Naturkatastrophen Neue Flutgefahr im Himalaya - Direktor als Retter gefeiert

Johannes Neudecker, Deepak Adkihari, Roshan Sedhai und Dirk Godder, dpa
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Von Johannes Neudecker, Deepak Adkihari, Roshan Sedhai und Dirk Godder, dpa
| 30.08.2026 03:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Viele Menschen haben durch die Flut alles verloren. Foto: Niranjan Shrestha
Viele Menschen haben durch die Flut alles verloren. Foto: Niranjan Shrestha
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Die Zahl der Toten nach der Flut steigt weiter, mehr als 3.000 Menschen gelten als vermisst – darunter auch Deutsche. Einem Schuldirektor gelang eine fast wundersame Rettung.

Die Rettungsarbeiten im Katastrophengebiet zwischen Nepal und China werden erneut durch Flutwarnungen, Erdrutsche und einem neu entstandenen See beeinträchtigt. Wie der chinesische Katastrophenschutz berichtete, wurde der See flussaufwärts des Grenzübergangs Gyirong im Südwesten Tibets entdeckt. Dort konzentrieren sich die chinesischen Sucharbeiten. Der See hat sich infolge der Sturzflut vom Mittwoch gebildet. 

Nach Angaben der Behörde war es an einem Fluss, der auf Hochchinesisch Purepuqiang-Zangbu heißt, zuvor zu einem Erdrutsch gekommen, woraufhin sich das Wasser staute. Rettungskräfte brachten sich nach der Entdeckung des Sees in Sicherheit, wie es am Sonntag hieß. 

Auf ähnliche Weise hatte sich vor zwei Tagen ein See in dem Gebiet angestaut. Experten hatten befürchtet, dass der Damm aus Schlamm und Geröll den Wassermassen nicht standhalten und eine neue Flut das Tal hinunterstürzten könnte - das Wasser floss dann aber gefahrlos ab. 

Schuldirektor rettete rund 900 Schülerinnen und Schüler

Ein geistesgegenwärtiger Schulleiter in Nepal hat durch eine sofortige Evakuierung rund 900 Schülerinnen und Schülern das Leben gerettet. Zudem konnte er Schulbusse mit Hunderten weiteren Kindern auf dem Weg zur Schule rechtzeitig umdirigieren. „Ich erfuhr durch Anrufe von der Flutwelle etwa 15 Minuten, bevor sie unsere Schule tatsächlich traf“, sagte Rajenda Dawadi, Leiter der Sekundarschule in dem Ort Trishuli Baraar der Deutschen Presse-Agentur. Zunächst hatten die BBC und die britische Zeitung „Daily Mail“ von der Rettung berichtet.

„Ich sagte mir: Wenn es keine Flut gibt, verlieren wir einen Schultag. Aber wenn es eine Flut gibt, verlieren wir alle unser Leben“, erzählte Dawadi. Die 900 Kinder in der Schule flüchteten demnach zu Fuß und einige mit einem Bus. Kurzzeitig sei Panik ausgebrochen. Eine in Ohnmacht gefallene Schülerin wurde mit einem Moped in Sicherheit gebracht. „Hätten wir die Entscheidung zur Flucht zehn Minuten später getroffen, könnten wir alle - einschließlich der Schüler und mir - heute nicht mehr mit Ihnen sprechen“, zitierte die BBC den Schulleiter. 

Eine der geretteten Schülerinnen, die 16-jährige Yunisha, erzählte dem Sender, sie hätten sich nur Sekunden vor dem Hereinbrechen der Flutwelle in Sicherheit bringen können. Mit anderen sei sie einen schlammigen Weg hinter der Schule bergauf gerannt, als der Ort hinter ihr schon durch die Wasser- und Geröllmassen zerstört wurde. Vom Schulgebäude blieb fast nichts übrig. Ein Lehrer und der Hausmeister, der noch schnell die Türen schließen wollte, kamen ums Leben.

Deutsche in Tibet vermisst 

Die Zahl der Toten steigt jedoch unaufhörlich. In Nepal wurden nach jüngsten Angaben der Polizei 788 Leichen entdeckt. Die Katastrophenschutzbehörde sprach von 781 Toten. China gab die Zahl der Toten in Tibet weiter mit 16 an, womit die Gesamtzahl auf rund 800 stieg. Mehr als 3.000 Menschen werden auf beiden Seiten insgesamt noch vermisst, darunter Hunderte Ausländer. 

Die Zahl der Toten steigt immer weiter. Foto: Rajesh Kumar Singh
Die Zahl der Toten steigt immer weiter. Foto: Rajesh Kumar Singh

Erstmals seit der Flutkatastrophe nannten die Behörden in Tibet die Herkunftsländer der zuvor 261 als vermisst gemeldeten Ausländer. Darunter sind auch drei Deutsche. Nepals Tourismusbehörde hatte acht Deutsche als vermisst registriert. Unklar ist jedoch, ob es möglicherweise Dopplungen gibt, denn einige Deutsche hatten sich am Mittwoch zum Zeitpunkt der Sturzflut mit nepalesischen Reiseveranstaltern am Grenzposten Gyirong in Tibet befunden. 

Eine vierköpfige Familie aus Deutschland hatte die Armee bereits per Hubschrauber in Sicherheit gebracht. Das Auswärtige Amt erklärte am Sonntag auf Nachfrage, die Botschaften in Peking und Kathmandu arbeiteten weiter an der „Sachverhaltsaufklärung“. Weitere Angaben machte die Behörde nicht. 

Flutwarnungen in Nepal

Mit Hochdruck arbeiten die Rettungskräfte in Tibet und Nepal weiter an der Bergung. Immer wieder verschickten die nepalesischen Behörden Flutwarnungen über den Mobilfunk. Darin riefen sie die Menschen in den betroffenen Gebieten auf, wachsam zu bleiben und sich nicht in der Nähe von Flüssen aufzuhalten. Ein Augenzeuge berichtete von vielen Menschen in der Region Battar im Bezirk Nuwakot, die Berge hinaufliefen, um an sichere Orte zu gelangen. 

An vielen Orten richtete die Flut enorme Zerstörung an. Foto: Niranjan Shrestha
An vielen Orten richtete die Flut enorme Zerstörung an. Foto: Niranjan Shrestha

97-Jährige nach Tagen gerettet

Währenddessen schwindet die Hoffnung, noch Überlebende zu finden. Und dennoch: Auf schier wundersame Weise hatten die Helfer in Nepal am Samstag eine 97 Jahre alte Frau aus den Trümmern eines Altenheims lebend gerettet. In einer Baggerschaufel fuhren Retter die Frau in Tupche an einen sicheren Ort. „Als meine Großmutter hinausgehoben und auf den Bagger gesetzt wurde, lachte sie, als wäre sie eine Kriegerin, die siegreich aus dem Krieg zurückgekehrt sei“, sagte ihr Großneffe der britischen BBC. 

Schicksal von Menschen in Tunnel unklar

Weiter unklar ist das Schicksal Hunderter vermisster Arbeiter an Staudammprojekten in Nepal. An einem der Wasserkraftwerke vermuteten die Behörden mögliche Opfer, die sich in einen Tunnel gerettet hatten. Für die komplizierte Such- und Bergungsoperation flogen mittlerweile Spezialtrupps aus Indien und China ein, um die Rettungsarbeiten zu unterstützen. 

Spezialteams aus China und Indien wollen in Nepal an einem Tunnel nach Opfern suchen. Foto: Lhasa fire
Spezialteams aus China und Indien wollen in Nepal an einem Tunnel nach Opfern suchen. Foto: Lhasa fire

Am Sonntag gelang den Rettungskräften an dem Kraftwerk Upper Trishuli 3A, einen Zugang zu graben, wie ein Video in den sozialen Medien zeigte. Probleme bereitete jedoch laut offiziellen Angaben eine Flutwelle und ein damit steigender Wasserstand im Trishuli-Fluss von fünf bis zehn Metern. 

Durch den Schlamm war vielerorts kaum ein Durchkommen möglich. Foto: Dirk Godder
Durch den Schlamm war vielerorts kaum ein Durchkommen möglich. Foto: Dirk Godder

Sorge vor Engpässen

Nepals Außenminister Shishir Khanal hatte neben Hilfe in der Rettungs- und Hilfsphase auch Unterstützung beim Wiederaufbau erbeten. Die USA sagten Hilfslieferungen in Höhe von 3,6 Millionen US-Dollar zu (etwa 3,1 Millionen Euro). Darin enthalten sei bis zu drei Monate lang Nahrungsmittelhilfe für bis zu 10.000 von der Flut betroffenen Haushalte, schrieb das US-Außenministerium auf der Online-Plattform X. Ein Erdrutsch an einer Autobahn zwischen Kathmandu und Südnepal könnte unterdessen Hilfslieferungen in das Katastrophengebiet erschweren.

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