Formel-1-Titelkampf Zermürbte Verfolger geben auf: Wann krönt sich Antonelli?

Jens Marx, dpa
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Von Jens Marx, dpa
| 14.09.2026 09:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im Jubeln kennt sich Antonelli mittlerweile schon gut aus - es war sein achter Saisonsieg. Foto: David Davies
Im Jubeln kennt sich Antonelli mittlerweile schon gut aus - es war sein achter Saisonsieg. Foto: David Davies
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Nun hat er auch den nächsten zur Verzweiflung gebracht. George Russell gibt sich geschlagen im Kampf um die Formel-1-WM. Erst Lewis Hamilton, nun er: Kimi Antonelli muss es „nur“ noch vollenden.

Binnen acht Tagen hat Kimi Antonelli seine letzten WM-Verfolger endgültig zermürbt. Mit seiner verblüffenden Dominanz in seinem zweiten Formel-1-Jahr treibt Kimi Antonelli die Rivalen um den Titel zur Verzweiflung. „Realistisch gesehen bin ich nicht im Rennen um den Fahrertitel“, gab nun nach dem Sieg des 20 Jahre alten italienischen Fahrer-Wunders sein Mercedes-Teamkollege George Russell zu Protokoll. 

81 Punkte liegt der vor der Saison als Titelfavorit gehandelte Brite hinter Antonelli - mehr als drei Siege, für die es 75 Zähler geben würde. Lewis Hamilton, von den Bremsen seines Ferraris auf dem neuen Kurs in Madrid im Stich gelassen, liegt als WM-Dritter 101 Punkte hinter Antonelli - mehr als vier Siege.

Die Rechnerei, wann Antonelli den WM-Titel perfekt machen kann, hat längst begonnen. Zweifel daran, dass er über 70 Jahre nach Guiseppe Farina und Alberto Ascari der dritte Italiener auf dem WM-Thron sein wird, hat eigentlich niemand mehr. 

Der Antonelli-Effekt

„Jedes Mal, wenn hinter dem Vorhang ein Schimmer, ein Lichtstrahl aufblitzt, zieht Kimi Antonelli die Rollläden zu, und die Chancen auf einen Kampf um die Weltmeisterschaft sind wieder dahin“, schrieb die britische „Daily Mail“. Denn Antonelli siegte, obwohl ein anderer an diesem Tag besser war. „Es ist gut zu gewinnen, aber es fühlt sich nicht so gut an, denn ich denke, dass Lando (Norris) den Sieg verdient hatte“, betonte Antonelli selbst nach seinem achten Erfolg in diesem Jahr. 

Es ging um wenige Meter und ein paar Sekunden, als eine virtuelle Safety-Car-Phase den Zeitverlust beim Reifenwechsel minimierte. Bei Antonelli passte alles perfekt, bei Norris, der wie der sichere Sieger schien, gar nichts. „Wir haben das ganze Jahr über überhaupt kein Glück mit VSCs und Safety Cars gehabt, die sind immer ungelegen gekommen“, betonte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Diesmal hätten sie davon „unheimlich profitiert“. Aber nicht zuletzt auch wegen des Speeds von Antonelli. „Er war fehlerfrei - fast fehlerfrei. Am Ende hat er noch die Wand geküsst, das geht immer ein bisschen auf meine Nerven, aber es ist okay“, erklärte Wolff.

Eine Dominanz, die an Serien-Champions erinnert 

Antonellis hat in diesem Jahr mehr als die Hälfte der Rennen gewonnen. Eine beeindruckende und für die Konkurrenz erdrückende Bilanz, die an einstige Glanzzeiten eines Michael Schumachers bei Ferrari, Sebastian Vettel im Red Bull, Lewis Hamilton im Mercedes oder Max Verstappen im Red Bull erinnert. Alles Serien-Weltmeister.

Der WM-Kampf für Lewis Hamilton - abgehakt. Foto: David Davies
Der WM-Kampf für Lewis Hamilton - abgehakt. Foto: David Davies

Hamilton, von dem Antonelli das Cockpit bei den Silberpfeilen bekommen hatte, gab den WM-Kampf schon in Monza auf. Auch da hatte Antonelli gewonnen, der Rekordchampion war im Ferrari nur Sechster geworden. Auf dem Madring schied Hamilton nach ein paar Runden wegen eines ominösen Problems mit der Bremse aus. 

Antonelli bleibt defensiv: „Du weißt nie, was passiert“

Was macht es mit dem jungen Antonelli, wenn der Titel so auf dem Silbertablett liegt? „Natürlich habe ich einen großen Vorsprung, aber du weißt nie, was passiert.“ An den WM-Kampf wolle er nicht denken, betonte Antonelli. Eine gern bemühte Floskel in solch einem Stadium einer sich anbahnenden großen sportlichen Entscheidung. Die „Gazzetta dello Sport“ taufte Antonelli bereits „König Antonelli I., Kaiser von Madring“ und berichtete, dass die Wett-Quoten auf den WM-Triumph von Antonelli nach dem Spanien-Sieg buchstäblich eingebrochen seien. 

Neun Grand Prix stehen nur noch an - wobei weiterhin unklar ist, ob die beiden letzten in Katar und Abu Dhabi wegen des Iran-Kriegs wie geplant stattfinden. Als vorrangige Alternative gilt Imola - rund 70 Kilometer von Antonellis Heimat Bologna. Was wäre das für eine Krönung! Rechnerisch kann es allerdings schon deutlich früher passieren. 

Entscheidung in den USA, Mexiko oder Brasilien?

Frühestens in Singapur, wo es auch noch acht Punkte für das zusätzliche Sprintrennen gibt. Dafür müsste Antonelli nun alle nachfolgenden drei Grand Prix gewinnen und die Verfolger leer ausgehen. Naheliegender ist eine Entscheidung danach in Austin, Mexiko-Stadt oder São Paulo.

„Ich finde es cool zu sehen, wie jemand, der so jung ist, so eine unglaubliche Leistung zeigt und höchstwahrscheinlich die Meisterschaft gewinnen wird“, betonte Titelverteidiger Norris nach dem Rennen in Madrid. Antonelli sei „ziemlich phänomenal. Er hat seit dem ersten Rennen in diesem Jahr beeindruckt“.

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