Gipfel in Berlin Regierung lockt Investoren - Klingbeil: „Will Ihr Geld“

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Von dpa
| 20.10.2026 10:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Bundesregierung wirbt um Milliarden-Investitionen: Bundeskanzler Friedrich Merz mit Panelteilnehmern beim „Invest in Germany“-Gipfel Foto: Michael Kappeler/dpa
Die Bundesregierung wirbt um Milliarden-Investitionen: Bundeskanzler Friedrich Merz mit Panelteilnehmern beim „Invest in Germany“-Gipfel Foto: Michael Kappeler/dpa
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Auf dem ersten Investitionsgipfel preist die Bundesregierung Deutschland als Top-Standort an - manchmal auch mit einem Schmunzeln.

Im Werben um Investitionen in Milliardenhöhe unterstreicht die Bundesregierung die Stärken des Standorts Deutschland. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte beim Investitionsgipfel in Berlin, Deutschland biete Investoren eine einzigartige Kombination aus industrieller Exzellenz, technologischer Innovation und Zugang zu einem der weltweit größten Binnenmärkte.

Die Bundesregierung will mit dem ersten Gipfel dieser Art mehr private Investoren nach Deutschland locken. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) wandte sich verschmitzt an die versammelten Unternehmensgrößen mit der Ankündigung: „Ich will Ihr Geld.“ 

KI als Schlüsselthema

Die wachsende Bedeutung künstlicher Intelligenz spielte in den Reden eine große Rolle. Die Regierung hofft, dass Deutschland hier Daten seiner starken Industriebasis als Grundlage nutzen kann. 

Der Investitionsgipfel hatte am Montagabend in einem stillgelegten Kraftwerk in Berlin begonnen, Schauplatz des zweiten Tages ist eine private Wirtschaftshochschule. Nach Regierungsangaben nehmen rund 200 internationale und deutsche Vorstandschefs teil. 

Merz bemüht Klischees

Um die Stärken des Standorts hervorzuheben, nahm Merz Klischees zur Hilfe: „Deutsche gelten als fleißig, gehen früh schlafen und stehen noch vor Sonnenaufgang auf“, sagte er. Der Berufsverkehr sei morgens zwischen 6 und 7 Uhr am stärksten. „Im Urlaub sind wir die Ersten am Strand und legen schon vor dem Frühstück unsere Handtücher aus. Und wenn wir Liefertermine vereinbaren, dann halten wir diese auch ein.“

Deutsche seien zuverlässig, berechenbar, präzise und für keine Überraschungen gut, sagte Merz. „Kurz gesagt: Wir sind genau das, was Investoren am meisten schätzen.“ Das Gute an Klischees sei nämlich, dass sie oft voller Wahrheit steckten. 

Reiche: Investitionszusagen von mehr als 225 Milliarden Euro

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) versprach den Investoren: „Sie können auf unsere industrielle Substanz, unsere Entschlossenheit zum Wandel und unsere bewährte Glaubwürdigkeit zählen.“

Nach Angaben Reiches sind mit Blick auf den Investitionsgipfel der Bundesregierung bereits Zusagen für Investitionen von mehr als 225 Milliarden Euro gemacht worden. Sie betonte im Deutschlandfunk zudem, dass darin nur Projekte mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro enthalten seien. In welchem Zusammenhang die Zusagen genau stehen und ob welche davon auch unabhängig vom Investitionsgipfel getätigt wurden, blieb zunächst offen. 

Kanzler sagt Reformen zu

Merz sagte erneut zu, dass die Bundesregierung ihren Reformkurs fortsetze. Er sprach von einem der ehrgeizigsten Reform- und Modernisierungsprogramme der letzten Jahrzehnte. 

Geplant sind Reformen der Sozialsysteme, um Sozialausgaben zu stabilisieren, Flexibilisierungen im Arbeitsmarkt und einen Abbau von Bürokratie. Allerdings sind in der schwarz-roten Koalition Vorhaben etwa bei der Rentenreform umstritten.

Warnung vor Vergesellschaftungen in Berlin

Bauministerin Verena Hubertz (SPD) versuchte, Geldgeber für Investitionen in „Betongold“ zu gewinnen, wie sie es nannte. Zur Lage in Berlin, wo die angestrebte rot-grün-rote Koalition die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne angehen will, sagte sie: „Wir als Regierung nehmen einen anderen Weg. Wir brauchen mehr Investitionen und wir wollen Investitionen schützen.“ Deshalb arbeite man an einem Investitionsschutzgesetz.

Reiche hatte am Montag mit Blick auf die Pläne der möglichen rot-grün-roten Koalition in Berlin zur Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne gesagt, sie sehe eine „Gefahr für den Standort“, die weit über Berlin hinausgehe. Dies sei definitiv kein Modell für Deutschland.

Bedarf an privaten Investitionen

Einer Studie von Allianz Research zufolge gingen zwischen 2019 und 2025 die Gesamtinvestitionen in Deutschland um 6,4 Prozent zurück - während sie im übrigen Euroraum um 6,7 Prozent und in den USA um 20,2 Prozent stiegen. Daraus ergebe sich eine riesige Investitionslücke. Zu den Gründen für die Zurückhaltung in Deutschland zählten hohe Energiekosten, eine hohe Steuer- und Abgabenbelastung und eine übermäßige Bürokratie.

DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier sagte, die Investitionstätigkeit in Deutschland bleibe deutlich zu schwach. „Im ersten Halbjahr 2026 lagen die privaten Investitionen noch immer rund elf Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau.“ 

Sondervermögen alleine reicht nicht

Der deutsche Staat gibt in den kommenden Jahren über ein „Sondervermögen“ viele Milliarden auf Pump aus, um die Infrastruktur auf Vordermann zu bringen und Unternehmen beim Umstieg auf klimafreundlichere Prozesse zu unterstützen. Auch um den technologischen Wandel zu bewerkstelligen, sind aber aus Sicht von Wirtschaft und Politik mehr private Investitionen entscheidend. 

Die Unternehmensinitiative „Made for Germany“ identifizierte fünf zentrale Investitionsfelder. Neben industrieller Künstlicher Intelligenz seien dies Transformation und Zukunftstechnologien, daneben Energiesysteme, Infrastruktur sowie Sicherheit und Verteidigung. Für diese fünf Bereiche beziffert ein Report ein Investitions- und Finanzierungspotenzial von rund 2,9 bis 4,1 Billionen Euro bis 2035. 

Amazon investiert in Rechenzentren

Die Handelsplattform Amazon kündigte auf dem Investitionsgipfel an, im kommenden Jahr rund 16 Milliarden Euro in Deutschland investieren zu wollen. Das Geld soll unter anderem in den Ausbau von Rechenzentren für den Cloud-Anbieter AWS und die Modernisierung der Logistikstandorte fließen.

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