Bilanz des Wochenendes Herbststurm hinterlässt Schäden - Gefahr noch nicht vorbei
Teils heftiger Wind und orkanartige Böen: Das Wetter ist ungemütlich gewesen. Die erste Bilanz:
Die ersten Herbststürme sind über Deutschland gezogen - und haben vielerorts Schäden hinterlassen. Mehrere Menschen wurden verletzt. Bis zum Sonntagnachmittag blieben größere Zwischenfälle aus. Zumeist stürzten Bäume um. Bahnreisende brauchten mitunter Geduld. Laut einer Bilanz gab es bundesweit Hunderte Einsätze. Die Gefahr ist noch nicht gebannt.
Für Feuerwehren war das Wochenende in mehreren Bundesländern arbeitsreich. Einsatzkräfte mussten Äste und Bäume von Straßen, Plätzen und Gehwegen räumen. Der Wetterdienst riet dazu, bei Aufenthalten im Freien vorsichtig zu sein. Sachschäden gab es laut Polizei an Autos und Gebäuden. In verschiedenen Orten fiel der Strom aus.
In Freiburg und Umgebung waren am Sonntagvormittag rund 10.000 Haushalte stundenlang ohne Strom. Laut Stadtverwaltung wehten starke Winde ein Blechdach in ein Umspannwerk, was zu einem Kurzschluss führte. Wegen des Stromausfalls konnten im Universitätsklinikum Freiburg zeitweilig nur lebensbedrohliche Notfälle in der Notaufnahme versorgt werden.
Menschen kamen zu Schaden
Schwere Folgen hatte der Sturm im Norden von Rheinland-Pfalz. In Nastätten warf eine Böe am Freitagnachmittag ein Gestell um, während in der Nähe ein Oktobermarkt stattfand. Nach Angaben der Polizei wurden zwei Menschen schwer verletzt. Einer von ihnen schwebte laut früheren Angaben in Lebensgefahr und wurde mit einem Hubschrauber in eine Klinik gebracht.
In Seligenstadt südöstlich von Frankfurt am Main traf ein abgerissener Ast einen Radfahrer, den die Feuerwehr befreien musste. Im saarländischen Lebach wurde ein Fußgänger von einem Werbeschild leicht verletzt.
Und so sah es auf der Schiene aus
Das stürmische Wetter wirkte sich auch auf den Bahnverkehr aus. Der Syltshuttle sei wegen Windstärke 12 eingestellt worden, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. In Nordrhein-Westfalen sei die Strecke zwischen Recklinghausen und Münster betroffen, Züge würden umgeleitet und bräuchten etwa 15 Minuten länger. Auch bei Landstuhl in Rheinland-Pfalz gebe es Einschränkungen. Züge nach Paris fahren daher nicht über Saarbrücken, sondern Straßburg, sagte die Sprecherin.
Auch das Ausland hat mit zu viel Wind zu kämpfen
Auch im Ausland hatte der „Boelo“ getaufte Sturm Folgen. Zehntausende Haushalte waren allein in England nach Angaben der BBC am Sonntagvormittag ohne Strom, 6.000 weitere in Schottland. Dort meldete die Nachrichtenagentur PA außerdem Überschwemmungen. Veranstaltungen in ganz Großbritannien seien wegen des Sturms abgesagt worden, hieß es.
Am Amsterdamer Flughafen Schiphol sorgte der Sturm für erhebliche Beeinträchtigungen. Dutzende Flüge mussten gestrichen oder konnten nur mit Verspätung abgefertigt werden, sagte ein Airport-Sprecher der Nachrichtenagentur ANP. Aufgrund des starken Westwinds hätten die Start- und Landebahnen nur eingeschränkt zur Verfügung gestanden. Betroffen waren unter anderem Passagiere von KLM, easyJet und Lufthansa.
In Skandinavien stellten zahlreiche Fähren ihren Betrieb am Sonntag vorübergehend ein. Umgestürzte Bäume sorgten auf Straßen in Dänemark und Norwegen für Chaos. In Schweden konnten Züge zwischen einigen Städten vor allem im Westen des Landes die Bahnhöfe nicht verlassen. Starker Regen sorgte am Vormittag in der norwegischen Hauptstadt Oslo für Überschwemmungen auf den Straßen. Im Süden und Osten des Landes waren rund 5.400 Haushalte am Sonntagvormittag ohne Strom.
Wie es mit dem Wetter weitergeht
Nach einem teils stürmischen Wochenende hält in der Südhälfte milderes Wetter Einzug, das am Dienstag für Höchstwerte von örtlich 21 Grad Celsius bei meist trockenem Wetter sorgen kann. Insbesondere in Baden-Württemberg und am Alpenrand wird es nach der Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach sonnig. Im Norden bleibt es dagegen eher wechselhaft.
Das stürmische Wetter sollte ab Sonntagnachmittag in weiten Teilen Deutschlands nachlassen. Vorwiegend an den Küsten ist der Wind weiterhin frisch bis stürmisch, er lässt erst in der Nacht zum Dienstag nach.
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie warnte vor einer Sturmflut an der deutschen Nordseeküste. In der Nacht zum Montag werde das Hochwasser an der ostfriesischen Küste und im Elbegebiet 1,5 bis 2 Meter, im Wesergebiet etwa 1,5 Meter und an der nordfriesischen Küste 2 bis 2,5 Meter höher als das mittlere Hochwasser eintreten. In Hamburg soll das Wasser am Pegel St. Pauli am Montagmorgen gegen 4.00 Uhr auf 2 Meter über dem mittleren Hochwasser steigen.