Klassik- und Theaterfestival Feinsinniger „Mozart-Fanatiker“: Salzburgs neuer Intendant
Am Anfang stand ein Gratisticket für die Salzburger Festspiele. Jahrzehnte später kehrt der Belgier Peter de Caluwe als Intendant in die Mozartstadt zurück. Wie legt er seine neue Rolle an?
Nach dem turbulenten Abgang des Salzburger Festspiel-Intendanten Markus Hinterhäuser will das renommierte österreichische Festival mit Peter de Caluwe ein neues Kapitel aufschlagen. Der belgische Opernexperte soll ab Herbst 2027 die künstlerische Leitung übernehmen. In seiner ersten Pressekonferenz als designierter Intendant präsentierte er sich als „Mozart-Fanatiker“ und „Harmoniemensch“. Er wolle zuerst den Dialog mit Mitarbeitern und Publikum suchen, bevor er Programmideen präsentiere. De Caluwes Beziehung zu dem renommierten Klassik- und Theaterfestival begann vor mehr als 40 Jahren mit einem unerwarteten Opernbesuch. Als Student sei er damals vor dem Salzburger Festspielhaus gestanden, als ihm plötzlich ein Ticketkontrolleur eine Freikarte für Mozarts „Figaros Hochzeit“ in die Hand gedrückt habe, erzählte er. Erstmals habe er Sängerinnen und Sänger live erlebt, die er zuvor nur von Schallplatten gekannt habe.
Kultur für alle statt Exklusiv-Festival
„Salzburg war und ist für mich ein Ort, an dem etwas Außergewöhnliches möglich wird“, sagte der frühere langjährige Chef der Brüsseler Oper La Monnaie. Er stehe nicht für Exklusivität, sondern wolle neue Publikumsschichten ansprechen, ohne das künstlerische Top-Niveau zu senken, sagte de Caluwe. Trotz vieler günstiger Tickets gilt Salzburg wegen seiner bis zu 485 Euro teuren Karten und wegen seiner gut betuchten Premierengäste als exklusives Festival. Die Kommunistische Partei, die Teil der Salzburger Stadtregierung ist, veröffentlichte im Sommer eine Umfrage, wonach etwa die Hälfte der lokalen Bevölkerung noch nie bei den Festspielen war.
Die nach dem Ersten Weltkrieg gegründeten Salzburger Festspiele seien ein „europäischer Ort“, sagte Caluwe. „Und gerade in einer Demokratie brauchen wir Orte, an denen unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden“, meinte er. Der Kulturmanager will außerdem die Grenzen zwischen Opern-, Konzert- und Theaterproduktionen aufbrechen. Dafür werde er sich mit Fachleuten aus den einzelnen Sparten umgeben. „Ich kann das nicht alleine“, sagte er.
Vorgänger Hinterhäuser ging im Streit
Dieser kooperative Ansatz steht im Gegensatz zu Markus Hinterhäuser, der mit seinem selbstbewussten Führungsstil angeeckt war. Im Streit mit dem Festspielkuratorium - den Vertretern der öffentlichen Geldgeber - musste er im März trotz seiner künstlerischen und wirtschaftlichen Erfolge den Chefposten räumen. Für die Festspielsommer 2026 und 2027 zeichnet die Deutsche Karin Bergmann als Übergangs-Intendantin verantwortlich.
De Caluwe begann seine Opernkarriere in den 80er Jahren als Dramaturg an der La Monnaie und wechselte dann an die Nationale Oper in Amsterdam. Von 2007 bis 2025 leitete er La Monnaie. Unter seiner Führung wurde das Brüsseler Haus zweimal von Fachzeitschriften zur Oper des Jahres gekürt.
Prominente Gegenkandidaten
Im Bewerbungsprozess für Salzburg setzte er sich letztlich gegen Barrie Kosky, den Ex-Intendanten der Komischen Oper Berlin durch sowie gegen Sophie de Lint, die Intendantin der Nationalen Oper in Amsterdam. Kosky und de Lint waren fast bis zuletzt als Doppelspitze für die Festspiele in der Auswahl, wie Salzburgs Landeshauptfrau (Ministerpräsidentin) Karoline Edtstadler berichtete.
De Caluwe sei bestens vernetzt und gelte laut einem Mitglied der Auswahljury als „einer der feinsinnigsten Intendanten, die Europa hat“, sagte die konservative Politikerin. Außerdem lobte sie sein Verständnis für wirtschaftliche Belange.
Denn de Caluwe und die Festspiele stehen vor enormen finanziellen und organisatorischen Herausforderungen: 519 Millionen Euro soll der geplante Ausbau der Festspiel-Infrastruktur in den kommenden Jahren kommen. Zudem drängt die Zeit. Denn noch gibt es keine Ersatzbühne für das Große Festspielhaus, das in den Festival-Sommern 2029 und 2030 saniert wird.