Klimakrise UN: Anstieg über 1,5 Grad so kurz wie möglich halten

dpa
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Von dpa
| 02.09.2026 06:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der weltweite Temeraturanstieg könnte schon in wenigen Jahren eine kritische Marke überschreiten. (Archivbild) Foto: Thomas Warnack/dpa
Der weltweite Temeraturanstieg könnte schon in wenigen Jahren eine kritische Marke überschreiten. (Archivbild) Foto: Thomas Warnack/dpa
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Die menschengemachte Erderwärmung wird sich nicht auf 1,5 Grad begrenzen lassen, macht ein Bericht klar. Wichtig sei nun, die Chance auf nur kurzfristiges Überschreiten zu nutzen - und zwar sofort.

Auf ein inzwischen unvermeidliches Übersteigen der 1,5-Grad-Marke in der Klimakrise muss dem UN-Umweltprogramm (Unep) zufolge eine möglichst rasche Rückkehr unter diesen Wert folgen. Risiken und Auswirkungen verstärkten sich mit jedem Bruchteil eines Grades und mit jedem Jahr, warnen die Experten im Bericht „Limiting Overshoot“ (Überschreiten begrenzen). „Die sengende Hitze, die verheerenden Waldbrände und die tödlichen Überschwemmungen dieses Sommers sind eine Warnung vor dem, was uns bevorsteht“, betonte UN-Generalsekretär António Guterres.

Der Bericht nennt einen Pfad aus „Überschreiten, Höhepunkt und Rückgang“ als die beste verbleibende Option. „Wir müssen die Überschreitung so gering und so kurz wie möglich halten – indem wir begrenzen, wie stark die Temperaturen ansteigen und wie lange sie über 1,5 Grad bleiben.“, sagte Guterres. „Jetzt ist es an der Zeit, unsere Klimaschutzbemühungen zu verstärken - und nicht, sie aufzugeben“, betonte Unep-Exekutivdirektorin Inger Andersen bei der Vorstellung des Berichts in Nairobi.

Aktuell auf dem Weg zu 2,6 Grad mehr

Aktuell befindet sich die Welt dem Bericht zufolge auf einem Weg, der zu etwa 2,6 Grad Temperaturanstieg im Vergleich zur vorindustriellen Zeit führen würde. Vieles deute darauf hin, dass die 1,5-Grad-Grenze bereits in den kommenden Jahren dauerhaft überschritten werde. Im optimistischsten Szenario, wenn sehr schnell und umfassend reagiert würde, könne der Höchstwert auf 1,8 Grad über dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden, sagte Debra Roberts, eine der Autorinnen des Berichts. 

Gletscherschmelze durch globale Erwärmung findet schon jetzt statt (Archivbild) Foto: Angelika Warmuth
Gletscherschmelze durch globale Erwärmung findet schon jetzt statt (Archivbild) Foto: Angelika Warmuth

Zu den dafür nötigen Maßnahmen zählen Guterres zufolge ein beschleunigter Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und der Ausbau erneuerbarer Energien, eine drastische Reduzierung der Methanemissionen und der Schutz von Land, Wäldern und Ozeanen. Einen wesentlichen Bestandteil des Maßnahmenmixes sehen die Autoren zudem in sorgfältig gesteuerter Kohlendioxid-Entfernung aus der Luft und dessen Speicherung durch Aufforstung oder andere Mittel.

Nicht jede Auswirkung wird umkehrbar sein

„Es wird keine guten Ergebnisse geben, wenn wir über 1,5 Grad bleiben“, warnte Andersen. Einige Auswirkungen könnten abrupt auftreten, während andere sich im Laufe der Zeit verstärkten. Nicht jede sei reversibel, heißt es im Bericht - Regierungen hätten daher tiefgreifende Anpassungsmaßnahmen umzusetzen. „Die Anpassung darf nicht hinter der Eindämmung zurückstehen: Beides muss jetzt umgesetzt werden, insbesondere dort, wo die Gefährdung am größten ist“, betonte Mitautorin Shobha Maharaj von der Universität von Fidschi.

Der Hitzesommer 2026 zeigte bereits die Auswirkungen starker Erwärmung. (Archivbild) Foto: Boris Roessler
Der Hitzesommer 2026 zeigte bereits die Auswirkungen starker Erwärmung. (Archivbild) Foto: Boris Roessler

Zu den zu erwartenden Folgen zählen Unep zufolge verstärkte Extremwetterereignisse, der Verlust von Ökosystemen und die Überflutung kleiner Insel-Entwicklungsländer und tiefliegender Küstenstädte. Schwere Schäden für die menschliche Gesundheit, die Ernährungssicherheit, die Wasserversorgung, die Natur, Städte, Infrastruktur und Wirtschaft seien zu erwarten.

Verlust von Leben, Existenzen und vielem mehr

„Die Folgen unzureichender Maßnahmen werden bereits deutlich: die zunehmende Zahl von Katastrophen, von denen wir in den Nachrichten hören, der Verlust von Menschenleben, Existenzgrundlagen, Häusern und so vielem mehr“, warnte Maharaj. Es bestehe die Gefahr, dass die Menschheit nicht direkt und umfassend, sondern von Krise zu Krise reagiere. Der Aufbau von Anpassungsmaßnahmen dauere aber Jahrzehnte. Pläne müssten darum jetzt sofort, noch vor weiteren Auswirkungen, entworfen und umgesetzt werden. „Reaktive Ausgaben entziehen den Bereichen Klimaschutz und Anpassung Ressourcen, vertiefen den Overshoot und schüren die nächste Krise.“ 

Die Frage sei: „Werden wir handeln? Oder werden wir die sich abzeichnende Gefahr noch verschärfen, indem wir das Problem weiter vor uns herschieben?“ Mitautor Carl Schleußner von der Humboldt-Universität Berlin sagte: „Die Extreme dieses Sommers, bei noch nicht einmal 1,5 Grad, zeigen, was auf dem Spiel steht.“ Andersen betonte: „Wir können - und müssen - den richtigen Weg einschlagen.“ Mitautor Andy Reisinger von der Australian National University sagte, es sei eindeutig klar, was nötig ist. „Lassen wir uns diese Chance nicht auch noch entgehen.“

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