Überschreitung von 1,5 Grad Höherer Meeresspiegel, mehr Sturzfluten: Was auf uns zukommt

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Von dpa
| 02.11.2026 13:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die deutschen Gletscher sind dem Untergang geweiht. (Archivbild) Foto: Angelika Warmuth/dpa
Die deutschen Gletscher sind dem Untergang geweiht. (Archivbild) Foto: Angelika Warmuth/dpa
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Was bedeutet es konkret, wenn die Welt es nicht schafft, die Erderwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen? Forschende beleuchten die Folgen auf das weltweite Eis – und kommen zu beunruhigenden Prognosen.

Steigende Meeresspiegel, mehr Lawinen und eine weniger sichere Verfügbarkeit von Wasser: Das UN-Umweltprogramm UNEP und die Organisation International Cryosphere Climate Initiative skizzieren, was der aktuelle Kurs der Erderwärmung für die Eisvorkommen der Welt bedeutet – also etwa für Eisschilde, Gletscher oder Permafrost, im Fachjargon als Kryosphäre zusammengefasst. Besonders in Berg- und Küstenregionen drohen drastische Folgen.

Eigentlich hatte sich die Welt vorgenommen, die Erderwärmung bei 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden. Zwar ist dieses Ziel noch nicht offiziell gerissen, allerdings wird es den Vereinten Nationen zufolge auch nicht mehr zu halten sein, sondern zumindest zeitweise überschritten. Dies bezeichnet man als „Overshoot“. 

Um die Überschreitung langfristig rückgängig zu machen, müsste die Menschheit irgendwann in eine Phase der Negativ-Emissionen eintreten – also mehr CO2 aus der Atmosphäre entfernen, als neu ausgestoßen wird.

Lässt sich die Überschreitung möglichst klein halten?

Der federführende Autor James Kirkham von der International Cryosphere Climate Initiative betont: „Um die globalen Auswirkungen und Schäden durch den Eisverlust in den Polar- und Bergregionen der Welt einzudämmen, muss die Überschreitung auf ein absolutes Minimum beschränkt werden. Die Temperaturen müssen so schnell wie möglich wieder deutlich unter 1,5 Grad gesenkt werden, um die Risiken zu verringern.“ 

Schon heute seien die Folgen drastisch, betont der Bericht: Die Polkappen, die Grönland und die Antarktis bedecken, schmölzen heute etwa sechsmal schneller als noch in den 1990er Jahren. 

Ein Eisberg in Grönland: Die weltweiten Eisvorkommen könnten bei einer Überschreitung des 1,5-Grad-Ziels stärker als bislang schmelzen. (Archivbild) Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix Foto/AP/dpa
Ein Eisberg in Grönland: Die weltweiten Eisvorkommen könnten bei einer Überschreitung des 1,5-Grad-Ziels stärker als bislang schmelzen. (Archivbild) Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix Foto/AP/dpa

„Gnadenlose“ Reaktionen im Eis

Die zentrale Botschaft des Berichts: Selbst auf einen nur temporären „Overshoot“ würden die weltweiten Eisvorkommen „gnadenlos“ reagieren. Einige Beispiele:

  • Je stärker und länger die Erwärmung die 1,5 Grad überschreite, desto höher werde der Anstieg des Meeresspiegels ausfallen: Höhere Temperaturen machten Eisschilde instabiler, was zu einem Anstieg des Meeresspiegels von mehreren Metern über die nächsten Jahrhunderte hinweg führen könne. Dies würde die Anpassungsfähigkeit von Lebensräumen an Küsten und in tiefergelegenen Regionen deutlich übersteigen. 
  • Der Verlust von Gletschern und Schneedecken erhöhe zudem das Risiko für Umweltgefahren in Bergregionen – von plötzlichen Katastrophen wie Eis- oder Gerölllawinen bis hin zu Wasserknappheit. Je stärker der „Overshoot“ ausfalle, desto extremer könnten die Schwankungen der Wasserverfügbarkeit ausfallen. 
  • Das Auftauen des Permafrosts habe bereits deutlich unter einem Grad Erderwärmung eingesetzt und beschleunige sich mit jeder zusätzlichen Erwärmung. Dieses Auftauen setze nicht nur jedes Jahr Treibhausgase in der Größenordnung von Industrienationen frei, sondern destabilisiere auch das Fundament von Siedlungen und Infrastruktur. Auch das Risiko für Hangrutsche und Waldbrände steige. 

Ausfahrt verpasst – Ziel aus den Augen?

„Wenn man auf der Autobahn eine Ausfahrt verpasst, gibt man seine Pläne, ans eigentliche Ziel zu gelangen, nicht auf – man nutzt die erste Gelegenheit, um umzukehren. Mit voller Geschwindigkeit weiterzufahren, macht die Sache nur noch schlimmer“, betont die Direktorin der International Cryosphere Climate Initiative, Pam Pearson. 

Ein Anstieg des Meeresspiegels um mehrere Meter sei mittlerweile ohnehin schon unvermeidbar, heißt es weiter. Effektiver Klimaschutz könne jedoch den Anstieg auf ein Niveau verlangsamen, an das sich Menschen besser anpassen könnten. Es sei bekannt, wie dies gelingen könne: Erneuerbare Energien und Batterie-Technologien boomten, die Abhängigkeit von Kohle und Öl verringere sich. Dieser Pfad müsse konsequent verfolgt werden.

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