Gesund aufwachsen Bewegungsstörungen bei Kids - Sind die Medien wirklich schuld?

Melanie Freese
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Von Melanie Freese
| 12.08.2026 12:15 Uhr | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Spielend in Bewegung: Toben und Ausprobieren fördern Kinder in ihrer Entwicklung. Foto: Jochen van Wylick | unsplash
Spielend in Bewegung: Toben und Ausprobieren fördern Kinder in ihrer Entwicklung. Foto: Jochen van Wylick | unsplash
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Sind Handy, Tablet & Co. wirklich die Hauptschuldigen, wenn Kinder sich weniger bewegen? Ein Blick auf die Ursachen zeigt, warum Bewegung für die Entwicklung so wichtig bleibt.

Kinder rennen, klettern, balancieren, hüpfen, malen und bauen. Bewegung gehört für sie ganz selbstverständlich zum Alltag dazu. Doch genau daran fehlt es vielen Kindern und Jugendlichen zunehmend. Bei Kindern und Jugendlichen nehmen motorische Bewegungsstörungen zu. Bei den Sechs- bis 18-Jährigen wurden vor zwei Jahren rund 32 Prozent mehr Fälle festgestellt als zehn Jahre zuvor, bei den 15- bis 18-Jährigen sogar 67 Prozent mehr.

Was steckt dahinter? Schnell fällt der Blick auf Smartphones, Tablets, Computer und Fernseher. Doch so einfach ist es nicht. Foto: sajad-nori | unsplash
Was steckt dahinter? Schnell fällt der Blick auf Smartphones, Tablets, Computer und Fernseher. Doch so einfach ist es nicht. Foto: sajad-nori | unsplash

Wenn freie Spielzeit knapp wird

Früher gehörte es für viele Kinder zum Alltag, nachmittags draußen unterwegs zu sein. Heute ist der Tagesablauf oft dichter: Schule, Hausaufgaben, Termine und Freizeitangebote lassen weniger Raum für spontanes Spielen. Dazu kommt die zunehmende Mediennutzung.

Auch die Umgebung spielt eine Rolle. Viel Verkehr, wenig freie Flächen und fehlende sichere Spielmöglichkeiten können es Kindern erschweren, sich draußen selbstständig zu bewegen. Selbst dort, wo Spielstraßen ausgewiesen sind, fehlt es nach Einschätzung des KKH-Experten teilweise an ausreichend Platz und Ruhe für gemeinsames Spielen.

Und dann ist da nicht außer Acht zu lassen die elterliche Sorge - Stichwort „Helikopter-Eltern“: Ist es wirklich sicher, das Kind allein zur Schule gehen oder draußen mit anderen Kindern spielen zu lassen?

Dabei brauchen Kinder genau diese Freiräume. Sie lernen ihre Umgebung kennen, probieren Bewegungen aus und sammeln dabei ganz nebenbei Erfahrungen.

Viele Kinder haben heute mit Schule, Hausaufgaben und Terminen am Nachmittag einen durchgetakteten Alltag, der kaum Zeit für freies Bewegungsspiel lässt. Foto: Anni Spratt | unsplash
Viele Kinder haben heute mit Schule, Hausaufgaben und Terminen am Nachmittag einen durchgetakteten Alltag, der kaum Zeit für freies Bewegungsspiel lässt. Foto: Anni Spratt | unsplash

Bewegung trainiert nicht nur Muskeln

Bewegung bedeutet bei Kindern weit mehr als Sport. Beim Klettern wird das Gleichgewicht geschult, beim Ballspielen die Koordination. Beim Rennen und Toben lernen Kinder, ihren Körper einzuschätzen. Und wer gemeinsam mit anderen spielt, übt gleichzeitig Rücksichtnahme, Regeln und Teamgeist.

Auch für die geistige und emotionale Entwicklung spielt Bewegung eine Rolle. Sie kann die Konzentrationsfähigkeit fördern, beim Stressabbau helfen und für Erfolgserlebnisse sorgen. Das wiederum kann das Selbstvertrauen stärken.

Bewegung fördert nachweislich die Konzentrationsfähigkeit, federt Stress ab, sorgt für Erfolgserlebnisse und stärkt so das Selbstvertrauen und die Widerstandskraft gegen Niederlagen. Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt sich zudem positiv auf die Gesundheit aus und kann unter anderem dazu beitragen, das Risiko für Übergewicht, Diabetes, Rückenleiden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren.

Eine Stunde Bewegung am Tag

Damit Bewegung ihren Platz im Alltag bekommt, braucht es nicht zwingend ein umfangreiches Sportprogramm. Entscheidend ist, dass Kinder regelmäßig aktiv sind. Als Orientierung gilt mindestens eine Stunde körperliche Aktivität am Tag.

Das kann auf dem Spielplatz passieren, auf dem Fahrrad, beim Fußballspielen oder beim Toben im Garten. Auch der Schulweg zu Fuß oder mit dem Rad zählt. Und manchmal reicht es schon, den Aufzug links liegen zu lassen und die Treppe zu nehmen.

Eltern haben dabei eine wichtige Vorbildfunktion. Wer selbst regelmäßig aktiv ist, zeigt seinem Kind ganz selbstverständlich, dass Bewegung zum Alltag gehört. Dazu zählen gemeinsamer Sport, Spaziergänge oder aktive Familienausflüge ebenso wie ein bewusster Umgang mit digitalen Medien.

Bewegungsstörungen früh erkennen

Bei den Sechs- bis Zehnjährigen ist mittlerweile etwa jedes 18. Kind von Störungen der Grob- und Feinmotorik betroffen. Zehn Jahre zuvor war es noch etwa jedes 22. Kind.

Dabei muss nicht jede Ungeschicklichkeit gleich auf eine motorische Störung hindeuten. Kinder entwickeln sich unterschiedlich und brauchen für bestimmte Bewegungsabläufe unterschiedlich lange. Auffällig kann es jedoch werden, wenn sich bestimmte Schwierigkeiten über längere Zeit zeigen.

Eltern sollten genauer hinschauen, wenn ihr Kind beispielsweise häufig stolpert, einen unsicheren oder wankenden Gang hat, Schwierigkeiten beim Aufstehen zeigt oder wiederholt Probleme beim Greifen und Fangen eines Balls hat. Ansprechpartner ist dann in jedem Fall die Kinderarztpraxis. Bewegungsstörungen werden häufig im Rahmen der U-Untersuchungen erkannt.

Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein. Neben genetischen Faktoren kommen unter anderem Erkrankungen des Nervensystems oder Einschränkungen von Muskeln, Knochen oder Gehirn infrage. Wird eine motorische Störung festgestellt, können beispielsweise Krankengymnastik oder Ergotherapie dabei helfen, Bewegungsabläufe und Körperwahrnehmung zu verbessern.

Was Eltern im Alltag tun können

Die gute Nachricht ist, dass Bewegung weder kompliziert noch teuer sein muss. Vieles lässt sich direkt in den Familienalltag integrieren. Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen, wann immer es möglich ist.Treppen statt Aufzug nehmen. Regelmäßig draußen spielen und toben. Gemeinsam Ball spielen, klettern, schwimmen oder Rad fahren. Und auch die Medienzeiten bewusst begleiten und begrenzen.

Denn die Frage ist vielleicht weniger, ob Smartphones und Fernseher an allem schuld sind. Viel wichtiger ist, ob Kinder neben der digitalen Welt noch genügend Gelegenheit haben, ihre eigene Bewegungswelt zu entdecken.

Am Ende braucht es dafür nicht unbedingt den perfekten Sportplatz oder einen durchgeplanten Nachmittag. Manchmal reicht ein Ball, ein Stück freie Fläche und etwas Zeit.