Aurich

Grüne wollen Wohnungen statt Parkplätze

Heino Hermanns
|
Von Heino Hermanns
| 29.04.2021 13:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Artikel teilen:

Die Fraktion der Grünen im Auricher Stadtrat sieht keine Notwendigkeit mehr für ein Parkhaus am Georgswall. Und es gibt nach Ansicht der Grünen noch einen Vorteil bei einem Verzicht.

Aurich. Die Fraktion der Grünen im Auricher Stadtrat ist noch nie ein Freund des geplanten Parkhauses am Georgswall gewesen. Lieber wäre der Fraktion, dort würden Wohnhäuser entstehen. Denn durch ein Parkhaus würde der Eingang des Georgswalls, so die oft wiederholte Begründung, unschön gestaltet.

In einem Antrag zu den momentan laufenden Haushaltsberatungen fordern die Grünen nun erneut, auf das Parkhaus zu verzichten. Neu ist die Begründung: Mittlerweile sei klar, dass die Nordseite des Georgswalls nicht zu einer Flaniermeile umgebaut werden würde. Die Umwandlung zu einer Fußgängerzone sei im Augenblick nicht finanzierbar und politisch auch nicht gewollt.

Baugrund für Wohnungen wäre viel teurer

Im Zuge des Umbaus würden am Georgswall auch rund 80 ebenerdige Stellplätze wegfallen. Unter anderem wegen dieser Planung, die vor gut zehn Jahren beschlossen worden ist, wurde die Errichtung eines Parkhauses am Ostende des Georgswalls vorgesehen. Nur deswegen erfolgte auch vor einigen Jahren bereits die Anbindung des Georgswalls von der Großen Mühlenwallstraße aus mit Abbiegespuren und einer neuen Ampelanlage.

Wenn nun aber der Georgswall offen bleibt und die Stellplätze nicht wegfallen, so die Argumentation der Grünen, werde auch das Parkhaus nicht mehr benötigt. Ein weiteres Argument ist nach Ansicht der Fraktion, dass die Stadt Aurich sehr viel mehr Geld einnehmen könnte, wenn auf dem Grundstück hinter der Osterstraße 44 ein Wohnhaus und kein Parkhaus entstehen würde. Denn die Fläche mit einer Größe von 2100 Quadratmetern werde nun für 75.600 Euro angeboten. Pro Quadratmeter werden also 36 Euro berechnet. Für eine weitere Stellplatzfläche würden 21.600 Euro (37,2 Euro pro Quadratmeter) berechnet. Das hatten auch die ON im Dezember vorigen Jahres bereits so berichtet.

Größe des Parkhauses steht noch nicht fest

„Für Wohnbebauung, die auch städtebaulich Sinn machen würde, würde gemäß des Bodenrichtwertes von 300 Euro mit 630.000 Euro und 174.000 Euro nahezu der zehnfache Wert erzielt“, heißt es in dem Grünen-Antrag. Der Verkauf könne so auch ein Beitrag zur Haushaltskonsolidierung sein. Allerdings: Dass die Flächen zwischen Osterstraße und Georgswall verkauft werden, hat der Stadtrat am 25. Februar beschlossen – inklusive der Festlegung, was die einzelnen Flächen kosten sollen.

Investor Lennart Gerstmeier plant dort nicht nur das Parkhaus. Er möchte auch einige Gebäude entlang der Osterstraße sanieren und zudem neue Wohnungen errichten. Auf ON-Anfrage sagt er, dass noch gar nicht feststehe, wie groß das Parkhaus am Ende werde. „Die Planungen laufen derzeit.“ Bis zum ersten Spatenstich werde sicher noch einige Zeit vergehen. Den Antrag der Grünen kenne er noch nicht. Deshalb könne er auch nicht sagen, welche Auswirkungen es auf sein Parkhaus habe, wenn die Stellplätze am Georgswall erhalten bleiben würden. „Denn auch für die Wohneinheiten, die dort entstehen, werde Stellplätze benötigt.“ Es bleibe daher nur, die weitere Diskussion in der Politik abzuwarten.

Bürgermeister will alte Pläne kippen

Klar ist, dass sich der Wind im Stadtrat offenbar gerade dreht, was die Pläne für den nördlichen Georgswall angeht. Bürgermeister Horst Feddermann hat sich bereits im vorigen Jahr offen dafür ausgesprochen, den Georgwall nicht zu einer Fußgängerzone umzubauen. Er will an den Stellplätzen dort festhalten. Zum neuen Antrag der Grünen mochte er sich auf Anfrage nicht äußern.

Gegen eine Schließung des Georgswalls haben sich auch schon immer die Auricher Kaufleute eingesetzt. Udo Hippen, Vorsitzender des Kaufmännischen Vereins, betonte auf ON-Anfrage, wie wichtig gerade für kurze Einkäufe die Stellplätze am Georgswall seien. Ein Parkhaus sei gut, wenn man einen ganzen Nachmittag in der Innenstadt verbringen wolle. Werde es trotz der bestehenden Stellplätze gebaut, habe es für die Innenstadt sicherlich einen gewissen Mehrwert.

Ähnliche Artikel