Sicher Schwimmen lernen Neues Förderprogramm soll mehr Kinder zum Schwimmen bringen

Mia Bucher, dpa
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Von Mia Bucher, dpa
| 04.11.2026 14:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das nächste Schwimmbad ist oft weit weg, vor allem auf dem Land Foto: Fabian Sommer/dpa
Das nächste Schwimmbad ist oft weit weg, vor allem auf dem Land Foto: Fabian Sommer/dpa
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Busfahrten zur Schwimmhalle, mehr Kurse und hauptamtliche Schwimmlotsen: Für solche Hilfen stehen ab sofort 20 Millionen Euro bereit. Die vielen Nichtschwimmer zeigen, wie sehr das Geld benötigt wird.

Etwa 40 Prozent aller Schulkinder in Deutschland können am Ende ihrer Grundschulzeit nicht sicher schwimmen, 20 Prozent können es gar nicht. Das will ein neues Förderprogramm von Bundeskanzleramt, dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) und der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ändern. Pro Jahr stehen dafür ab sofort fünf Millionen Euro zur Verfügung, wie Vertreter der Bundesregierung, des DSV und der DLRG in Berlin erklärten.

Nicht-öffentliche Einrichtungen wie Vereine, Kitas oder Schwimmschulen könnten ab sofort einen Förderantrag stellen. Frist ist der 31. Januar 2027. Das Bundesprogramm ist mit Mitteln von insgesamt 20 Millionen Euro auf vier Jahre angelegt. Ausführliche Informationen gibt es auf der Website des DSV.

Mit dem neuen Modellvorhaben „Deutschland lernt Schwimmen“ sollen mehr Kinder in Deutschland Zugang zu Schwimmangeboten bekommen. Sicheres Schwimmen sei nicht nur überlebenswichtig, sagte Sportstaatsminister und Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe. „Sicher schwimmen zu können, schafft auch Selbstvertrauen, ermöglicht Teilhabe an Klassenfahrten und Ferienangeboten und eröffnet den Zugang zu gesunder Bewegung.“ 

Der Bund stellt 20 Millionen Euro zur Verfügung. Foto: Fabian Sommer/dpa
Der Bund stellt 20 Millionen Euro zur Verfügung. Foto: Fabian Sommer/dpa

Wofür das Geld genutzt werden kann

Was genau sieht das Modellvorhaben mit dem Namen „Deutschland lernt Schwimmen“ vor? Das Förderprogramm konzentriert sich nicht auf den Bau von Schwimmbädern, sondern auf bessere Vernetzung (Säule 1) und Koordination (Säule 2) auf lokaler Ebene. In einem dritten Schritt sollen mehr qualifizierte Schwimmlehrerinnen- und -lehrer ausgebildet werden (Säule 3). Für diese Säule gilt der Förderaufruf allerdings nicht. 

Säule 1 soll zum Beispiel ermöglichen, dass eine Einrichtung einen Bus mieten kann, mit dem die Kinder zur nächsten Schwimmhalle gefahren werden. Denn gerade im ländlichen Raum ist das nächste Schwimmbad oft weit entfernt. Denkbar sei auch, dass ein Verein mit dem Geld mehr Kurse anbieten kann. Auch der Einsatz von zusätzlichem Ausbildungspersonal soll ermöglicht werden. 

Säule 2 sieht vor, dass hauptamtliche Schwimmlotsen eingestellt werden, um die vielen Ehrenamtlichen in den Vereinen auf regionaler Ebene zu entlasten. Sie können zum Beispiel Schulen und Vereine in Kontakt bringen und schauen, wo es freie Kapazitäten gibt. Beide Säulen sollen bisherige Angebote nicht ersetzen, sondern ergänzen.

Laut Vogt können 20 Prozent der Kinder am Ende der Grundschule nicht schwimmen. Foto: Fabian Sommer/dpa
Laut Vogt können 20 Prozent der Kinder am Ende der Grundschule nicht schwimmen. Foto: Fabian Sommer/dpa

Bei bestimmten Kindern besteht besonders Bedarf

„Mit diesen Maßnahmen wollen wir insbesondere Kinder aus Familien mit geringem Einkommen, Kinder in strukturschwachen Regionen und Kinder mit Behinderung oder sonstigem Unterstützungsbedarf erreichen“, sagt Rauhe. „Denn hier ist der Bedarf am größten. Sicheres Schwimmen darf keine Frage der Herkunft sein.“

Schätzungsweise 40 Prozent aller Grundschulkinder in Deutschland können am Ende ihrer Grundschulzeit nicht sicher schwimmen, wie DLRG-Präsidentin Ute Vogt sagt. 20 Prozent könnten gar nicht schwimmen. 

Ein Kind kann sicher schwimmen, wenn es sich nicht nur über Wasser halten, sondern eigenständig 15 Minuten über tiefem Wasser schwimmen kann, wie Vogt erklärt. Ein Seepferdchen reiche dafür nicht aus. Der Freischwimmer müsse Mindestvoraussetzung sein. In den Schulen werde dieses Abzeichen aber heute nicht mehr vermittelt, weil häufig gar kein Schwimmbad mehr in erreichbarer Nähe sei.

320 Menschen ertrunken

Bis Ende September sind laut DLRG dieses Jahr 320 Menschen ertrunken, die meisten davon in Seen und Flüssen. Allein im Juni waren es den Angaben nach rund 100.

Der hohe Nichtschwimmeranteil in Deutschland hat laut Rauhe mehrere Ursachen. Einerseits gebe es durch Bädersterben und Sanierungsstau einen akuten Mangel an verfügbaren Wasserflächen. Andererseits müssten Kinder zum Teil sehr lange auf einen freien Platz in einem Schwimmkurs warten, da es an Kapazitäten mangele.

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