2021 08:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Die Jusos haben nach eigenen Angaben kräftig am Wahlprogramm mitgeschrieben und dürfen an Fraktionssitzungen teilnehmen. Auf den SPD-Wahllisten stehen Jüngere trotzdem eher hinten – das hat Gründe.

Aurich - Als nach den Querelen um Jochen Beekhuis der Wiesmoorer Johannes „Hansi“ Kleen im April 2019 die Führung der Auricher SPD-Kreistagsfraktion übernommen hatte, sei „ein anderer Stil“ eingezogen, sagt Johann Saathoff. Der Unterbezirksvorsitzende der Sozialdemokraten erklärte bei einem Pressegespräch, dass zum Beispiel bei Fraktionssitzungen nun auch jüngere Parteimitglieder dabei sein dürfen.

Das Programm

SPD nennt zahlreiche Ziele

Inhaltlich setzt die Auricher Kreis-SPD in ihrem 17-seitigen Wahlprogramm „Zukunft Landkreis Aurich“ auf zahlreiche bekannte Themen wie den Ausbau der Radwege, die Förderung erneuerbarer Energien, den Bau der Zentralklinik, mehr Haus- und Fachärzte, bessere Breitband-Internet-Versorgung, die Schaffung „bezahlbaren“ Wohnraums, die Förderung des Plattdeutschen oder etwa eine höhere Bezahlung der Busfahrer. Die SPD will außerdem klare Kante gegen Rechtsextremismus zeigen, auch mit der AfD nicht zusammenarbeiten.

In der Folge haben laut Saathoff auch die Jungsozialisten (Jusos) im Landkreis Aurich kräftig am Kreiswahlprogramm mitgearbeitet. Die Partei wolle sich auf Kreisebene künftig verstärkt um Themen wie die Busanbindung der Dörfer, Kneipen- und Discosterben, Schüler und Azubis, aber auch für Digitalisierung einsetzen, sagte Juso-Unterbezirksvorsitzender Hannes Langer (Riepe). Er betonte, dass die Jusos zum Beispiel auch einen eigenen „Podcast“ betreiben, in den nach seinen Angaben schon mehrere Hundert Interessierte reingehört haben.

Sitzungszeiten sind ein Problem

Auf die ON-Nachfrage, warum trotz all dieser Bemühungen relativ wenige junge Leute oben auf den SPD-Wahllisten stehen, wurden verschiedene Probleme genannt. Einerseits seien Sitzungszeiten am Nachmittag für manche eine Schwierigkeit. Andererseits trauten sich manche Jüngeren die Rolle als Kreistagsabgeordneter am Ende dann doch noch nicht zu. In jedem Fall sei es gut, dass die Jusos sich einmischen, betonte Unterbezirkschef Saathoff. Er räumte auf weitere ON-Nachfrage aber ein, dass es durchaus schade sei, wenn die SPD etwa in ihrer Hochburg Ihlow keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten stellt – trotz mehrerer Nachwuchspolitiker dort.

Juso-Kreisvorsitzender Hannes Langer selbst steht auf Platz 8 der SPD-Liste im Wahlbereich Großefehn/Ihlow/Wiesmoor – und hat damit keine realistische Chance, über die Liste in den Kreistag zu kommen. Einbringen will er sich trotzdem in die Kreispolitik, wie er betonte.

Saathoff will wissen, wie es vor Ort aussieht

Einer, der das ganz sicher schaffen wird, ist der Unterbezirksvorsitzende Saathoff. Wie berichtet, wurde er auf Platz 1 der SPD-Liste in seinem Wahlbereich gewählt. Saathoff erklärte auf ON-Nachfrage, dass es ein großer Vorteil sei, wenn man weiß, wie es vor Ort in den Kommunen aussieht. Die mögliche künftige Doppelbelastung als Bundestagsabgeordneter in Berlin und Kreistagsabgeordneter in Aurich sei für ihn kein Problem. Er werde „natürlich nicht in 15 Ausschüssen sitzen“, aber eben doch die Politik im Kreis mitgestalten.

SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzender Johannes Kleen aus Wiesmoor räumte auf ON-Nachfrage ein, dass es nicht einfach war, als er nach den Querelen um Jochen Beekhuis 2019 mitten in der Wahlperiode die Führung übernehmen musste. Damals ging über den Umgang mit Beekhuis ein Riss durch die Fraktion. Das aber sei heute kein Thema mehr. „Ich bin nicht nachtragend“, so Kleen, der für seine ruhige Art bekannt ist. Von den verbliebenen Fraktionsmitgliedern habe ihn niemand enttäuscht. Und: „Es nützt nichts, wenn man sich behakt.“

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