Landwirtschaft Bauernverband befürchtet teils totalen Ernteausfall
Die lange Dürre trifft Weizen, Mais, Kartoffeln – und schlägt damit hart auf die Ernte der Landwirte durch. Die Branche fordert Millionenhilfen wegen einer „brutal angespannten“ wirtschaftlichen Lage.
Die Landwirte machen sich wegen der anhaltenden Trockenheit in diesem Sommer auf erhebliche Einbußen bei der Ernte gefasst - teils drohen sogar Totalausfälle. „Wir gehen von einer unterdurchschnittlichen Ernte bei Getreide, hier insbesondere beim Weizen, und bei Raps aus“, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Größere Schäden zeigen sich demnach vor allem in Süddeutschland. Der Bauernverband forderte wegen der angespannten Situation vieler Höfe erneut Soforthilfen der Politik.
„Für die Herbstkulturen zeichnet sich in der Tendenz ab, dass wir auch hier mit erheblichen Ertragseinbußen rechnen müssen“, sagte Rukwied. Das gelte für Kartoffeln, Gemüse, Zuckerrüben, Körnermais und Sojabohnen. „In südlichen Teilen Deutschlands könnte das bis zum totalen Ertragsausfall gehen.“
Etwas besser ist es demnach in nördlichen Regionen, wo es immer wieder etwas geregnet hat. Dort sähen die Bestände noch akzeptabel aus, sagte Rukwied. In der Tendenz werde es aber auch da unterdurchschnittliche Ernten geben.
Nur wenig Regen: „Das verpufft“
„Bei uns hat es im Juli elf Millimeter geregnet, im August bisher acht“, sagte der Verbandspräsident, der einen Betrieb in Baden-Württemberg hat. „Das größte Regenereignis im Juli brachte drei oder vier Millimeter. Das verpufft.“
Vor allem in Süddeutschland werde es gerade zum Problem, dass kein Futter mehr nachwachse, sagte er mit Blick auf Gras und Heu von Wiesen. Vereinzelt gehen Höfe im Süden deswegen dazu über, Tiere früher als geplant zu schlachten.
Eine genauere Bilanz der Ernte 2026 will der Bauernverband am kommenden Dienstag vorstellen. Nach einer bereits vorgelegten Schätzung des Deutschen Raiffeisenverbands zeichnet sich eine deutlich kleinere Getreideernte ab: Die Menge dürfte demnach auf 40,6 Millionen Tonnen sinken - nach 45 Millionen Tonnen 2025.
Allein in der Hitze- und Dürreperiode Mitte Juni seien rund drei Millionen Tonnen Getreide und Raps verloren gegangen, ermittelte der Verband als Vertretung von 1.600 Genossenschaftsunternehmen im Agrarhandel und in der Verarbeitung. Dies bedeute Einnahmeverluste von 600 Millionen Euro.
Kaum künstliche Bewässerung
Zu mehr künstlicher Bewässerung äußerte sich Rukwied zurückhaltend. „Beregnet werden können in Deutschland in etwa drei Prozent der Fläche“, sagte er im TV-Sender Phoenix. Das rechne sich nur bei Obst und Gemüse. Nachdenken könne man über optimierte Methoden - etwa, im Winter Wasser zu sammeln, das dann im Sommer zur Beregnung eingesetzt werde. Wichtig sei zudem, schnell widerstandsfähigere Pflanzensorten auch gegen Hitze zu erhalten.
Rukwied sagte, finanzielle Belastungen für die gesamte Branche seien immens. „Ich kenne Kollegen, die ihre Pflanzenschutz- und Düngemittelrechnungen nicht mehr bezahlen können und zur Bank gehen müssen.“ Die Nachfrage nach Liquiditäts- und Überbrückungsdarlehen sei hoch. „Die ökonomische Situation der Landwirtschaft ist brutal angespannt.“ Einerseits gebe es hohe Kosten bei Betriebsmitteln und auf der anderen Seite niedrige Preise für Produkte.
Verband fordert Millionenhilfen
Der Bauernpräsident forderte schnelle Hilfen für die Branche - etwa, von der EU geplante Düngemittelbeihilfen von 60 Millionen Euro national auf 180 Millionen Euro aufzustocken. Bei den Direktzahlungen der EU-Agrarfinanzierung sollten 80 Prozent von Dezember auf Oktober vorgezogen werden. Zudem brauche es eine Senkung der Dieselsteuern bis Ende November. Zu Jahresbeginn waren für die Landwirtschaft nach Gesetzen der Koalition bereits Steuerentlastungen beim Agrardiesel und bei den Stromkosten in Kraft getreten.
Die Linke-Agrarpolitikerin Ina Latendorf warnte: „Die Klimakrise frisst sich durch die deutschen Äcker.“ Wer durch klimabedingte Ernteverluste in existenzielle Notlage gerate, dürfe nicht alleingelassen werden. „Dafür braucht es einen Krisenfonds. Gleichzeitig müssen wir die Landwirtschaft krisenfester machen.“
Grünen-Fraktionsvize Julia Verlinden sagte, neben Fragen nach Akuthilfen müssten auch Maßnahmen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft auf den Weg gebracht werden. Ihre Leistungsfähigkeit in Zeiten der Klimakrise entscheide sich an intakten Böden. Wenn Agrarminister Alois Rainer es mit dem Schutz der Branche vor Dürre und Hitze ernst meine, würde er ein Programm „klimafeste Böden“ zur besseren Wasseraufnahme und Wasserspeicherfähigkeit starten.
Minister sieht „ernsthafte Belastung“
Der CSU-Politiker hatte bereits davon gesprochen, dass sich die Trockenheit zu einer „ernsthaften Belastung“ entwickele. „Wir lassen die betroffenen Betriebe mit ihren Sorgen nicht allein“, sagte er.
Für Hilfszahlungen bei Extremwetter wie Trockenheit sind die Länder zuständig, wie das Ministerium erläuterte. Voraussetzung für eine Beteiligung des Bundes ist eine Einstufung als „Ereignis von nationalem Ausmaß“. Maßgeblich dafür sei die Gesamtbewertung der Schäden und wirtschaftlichen Auswirkungen. Das Ausmaß werde erst Ende August nach der Ernte belastbar zu bewerten sein.