Triathlon Drama-Aus für Lange und Philipps Aufholjagd zum Vize-Titel
Der letzte Hawaii-Auftritt endet für Patrick Lange am Rad-Wendepunkt. Ein Drama-Aus bei der WM. Bei den Frauen sorgt Laura Philipp für eine packende Aufholjagd und macht den WM-Medaillensatz perfekt.
Patrick Lange hielt die Hände vors Gesicht und verabschiedete sich von der Ironman-WM in seinem geliebten Hawaii mit Krämpfen, Schmerzen und Tränen. Laura Philipp schaffte es nach einer packenden Aufholjagd abgekämpft, aber mit einem Lächeln aufs Podest und machte ihren WM-Medaillensatz mit Silber perfekt. „Ich bin extrem glücklich, es fühlt sich fast wie ein Sieg an“, sagte sie im ZDF und hielt dabei einen überdimensionalen Scheck in den Händen.
Denn neben den 65.000 US-Dollar fürs WM-Silber kassiert Philipp noch 200.000 US-Dollar für den Sieg in der Ironman Pro Series. „Das hat sie saustark gemacht“, lobte ihr Trainer und Ehemann Philipp Seipp.
Einmal mehr haben auch die deutschen Stars über die 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen auf Big Island für Dramen und Erfolgsgeschichten gesorgt im ersten gemeinsamen Rennen auf Big Island seit 2019. Lange, der dreimalige Weltmeister musste am Wendepunkt der Radstrecke aussteigen. „Das ist so eines der härtesten DNFs (Did not Finish) in meinem Leben“, sagte er rund drei Stunden nach seinem Aus schon wieder relativ gefasst: Er habe Krämpfe gehabt, die nicht mehr aufgehört hätten.
Als Helfer zurück auf der Strecke
„Wenn die Chance bestanden hätte, hier zu finishen, egal, in welcher Zeit, hätte ich es getan“, sagte Lange - mittlerweile im Helfer-T-Shirt an einer Verpflegungsstation - dem ZDF. „Wenn ich schon nicht die Finish-Line respektieren kann, dann möchte ich wenigstens die Energie zurückgeben hier an der Strecke und denen es ein bisschen leichter machen, die die Finish-Line heute hoffentlich sehen werden.“
Bei den Männern war das als Erster völlig überraschend in im voraussichtlich letzten Rennen seiner Triathlon-Karriere der Franzose Vincent Luis in 7:47:27 Stunden vor Ex-Weltmeister Gustav Iden aus Norwegen und dem US-Amerikaner Matthew Marquardt. Bester Deutscher wurde auf Rang 7 Jonas Schomburg. „Beim Ironman weiß man nie, was kommt“, sagte er.
Dafür, dass eine deutsche Medaillenserie in Hawaii bei einem Rennen von Männern und Frauen seit 2008 hielt, sorgte Laura Philipp. Trotz eines schwachen Auftakts beim Schwimmen schaffte es die 39 Jahre alte Heidelbergerin noch auf den zweiten Platz. Damit ist ihr eigener WM-Medaillensatz auch perfekt: 2023 und 2025 wurde sie in Hawaii Dritte, 2024 hatte sie in Nizza den Titel gewonnen.
Philipp musste sich nur der US-Amerikanerin Taylor Knibb geschlagen geben. Die norwegische Titelverteidigerin Solveig Løvseth torkelte in Führung liegend ein paar hundert Meter dem Ziel nur noch, blieb mehrfach liegen und schien fast benommen. Bilder, die auch schockierten.
Lange stark im Wasser, Philipp mit Problemen
Regen in der Nacht hatte den Pazifik aufgewühlt, es wurde herausfordernd im knapp 28 Grad warmen Wasser. Um 6.20 Uhr erfolgte der Start der Männer durch einen Kanonenschlag. Zehn Minuten später ging es für die Profi-Frauen los. Und für Lange hätte es nicht besser beginnen können. Ganz vorn machten seine Landsmänner Schomburg und Willi Hirsch Tempo. Lange konnte in der Top-Gruppe mithalten. Mit nur 12 Sekunden Rückstand stieg er aus dem Wasser.
Davon konnte Philipp nur träumen. Die Schwimmspätstarterin - lernte es erst mit 24 Jahren - verlor schnell den Anschluss an die Spitze. Dass dort Lucy Charles-Barclay direkt zu finden war, überraschte niemanden. Einst wollte sie fürs Königreich als Schwimmerin zu den Olympischen Spielen, bei Bedingungen wie diesmal war sie erst recht eine Klasse für sich. Als 30. mit über achteinhalb Minuten Rückstand hatte es auch Philipp geschafft.
Langes Drama auf dem Rad, Philipp cool und konstant
Auf nassen Straßen ging es raus aus Kailua-Kona. Vorn machte wie im Wasser Schomburg wieder das Tempo. Er hatte sich im August mit dem Sieg beim Ironman Kalmar für die WM qualifiziert. Lange indes verlor weiter Zeit und blieb sogar stehen. Bei Kilometer 68 und damit fast dort, wo er 2019 ausgestiegen war.
„Es geht nicht mehr“, sagte er zu seinem Coach Benjamin Reszel. Eine Krampfneigung „über die gesamte hintere Kette“, erklärte der Coach im Livestream des ZDF. Schon in Texas in diesem Jahr hatte Lange das zur Aufgabe gezwungen. Er versuchte es in Hawaii noch mal, am Wendepunkt in Hawi nach einem weiteren Stopp bog er rechts statt links ab.
Danach machten die Muskeln auch Schomburg an der Spitze zu schaffen, er musste gehörig Tempo rausnehmen. Die Führung war futsch und nicht nur die: Der Rückstand wuchs auf mehrere Minuten an. Als Erster in die Wechselzone schaffte es der Däne Magnus Ditlev, gefolgt vom französischen Ex-Champion Sam Laidlow.
Bei den Frauen lag mittlerweile Knibb an der Spitze, immerhin zweimalige amerikanische Zeitfahrmeisterin, dahinter fuhr Charles-Barclay. Philipp arbeitete sich durchs Feld und hielt den Rückstand recht konstant bei etwa zehn Minuten. Als Neunte ging sie auf die Laufstrecke.
Die letzten Kräfte beim Laufen
Hawaii kann brutal sein, auch für die Besten der Besten. Laidlow, Weltmeister von 2023 in Nizza, musste nach nur etwa zwei Kilometern beim Laufen aufgeben. Kristian Blummenfelt, Olympiasieger und unter anderem auch Ironman-Weltmeister in St. George, schwanden die Kräfte. Der fast zwei Meter große Ditlev torkelte nur noch an der Spitze und musste Luis und auch den entfesselt rennenden Iden sowie weitere passieren lassen.
Kein Wunder, dass Coach und Philipp Seipp seiner Ehefrau Laura Philipp riet, sie solle Geduld haben. Denn während sie gleichmäßig schnell blieb und irgendwann schon auf Rang vier lag, erwischte es wie vor einem Jahr Charles-Barclay.
Der besondere Zieleinlauf der entthronten Titelverteidigerin
An der Spitze musste sich Knipp, die vor einem Jahr rund zwei Kilometer vor dem Ziel in Führung liegend fast kollabiert und ausgestiegen war, übergeben und wurde von Løvseth überholt. Doch damit nicht genug. Die Norwegerin brach nun ihrerseits regelrecht zusammen, torkelte und lag auf dem Asphalt. Als sie weit nach der Spitze mit einem Lächeln langsam ins Ziel ging, gehörten Knipp und Philipp zu den ersten Gratulantinnen.