Leichtathletik EM-Abschluss mit Mihambo: Ist der dritte Titel drin?

Robert Semmler, Christian Kunz und Christian Johner, dpa
|
Von Robert Semmler, Christian Kunz und Christian Johner, dpa
| 13.08.2026 09:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Malaika Mihambo ist zum Abschluss der EM in Birmingham gefordert. (Archivbild) Foto: Robert Michael
Malaika Mihambo ist zum Abschluss der EM in Birmingham gefordert. (Archivbild) Foto: Robert Michael
Artikel teilen:

Zehn Jahre nach ihrer ersten internationalen Medaille kann Malaika Mihambo wieder einmal einen fulminanten Schlusspunkt unter eine Meisterschaft setzen. Wie ist sie für die EM in Form?

Das seltene Gefühl einer Niederlage in Deutschland ist für Malaika Mihambo genau der richtige Ansporn, es bei den Leichtathletik-Europameisterschaften besser zu machen. Die dominierende deutsche Weitspringerin des vergangenen Jahrzehnts ist in Birmingham wieder einmal zum Abschluss am Wochenende gefordert. Vor zwei Jahren in Rom sorgte Mihambo auf den letzten Drücker für den einzigen deutschen Titel bei der EM.

Platz zwei bei den deutschen Meisterschaften in Bochum Ende Juli hinter Mikaelle Assani lösten in Mihambo dieses nagende Gefühl aus, das sie nun in den nächsten Erfolg umwandeln möchte. Zunächst steht am Samstag um 12.50 Uhr deutscher Zeit (ZDF und Eurosport) die Qualifikation an. „Ich habe oft erlebt, dass ich nach einer nicht ganz gelungenen Generalprobe beim Saisonhöhepunkt besonders gute Leistungen abrufen konnte. Auch wenn es dafür keine Garantie gibt“, sagte die 32-Jährige in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Erfolge trotz gesundheitlicher Probleme

Was hat Mihambo in den vergangenen zehn Jahren nicht alles gewonnen auf internationaler Ebene: Platz vier bei der EM 2014 in Zürich folgte zwei Jahre später in Amsterdam EM-Bronze und damit die erste Plakette bei einer großen Meisterschaft. Wenig später belegte sie bei Olympia 2016 in Rio Rang vier. Mittlerweile ist Mihambo Olympiasiegerin, Olympia-Zweite, zweimalige Weltmeisterin, zweimalige Europameisterin, WM- und EM-Zweite.

Und nicht immer war sie dabei gesundheitlich in bester Verfassung. Vor der EM 2022 in München und Olympia in Paris 2024 schwächten sie Corona-Infektionen. Beide Male gab es Silber. Unvergessen bleibt, wie Helfer sie in einem Rollstuhl aus dem Stade de France schoben, weil Mihambo plötzlich keine Luft mehr bekam.

„Mensch, der anderen Menschen ein Vorbild ist“

„Ich habe bislang eine außerordentliche Karriere gehabt“, sagte Mihambo. „Der Blick zurück macht mich glücklich - und der Blick nach vorne auch, weil noch über zwei Jahre vor mir liegen. Es ist schön zu sehen, wie man als Mensch in seiner Karriere gewachsen ist.“ Bleiben soll von ihr nach der Karriere „der Mensch, der anderen Menschen ein Vorbild ist“.

Auch bei der WM im vorigen Jahr stand Malaika Mihambo auf dem Podium. (Archivbild) Foto: Michael Kappeler/dpa
Auch bei der WM im vorigen Jahr stand Malaika Mihambo auf dem Podium. (Archivbild) Foto: Michael Kappeler/dpa

Die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles sollen den Abschluss bilden, das hat Mihambo längst angekündigt. Sollte der Körper nicht mehr mitmachen oder sie keinen Spaß mehr haben, kann auch früher Schluss sein. „Oder wenn es Dinge gibt, die ich psychisch oder physisch nicht mehr tragen kann oder möchte“, sagte Mihambo.

Wenn der Anlauf passt

In ihrer ruhigen, aber überlegten Art hat sich die dreimalige „Sportlerin des Jahres“ auch immer wieder zu Themen abseits des Sports geäußert und Sorgen über politische Entwicklungen in Deutschland formuliert.

Nun aber gilt der Fokus dem Saisonhöhepunkt, vor dem ihr Rückenprobleme zu schaffen machten. Trotzdem ist Mihambo immer noch zu stattlichen Sprüngen in der Lage, wenn sie denn ihren Anlauf in den Griff bekommt und das Brett richtig trifft.

Schon über sieben Meter in dieser Saison

Acht Tage vor der DM-Niederlage mit nur 6,63 Metern im windigen Lohrheidestadion gewann Mihambo beim Diamond-League-Meeting in London mit 7,05 Metern. Besser war in dieser Saison aus Europa nur die Italienerin Larissa Iapichino mit 7,12 Metern, vor zwei Jahren in Rom EM-Zweite hinter Mihambo, aber in diesem Jahr auch schon Siegerin gegen die Meisterin der letzten Sprünge.

„Ein dritter EM-Titel wäre natürlich sehr schön. Aber ich bin darauf fokussiert, einen guten Wettkampf zu machen“, sagte Mihambo. „Über eine Medaille oder gar den Titel können wir reden, wenn es so weit ist.“

Mikaelle Assani (r) schnappte Malaika Mihambo den deutschen Meistertitel weg. (Archivbild) Foto: Sven Hoppe
Mikaelle Assani (r) schnappte Malaika Mihambo den deutschen Meistertitel weg. (Archivbild) Foto: Sven Hoppe

Assani nach langer Pause wieder dabei

Die deutsche Meisterin Assani vom Karlsruher SC traut sich in Birmingham nach der Rückkehr von ihrer 15-monatigen Verletzungs-Zwangspause einen guten Wettkampf zu. Mihambo hatte der nächste Woche 24 Jahre alt werdenden Assani den nationalen Titel von Herzen gegönnt. „Sie hat gesagt, dass ich das verdient habe. Es war einfach superemotional, von einer erfahrenen Athletin so eine Unterstützung zu bekommen“, sagte Assani gerührt.

Ähnliche Artikel