Aurich
Sohn des Kreisbahn-Chefs wird dessen Nachfolger
Seit 1. August ist Jens Buß neuer Geschäftsführer der Kreisbahn Aurich und der Verkehrsgesellschaft Wiesmoor. Er folgt auf seinen Vater Karl-Heinz, der die Geschicke rund 30 Jahre lang lenkte. Der Wechsel fällt in schwierige Zeiten.
Aurich Im Jahr 1987 fing er als Disponent in der Fahrdienstleitung an – damals noch ohne Computer, dafür „in Handarbeit“ und per Betriebsfunk. Nach fast 35 Jahren im Unternehmen und 30 Jahren in Leitungspositionen ist Karl-Heinz Buß nun in den Ruhestand gegangen und konnte die Geschäftsführung der Kreisbahn Aurich und der Verkehrsgesellschaft Wiesmoor (VGW) an seinen Sohn Jens Buß übergeben.
Buß Junior konnte sich laut einer Pressemitteilung nach einer überregionalen Stellenausschreibung gegen zehn Bewerberinnen und Bewerber durchsetzen und wurde am 14. Juli einstimmig von den Gesellschaftern sowie vom Aufsichtsrat zum 1. August als Geschäftsführer für die drei Verkehrsunternehmen Kreisbahn Aurich GmbH, Verkehrsgesellschaft Wiesmoor mbH sowie Arendt Busbetrieb GmbH in Münkeboe gewählt. Letztere Firma wurde zum 1. Januar von der Familie Beninga-Arendt übernommen und weitergeführt. Die drei Unternehmen beschäftigen heute rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und betreiben Linien- und Gelegenheitsverkehr mit mehr als 50 Omnibussen. Karl-Heinz Buß hatte die Geschäftsführung der Kreisbahn-Tochter Verkehrsgesellschaft Wiesmoor 1990 übernommen und 1992 auch die Geschäftsführung der Kreisbahn. Zum 1. August übernimmt nun Diplom-Kaufmann Jens Buß, Sohn von Karl-Heinz Buß, die Geschäftsführung aller drei Unternehmen.
Zuletzt war Jens Buß Betriebsleiter
Er studierte an der Universität Osnabrück Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Unternehmensführung und Unternehmensrechnung. Im Anschluss arbeitete er in einem großen Unternehmen im Emsland als Controller sowie später als leitender Produktmanager und Teamleiter mit entsprechender Personalführungs- und Budgetverantwortung. Der Wunsch, wieder in die Heimat zurückzukehren, veranlasste Jens Buß 2018 zur Bewerbung bei der Kreisbahn Aurich, wo er zuletzt Betriebsleiter war.
Zur Erinnerung: Der Chefwechsel bei der Kreisbahn fällt in eine schwierige Zeit für das Unternehmen. Abgesehen von erheblichen Einnahme-Einbrüchen durch die Corona-Krise fordern die über die VGW angestellten Busfahrer und die Gewerkschaft NahVG seit zwei Jahren höhere Löhne. Derzeit bekommen sie 11,70 Euro pro Stunde – und liegen damit unter der Mindestlohnforderung mehrerer Parteien wie SPD, Grüne und Linke. Die Kreisbahn sieht sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht in der Lage, mehr zu zahlen, wie Geschäftsführer Buß immer wieder betont. Landrat Olaf Meinen verweist stets auf die schwierigen rechtlichen Rahmenbedingungen.
Erster Schritt für höhere Löhne
Ein erster Schritt für höhere Löhne wurde in der jüngsten Sitzung des Auricher Kreistags gemacht: Die Kreispolitiker winkten einstimmig eine „Allgemeine Vorschrift zum Ausgleich rabattierter Fahrkarten im ÖPNV“ durch. Dadurch sollen die Busunternehmen mehr Geld erhalten, mit dem sie die Fahrer besser bezahlen können. Direkt über die Tarife zu entscheiden steht dem Kreistag nicht zu.
Die Auricher Kreisbahn gehört zu zwei Dritteln dem Landkreis und zu einem Drittel der Weser-Ems Busverkehr GmbH, die wiederum eine Tochter der Deutschen Bahn ist, die wiederum vollständig dem Bund gehört.