Moordorf
Ex-Trainer probiert ein Leben ohne Fußball aus
Der Ex-Plaggenburger Trainer Walter Koltermann nutzt sein unerwartetes Aus bei der Eintracht für andere Dinge. Er probiert neue Wege aus und ist überrascht.
Moordorf – Dinge ändern sich. Manchmal ganz schnell. Das erfuhr Fußballtrainer Walter Koltermann aus Moordorf erst kürzlich. Vor einigen Monaten bastelte der 37-Jährige noch am Kader von Eintracht Plaggenburg für die neue Saison. Er arbeitete Trainingspläne aus und fädelte Vorbereitungsspiele ein. Alles für die Katz, denn der Verein zog Ende Mai den Stecker und schickte Koltermann kurz vor Beginn der Vorbereitungsphase nach Hause. Plaggenburg engagierte Frank Thomßen als Trainer und erhofft sich von ihm neue Impulse.
Vier Jahre lang war Koltermann mit Herzblut bei der Sache. Dann kam der Rauswurf. Die Fußballwelt von Koltermann stand erst einmal still. Entrückt von seinen angedachten Aufgaben und enttäuscht von der überraschenden Entscheidung der Plaggenburger. Der Laufpass hat ihn getroffen, aber er hegt keinen Groll gegen seinen alten Verein. Mittlerweile hat Koltermann das unerwartete Aus bei der Eintracht als Chance begriffen. Mit etwas Abstand hinterfragt er seine Gewohnheiten. Dazu merkt Koltermann an: „Ich habe mich 10 bis 15 Stunden pro Woche mit Fußball beschäftigt. Training, Spiele und es musste einiges organisiert werden.“ Reichlich Lebenszeit, die er nun in andere Kanäle lenken will. Dazu merkte der Angestellte bei Volkswagen an: „Die letzten zehn Jahren als Trainer im Herren- und Jugendbereich haben viel Kraft gekostet.“
Wieder Kräfte sammeln
Nun will er seine Akkus wieder aufladen. Deshalb kommt für ihn bei zum Jahresende kein neues Engagement als Trainer in Frage. Koltermann sagt: „Ich will gegenwärtig keine dauerhaften Verpflichtungen. Ein halbes Jahr keine festen Termine. Das habe ich mir vorgenommen. Es gab zwar schon die ersten Anfragen, aber die habe ich abgelehnt.“
Er besinnt sich auf die einfachen Dinge. Mit dem Fahrrad zur Kiese fahren und sich mit Freunden treffen. Das hat er schon lange nicht mehr gemacht. Er hatte sich für Freizeitaktivitäten jenseits vom Spielfeldrand zuvor nie Zeit zugestanden und war viel zu verbissen auf Fußball fokussiert, räumt er offen ein. Sein Leben drehte sich früher um Fußball. Das Training, die Spiele. Und wenn Spieler mal nicht von der Diskothek weg nach Hause kamen, dann stand er auch als Fahrer bereit. Anrufbereitschaft fast 24 Stunden lang in Sachen Fußball und für die Sorgen der Spieler.
Urlaub nur im Trainingslager
Urlaub kam fast nie vor. Und wenn, dann höchstens im Trainingslager. Das hat sich jetzt geändert. Sein Entzug aus der Mühle des Fußballs begann mit einem mehrtägigen Urlaub auf der Nordseeinsel Baltrum. Er ließ sein Handy zu Hause. Für ihn ein fast unvorstellbarer Gedanke. Aber es funktionierte.
„Die ersten beiden Tage ohne Handy waren schwierig. Ich hatte zuerst Entzugserscheinungen, aber so nach und nach bin ich auch ohne gut zurechtgekommen“, freute sich Koltermann und fügt weiterhin an: „Es war wie eine Selbstreinigung.“ Das war erst der Anfang. Weitere Ausflüge stehen auf seinem Kalender. Dazu gehören eine Städtereise nach Hamburg und ein weiterer Inselaufenthalt im Oktober auf Juist. Er schwimmt sich frei von den Zwängen der Vergangenheit.
Schnuppergolf statt Fußball
So nach und nach macht sich die Erkenntnis bei ihm breit, es geht auch ohne Fußball. Und so wird er mit seinem jüngeren Bruder Tobias demnächst einen Schnuppergolf-Kurs buchen. Draußen auf dem Grün nach dem kleinen Ball schlagen, statt sich über Eckbälle und Flanken Gedanken zu machen. Golf sei schon eine interessante Sache, sagt Koltermann, aber Fußball werde auch zukünftig sein großes Hobby bleiben. Wohl auch deshalb, weil er viele schöne und unvergessliche Momente im Fußball erlebt hat. Dazu zählt er den Aufstieg mit den A-Junioren des Jugendfördervereins (JFV) Aurich sowie den Klassenerhalt mit Plaggenburg.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass weitere Höhepunkte demnächst dazukommen werden. Denn ganz ohne Fußball kann sich Koltermann sein Leben auch zukünftig nicht vorstellen, weil er einfach gerne auf dem Platz steht. Aber gegenwärtig ist auch ohne ganz gut.