Sicherheitsvorfall Fahrzeug durchbricht Zaun am Airport Leipzig: Was wir wissen
Sabotage? Ein Unfall? Noch ist völlig unklar, was hinter dem nächtlichen Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle steckt. Eine Übersicht.
Am Flughafen Leipzig/Halle gab es in der Nacht einen großen Polizeieinsatz wegen eines Sicherheitsvorfalls. Die Bundespolizei bestätigte, dass ein Fahrzeug den Zaun durchbrochen habe. Es seien Bremsspuren zu sehen, sagte eine Sprecherin. Was zu dem Vorfall bekannt ist - und welche Fragen offen sind:
Was wir wissen
Was geschah: Der Flughafensicherheitsdienst entdeckte den Schaden am Samstag kurz vor 23 Uhr bei einer routinemäßigen Streife. Der Durchbruch selbst wurde nicht beobachtet. Nach der Spurenlage fuhr das Fahrzeug einige Meter in den Sicherheitsbereich hinein und anschließend wieder hinaus.
Einsatzkräfte durchsuchten zunächst besonders gefährdete Bereiche. Am frühen Morgen suchten sie mit einem Polizeihubschrauber und Drohnentechnik den gesamten Nordbereich ab. Sie fanden weder das mutmaßliche Fahrzeug noch unberechtigte Personen oder verdächtige Gegenstände.
Der Ort des Vorfalls: Der beschädigte Zaunabschnitt liegt nach Angaben von Flughafensprecher Uwe Schuhart an einer öffentlich zugänglichen Straße mit einer Notfallzufahrt für Einsatzkräfte wie die Feuerwehr. Das Tor sei unbeschädigt - solche Zufahrten würden bei großen Flughafenübungen genutzt. Die einzige Kamera am Abschnitt diene dem operativen Flughafenbetrieb und zeichne nicht auf. Der Zaun erfülle die gesetzlich geregelten nationalen und internationalen Standards und werde regelmäßig von Behörden überprüft.
Drei russische Antonow-Frachtflugzeuge dürfen wegen der EU-Sanktionen gegen Russland seit 2022 nicht starten. Sie stehen wie der beschädigte Zaun im Nordbereich, aber laut Schuhart nicht in unmittelbarer Nähe. Bis zu sechs ukrainische Antonow-Frachtflugzeuge befinden sich dagegen im Südbereich und damit deutlich weiter entfernt. Antonov Airlines hatte ihre Basis nach dem russischen Angriff auf die Ukraine nach Leipzig verlegt, weil ein Flugbetrieb von ukrainischen Flughäfen aus nicht mehr möglich war.
Auswirkungen auf den Flugbetrieb: Laut Flughafensprecher Schuhart sind weder Passagier- noch Frachtverkehr eingeschränkt. Weil der Flughafen zwei Start-und-Landebahnen habe, gab es keine Einschränkungen im Flugverkehr. Die Nordpiste war zunächst gesperrt, der Betrieb auf der Südpiste lief weiter. Nach Herstellung der Luftsicherheit wurde die Nordpiste um 14 Uhr wieder freigegeben.
Was wir nicht wissen
Was die Hintergründe sein könnten: Über die Ursache und mögliche Hintergründe gibt es bislang keine Informationen. Die Polizei geht nach der Spurenlage mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass ein Fahrzeug den Zaun durchbrochen hat. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen. Auch ein Unfall komme infrage. Die Suche nach dem Fahrzeug dauert an.
Wer dahintersteckt: Bei der Durchsuchung des gesamten Nordbereichs fanden Einsatzkräfte keine unberechtigten Personen. Ob zuvor jemand auf das Flughafengelände gelangt war und wer das Fahrzeug gesteuert haben könnte, ist unklar. Das mutmaßliche Fahrzeug wurde bislang nicht gefunden.
Ob es einen Zusammenhang zu früherem Vorfall gibt: Völlig unklar ist, ob es einen Zusammenhang zwischen dem aktuellen Vorfall und dem Drohnenvorfall von Anfang August gibt. Damals war am Flughafen Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff präparierte Drohne neben ukrainischen Frachtflugzeugen, die dort wegen des Kriegs in der Ukraine ebenfalls abgestellt sind, entdeckt worden. Die Bundesregierung machte Russland für den versuchten Angriff verantwortlich; Moskau wies die Vorwürfe zurück.