Konflikt mit Saudi-Arabien Warum die Gewalt im Jemen wieder aufflammt

Cindy Riechau und Amira Rajab, dpa
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Von Cindy Riechau und Amira Rajab, dpa
| 11.08.2026 12:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Krieg zwischen den Huthi im Jemen und Saudi-Arabien droht zu eskalieren. Foto: Osamah Abdulrahman
Der Krieg zwischen den Huthi im Jemen und Saudi-Arabien droht zu eskalieren. Foto: Osamah Abdulrahman
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Seit 2014 versinkt der Jemen im Bürgerkrieg. Zuletzt herrschte zwar weitgehende Ruhe, doch nun flammt die Gewalt ein weiteres Mal auf. Droht eine weitere Eskalation im Rahmen des Iran-Kriegs?

Im Krieg in Nahost droht sich eine weitere Front zu öffnen. Immer wieder gibt es derzeit Angriffe im Jemen, einem bitterarmen Land auf der Arabischen Halbinsel. Der Konflikt dort ist im Zuge des Iran-Kriegs wieder eskaliert. Das sind die Hintergründe:

Wer kämpft gegen wen im Jemen?

Die international anerkannte Regierung im Jemen kämpft zusammen mit dem Nachbarland Saudi-Arabien seit mehreren Jahren gegen die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz. Diese hatte den Jemen 2014 förmlich überrannt und in einen Bürgerkrieg gestürzt. Die Huthi kontrollieren seitdem vor allem den Norden des Landes und weite Teile der westlichen Küste am Roten Meer. Dort setzt die Miliz, die sich offiziell als „Ansar Allah“ („Unterstützer Gottes“) bezeichnet, ihre Ideologie gewaltsam durch.

Ziel der Angriffe der von Riad angeführten Militärkoalition war es, die jemenitische Regierung zu unterstützen und den Einfluss der Huthi – und damit des Irans – im Land zurückzudrängen. 2022 trat in dem Konflikt eine Waffenruhe in Kraft, kleinere Gefechte gab es allerdings weiterhin. In dem Krieg kamen durch direkte militärische Folgen mehr als 150.000 Menschen ums Leben. Die jüngsten Angriffe sind die schwerste Eskalation im jemenitischen Konflikt seit Jahren.

Was hat die aktuellen Angriffe ausgelöst?

Die aktuelle Eskalation wurde im Juli durch Luftangriffe in der von den Huthi kontrollierten jemenitischen Hauptstadt Sanaa ausgelöst. Die international anerkannte Regierung des Landes wollte damit eigenen Angaben zufolge die Landung eines iranischen Flugzeugs auf jemenitischem Boden verhindern.

Die von Riad angeführte Koalition kontrolliert den Zugang zum jemenitischen Luftraum und schränkt dabei insbesondere den internationalen Flugverkehr zum Flughafen Sanaa stark ein. Mit dem Vorhaben, ein iranisches Flugzeug in der Hauptstadt landen zu lassen, wollten die Huthi Experten zufolge die Kontrolle über den jemenitischen Luftraum infrage stellen.

Beobachter wie die Denkfabrik International Crisis Group gehen davon aus, dass die Huthi sich durch den Verlauf des Iran-Kriegs gestärkt sehen. Der Iran habe den Plan der Miliz unterstützt. Die Denkfabrik sprach von einem „Kurswechsel“, da sich Teheran in den vergangenen Jahren für eine Entspannung der Lage im Jemen eingesetzt habe. 

Die Huthi machten Saudi-Arabien für den Angriff auf den Flughafen in Sanaa Mitte Juli verantwortlich und erklärten eine „Blockade“ der Seefahrt für den einflussreichen Golfstaat. Die vom Iran unterstützte Miliz griff seitdem auch mehrere saudische Schiffe sowie Ziele in dem Golfstaat an.

Wie war die Lage davor?

Der Krieg hat nach 2014 im Jemen in eine humanitäre Katastrophe ausgelöst – Millionen Menschen sind dort auf Hilfe angewiesen. Trotz eigener Öl- und Gasvorkommen ist der Jemen eines der ärmsten und am schlechtesten entwickelten Länder der Welt. Zudem flammte der Konflikt auch in den vergangenen Jahren immer mal wieder auf. 

Der Jemen ist seit Jahrzehnten geplagt von Spaltungen entlang konfessioneller, regionaler und Stammesgruppen. Das Land war von 1967 bis 1990 zweigeteilt. Auch sind Extremisten in dem Land aktiv, immer wieder gibt es Anschläge und Entführungen.

Wie eng kooperieren die Huthi mit dem Iran?

Ohne die Hilfe aus Teheran hätten die Huthi ihr Waffenarsenal – darunter Raketen mit einer Reichweite von bis zu 3.000 Kilometern – nach Einschätzung von Experten nicht aufbauen können. Die Waffen sollen auf dem Seeweg in den Jemen geschmuggelt worden sein. Eine Eliteeinheit der iranischen Streitkräfte soll zudem auch Kämpfer der Huthi ausgebildet haben. Der Iran hat in der Vergangenheit derweil bestritten, die Huthi finanziell oder mit Waffen zu unterstützen. 

Teheran hat seit den 1990er Jahren mit der Unterstützung schiitischer Milizen eine „Achse des Widerstands“ gegen Israel aufgebaut, zu der neben den Huthi auch die Hamas gehört. Nach dem Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober 2023 erklärten die Huthi ihre Solidarität mit der Terrororganisation und griffen seitdem auch Israel sowie Handelsschiffe im Roten Meer an.

Die Miliz hat sich in der Vergangenheit auch als Opfer einer Verschwörung zwischen Israel, den USA und Saudi-Arabien dargestellt. Sie strebt nach Ansicht von Beobachtern an, international anerkannt zu werden. Als ihre wichtigste Einnahmequelle gilt der Verkauf geschmuggelter Erdölprodukte. 

Ist nun eine weitere Eskalation zu erwarten und welche Folgen könnte das haben?

Beobachter halten eine weitere Eskalation für wahrscheinlich. Sie könnte weit über den Jemen hinaus Folgen haben. 

Weitere Angriffe auf Schiffe könnten den Verkehr durch das Rote Meer und die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandab erneut beeinträchtigen. Durch diese Meerenge führt der Seeweg von Asien über den Suezkanal nach Europa. Sie hat als Umgehungsroute für die durch den Iran-Krieg bereits stark beeinträchtigte Straße von Hormus etwa bei Ölexporten Saudi-Arabiens zunehmend an Bedeutung gewonnen. Die Huthi-Miliz hatte den Welthandel durch Angriffe im Roten Meer in Solidarität mit der Hamas im Gazastreifen ab 2023 bereits massiv beeinträchtigt.

Zugleich könnte ein neuer Krieg die ohnehin schwierigen Bemühungen um eine politische Lösung im Jemen um Jahre zurückwerfen. Der Konflikt droht damit erneut zu einem wichtigen Schauplatz der regionalen Auseinandersetzung zwischen Iran und seinen Gegnern zu werden.

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