Unterwegs in einer besonderen Region Stille Schönheit: Ostfrieslands Moor- und Fehnlandschaft

Carsten Walker
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Von Carsten Walker
| 06.08.2026 13:54 Uhr | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Einzigartig schön: Ostfrieslands Moor- und Fehnlandschaft. Foto: Dar1930 - stock.adobe.com
Einzigartig schön: Ostfrieslands Moor- und Fehnlandschaft. Foto: Dar1930 - stock.adobe.com
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Ostfrieslands ist geprägt von Mooren, schnurgeraden Kanälen und langgestreckten Siedlungen. Viele Orte zeigen bis heute, wie eng Natur, Wasser und menschliche Arbeit hier miteinander verbunden sind.

Ostfriesland - Wer diese besondere Kulturlandschaft erleben möchte, findet in Ostfriesland zahlreiche Möglichkeiten, Moor und Fehn aktiv zu erkunden. Endlose Horizonte, schnurgerade Kanäle und kleine Fehndörfer entlang der Wasserläufe prägen das Landschaftsbild. Viele Wege folgen den historischen Kanälen der Moorkolonisation und eignen sich heute hervorragend zum Radfahren und Wandern.

Ostfriesland gilt nicht ohne Grund als eine der beliebtesten Fahrradregionen Deutschlands. Die Landschaft ist nahezu eben, die Wege sind meist befestigt oder geschottert, und die Strecken lassen sich gut planen. Mit dem Rad geht es entlang der Kanäle durch Fehnsiedlungen wie Großefehn, Westrhauderfehn, Moormerland oder Papenburg. Unterwegs führen kleine Brücken über das Wasser, Klappbrücken öffnen sich für Boote, und vielerorts laden Rastplätze direkt am Kanal zu einer Pause ein. Infotafeln erklären die Funktion der Wieken, Schleusen und Entwässerungssysteme und machen so die Geschichte der Landschaft anschaulich verständlich.

Viele Orte in der Region sind von schnurgeraden Kanälen durchzogen. Markant sind die weißen Holzbrücken. Foto: IWI - stock.adobe.com
Viele Orte in der Region sind von schnurgeraden Kanälen durchzogen. Markant sind die weißen Holzbrücken. Foto: IWI - stock.adobe.com

Die schönsten Routen durch die Moor- und Fehnlandschaft

Eine der bekanntesten Strecken durch diese Kulturlandschaft ist die Deutsche Fehnroute. Der knapp 170 Kilometer lange Rundkurs verbindet zahlreiche Fehnorte im südlichen Ostfriesland. Der Radweg folgt den historischen Torfkanälen und führt vorbei an typischen Reihendörfern, Backsteinkirchen, Windmühlen und alten Schleusen. Charakteristisch sind die weißen Klappbrücken und die langen, geraden Kanäle, entlang derer sich die Häuser der Fehnsiedlungen aufreihen. Die Route lässt sich gut in einzelne Etappen aufteilen und eignet sich sowohl für Tagesausflüge als auch für mehrtägige Touren.

Wer die Moorlandschaft intensiver erleben möchte, findet mit der Moorerlebnisroute eine besonders naturnahe Strecke. Der etwa 100 Kilometer lange Rundkurs führt rund um die Esterweger Dose, eines der größten Hochmoorgebiete Nordwestdeutschlands, und durchquert Ostfriesland, das nördliche Emsland sowie das Oldenburger Münsterland. Die Route führt vorbei an Fehnorten wie Rhauderfehn und Ostrhauderfehn, berührt Barßel und das Saterland und endet schließlich in Esterwegen.

Im Moortretbecken des Moor- und Fehnmuseums Elisabethfehn können die Besucher barfuß durch den weichen Moorboden waten. Foto: Moor- und Fehnmuseum Elisabethfehn
Im Moortretbecken des Moor- und Fehnmuseums Elisabethfehn können die Besucher barfuß durch den weichen Moorboden waten. Foto: Moor- und Fehnmuseum Elisabethfehn

Weite Moorlandschaften und stille Wege

Immer wieder öffnen sich weite Moorflächen. Hochmoorwiesen, geschützte Naturräume und stille Gewässer vermitteln Eindrücke einer Landschaft, die sich über Jahrtausende entwickelt hat. Aussichtspunkte, Moorerlebnispfade und kleine Seen wechseln sich mit historischen Mühlen, Museen und regionaler Gastronomie ab.

Neben diesen größeren Strecken gibt es auch kürzere Themenrouten. Ein Beispiel ist die Hammrichtour rund um Rhauderfehn. Die etwa 34 Kilometer lange Strecke zeigt eindrucksvoll die unterschiedlichen Landschaftsformen Nordwestdeutschlands: Moor, Hammrich, Marsch und Geest. Entlang der Route liegen historische Dörfer, Windmühlen und typische Gulfhöfe. Auch im benachbarten Ammerland führt eine rund 57 Kilometer lange Moorroute durch ehemalige Torfabbaugebiete mit langen Moorstraßen und alten Torfstichfeldern.

Nicht alle Wege durch die Moorlandschaft sind mit dem Fahrrad befahrbar. In vielen Hochmoorgebieten führen Bohlenwege tief in empfindliche Naturräume hinein. Von Aussichtstürmen eröffnen sich weite Blicke über das Moor, das je nach Jahreszeit in unterschiedlichen Farben erscheint – von dunklen Torfflächen bis zu hellgrünen Wollgrasfeldern. Am frühen Morgen liegt oft Nebel über der Landschaft, während Vogelstimmen die Stille durchbrechen und die besondere Atmosphäre des Moores spürbar machen.

Ein Höhepunkt: Das Ewige Meer

Zu den beeindruckendsten Naturräumen gehört das Ewige Meer nahe der Ortschaft Eversmeer nördlich von Aurich. Er ist Deutschlands größter Hochmoorsee, umgeben von einem der größten zusammenhängenden Hochmoorreservate Nordwestdeutschlands. Ein Bohlenweg führt durch das Schutzgebiet bis an das dunkle Moorgewässer heran.

Das Moor kann bei einer Wanderung erkundet werden. Foto: Wittich
Das Moor kann bei einer Wanderung erkundet werden. Foto: Wittich

Geschichte zum Anfassen

Einige Moorgebiete lassen sich auch im Rahmen geführter Touren erkunden. Natur- und Gästeführer erläutern dabei die Entstehung der Hochmoore, die Tier- und Pflanzenwelt sowie die Geschichte der Moorkolonisation. Auch viele Fehnorte bieten Ortsführungen an, bei denen die lineare Siedlungsstruktur entlang der Kanäle, die Klappbrücken und die historischen Kapitäns- und Händlerhäuser erklärt werden. Wer noch tiefer in die Geschichte von Moor und Fehn eintauchen möchte, findet in der Region zudem eine vielfältige Museumslandschaft. Sie widmet sich unterschiedlichen Aspekten der Moorkultur – von der harten Arbeit der Moorsiedler über den Torfabbau bis hin zur Entwicklung der Fehnorte und ihrer Schifffahrtstradition.

In zahlreichen Museen der Region erfahren die Besucher viel über Moor- und Torfabbau. Foto: Fehn- und Schiffahrtsmuseum Westrhauderfehn
In zahlreichen Museen der Region erfahren die Besucher viel über Moor- und Torfabbau. Foto: Fehn- und Schiffahrtsmuseum Westrhauderfehn

Ob auf langen Radwegen entlang der Kanäle, auf schmalen Bohlenwegen durch das Hochmoor oder bei einem Besuch in kleinen Museen – die Fehn- und Moorlandschaft erschließt sich Schritt für Schritt. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt nicht nur eine besondere Natur, sondern auch eine Kulturlandschaft, die über Jahrhunderte vom Menschen geprägt wurde. Gerade diese Verbindung aus Landschaft, Geschichte und Bewegung macht das Erkunden von Moor und Fehn zu einem besonderen Erlebnis.