Berngau in der Oberpfalz Jäger mit zehn Waffen - Motivsuche beim Schützen von Berngau
Eine Waffenkontrolle bei einem Jäger endet in einer Katastrophe: Zwei Mitarbeiter des Landratsamts sterben, nach Stunden wird der mutmaßliche Schütze überwältigt. Sein Motiv? Völlig unklar.
Bei dem Mann, der zwei Behördenmitarbeiter in der Oberpfalz bei einer Waffenkontrolle getötet haben soll, handelt es sich nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) um einen Jäger und Sportschützen. Das Motiv des mutmaßlichen Schützen sei völlig unklar.
Polizeilich sei der 60-Jährige, der in Berngau im Landkreis Neumarkt südöstlich von Nürnberg einen 45 Jahre alten Mitarbeiter des Landratsamtes und seine 54 Jahre alte Kollegin erschossen haben soll, zuvor nach aktuellem Stand der Ermittlungen nicht bekannt gewesen.
Es gebe auch keine Hinweise auf eine wie auch immer geartete extremistische Gesinnung, sagte Herrmann am Rande eines Termins in Oberschleißheim.
Keine Erkenntnisse bei Staats- und Verfassungsschutz
Weder Staats- noch Verfassungsschutz hätten bisher irgendwelche Erkenntnisse über den Mann. Es werde aber in alle Richtungen ermittelt und unter anderem überprüft, ob es eine Vorgeschichte im Kontakt mit dem Landratsamt Neumarkt in der Oberpfalz gegeben habe, sagte Herrmann. Der Mann besaß laut Waffenregister als Sportschütze und Jäger zehn Waffen legal. Seine Kontrolle erfolgte nach Landratsamtes routinemäßig und ohne Vorankündigung.
Der Mann war festgenommen worden, nachdem er sich stundenlang in einem Haus in Berngau verschanzt hatte. Dabei wurde er schwerer verletzt als zunächst bekannt. Spezialkräfte hätten bei der Festnahme auf ihn geschossen - durch die Schüsse sei dieser schwer verletzt worden, wie die Polizei mitteilte. Zunächst hatten die Beamten von leichten Verletzungen am Bein gesprochen.
Mutmaßlicher Schütze im Krankenhaus
Der 60 Jahre alte Deutsche sei unter polizeilicher Bewachung in ein Krankenhaus gebracht worden. Wann er vernommen werden könne, müsse man noch abwarten, sagte ein Polizeisprecher vor Ort. Der Schütze soll nach seiner medizinischen Behandlung einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden, der dann über die Frage einer Untersuchungshaft oder einer Unterbringung in einer Fachklinik entscheiden würde.
Er hatte nach Polizeiangaben selbst bei der Einsatzzentrale angerufen. „Der Tatverdächtige meldete sich telefonisch bei der Einsatzzentrale. Er gab in den folgenden Gesprächen an, in seiner Wohnung und im Besitz von Schusswaffen zu sein“, schilderte eine Polizei-Sprecherin in der Nacht. Er habe auch zugegeben, geschossen zu haben - und angekündigt, nicht widerstandslos aufgeben zu wollen. Es begann ein Großeinsatz der bayerischen Polizei, der sich bis tief in die Nacht zog.
Am Ort des Geschehens war der Schock groß: „Die Betroffenheit ist enorm“, sagte Berngaus Erster Bürgermeister Thomas Meier der Deutschen Presse-Agentur. „Die Stimmung ist tatsächlich fatal.“ In der Gemeinde mit ihren etwa 2.600 Einwohnern herrsche Unverständnis über die Tat, die Menschen hätten Mitgefühl mit den Angehörigen.
Jährlich mindestens 60.000 Waffenkontrollen in Bayern
Innenminister Herrmann will den Fall mit den bayerischen Landratsämtern besprechen, allerdings fänden jährlich mindestens 60.000 solcher Waffenkontrollen im Freistaat statt, betonte der CSU-Politiker. In den vergangenen Jahren habe es keine derartigen Vorfälle bei solchen Anlässen gegeben.
Anders habe sich die Lage bei den tödlichen Schüssen eines Reichsbürgers auf einen Polizisten in Ansbach dargestellt, betonte Herrmann. Damals sei es um die gezielte Entwaffnung des Mannes gegangen, weshalb auch die Polizei die kommunalen Mitarbeiter begleitet habe. Man werde aber mit den Kreisverwaltungsbehörden die Abläufe bei solchen Kontrollen durchsprechen, sagte Herrmann. Die bisherigen Erkenntnisse würden noch keine Hinweise darauf geben, was man künftig anders machen könne.