Familienalltag am Esstisch Ein Tisch, vier Meinungen und bitte kein Gemüse
Familienessen sind nicht immer entspannt. Zwischen Gemüse-Diskussionen und Handy-Verbot bleibt aber vor allem eines - die wertvolle gemeinsame Zeit.
„Was gibt’s zu essen?“ – kaum eine Frage hören Eltern häufiger. Und kaum ein Thema sorgt am Familientisch für so viele Diskussionen: Das Gemüse wird aussortiert, einer möchte lieber Nudeln, der andere hat eigentlich gar keinen Hunger. Und warum liegt das Handy schon wieder neben dem Teller?
Familienessen können ganz schön anstrengend sein. Gleichzeitig sind sie für Kinder und Jugendliche mehr als eine tägliche Mahlzeit. Gemeinsam am Tisch zu sitzen, miteinander zu reden und regelmäßig ausgewogen zu essen, kann sich positiv auf die Ernährung und das Familienleben auswirken.
Zwischen Terminen, Hunger und Gemüse
Früher war es in vielen Familien selbstverständlich. Alle sitzen gemeinsam am Tisch, essen das, was auf den Tisch kommt, und erzählen sich vom Tag. Heute ist das oft schwieriger. Schule, Arbeit, Sport, Freunde und unterschiedliche Tagesrhythmen machen feste Essenszeiten zur Herausforderung.
Trotzdem muss es nicht jeden Tag das gemeinsame Drei-Gänge-Abendessen sein. Auch ein paar gemeinsame Mahlzeiten in der Woche können wertvolle Familienzeit sein.
Und die hat einen durchaus positiven Nebeneffekt, denn wer regelmäßig gemeinsam isst, ernährt sich häufig ausgewogener. Zuhause landen eher Gemüse, Obst und andere frische Lebensmittel auf dem Teller, während Fast Food und Snacks nicht automatisch die Hauptrolle übernehmen.
Gemeinsam essen heißt auch einfach mal kurz innehalten. Wie war der Tag? Was ist morgen geplant? Was hat in der Schule für Aufregung gesorgt?
Oft entstehen genau diese Gespräche, wenn niemand sie geplant hat. Der Familientisch wird damit zu einem festen Punkt im Alltag.
Natürlich klappt das nicht immer. Ein Kind zappelt, das andere erzählt gerade zum dritten Mal von seinem Lieblingsspiel und irgendwo klingelt ein Smartphone.
Ein paar einfache Regeln können trotzdem helfen. Beispielsweise bleiben Smartphones während des Essen aus, eder darf ausreden und niemand muss aufessen, was er nicht mag. Je weniger aus dem Essen ein Machtkampf wird, desto entspannter bleibt die gemeinsame Zeit.
Kaum etwas kennen Eltern besser als diesen Satz. Besonders bei unbekannten Lebensmitteln kann die Begeisterung überschaubar sein. Heute wird der Spinat noch misstrauisch beäugt, ein paar Wochen später darf es plötzlich gerne etwas mehr sein.
Kinder brauchen manchmal etwas Zeit, um neue Geschmäcker kennenzulernen. Zwingen sollte man sie deshalb lieber nicht. Aber immer wieder anbieten, gemeinsam einkaufen und beim Zubereiten helfen lassen – das kann die Neugier wecken.
Was Kinder von ihren Eltern lernen
Kinder beobachten, was ihre Eltern tun. Wer selbst mit am Tisch sitzt, in Ruhe isst und nicht ständig aufs Smartphone schaut, gibt damit bereits ein Beispiel. Das gilt auch für den Umgang mit Lebensmitteln.
Familienessen müssen also weder perfekt organisiert noch jeden Abend konfliktfrei sein. Es geht vielmehr darum, gemeinsam Zeit zu verbringen, Essen bewusst wahrzunehmen und Kindern einen Rahmen zu geben, in dem sie gesundes Essverhalten kennenlernen können.
Denn manchmal ist ein gemeinsames Abendessen genau das: ein bisschen chaotisch, ein bisschen laut – und trotzdem wertvolle Familienzeit.