Neue Studie: Schlaganfall hat viele unsichtbaren Folgen

| 04.08.2026 09:33 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Nach einem Schlaganfall zählt jede Sekunde. Jede Minute ohne Behandlung verschlechtert die Chancen einer Genesung. Foto: Besim Mazhiqi / Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
Nach einem Schlaganfall zählt jede Sekunde. Jede Minute ohne Behandlung verschlechtert die Chancen einer Genesung. Foto: Besim Mazhiqi / Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
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Ereignis wird mit körperlichen Beeinträchtigungen in Verbindung gebracht, aber Betroffene haben oft andere Probleme.

Ostfriesland / OTS - Jedes Jahr erleiden bundesweit etwa 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Dank besserer Akutversorgung überleben immer mehr Betroffene, aber viele von ihnen haben mit langfristigen Problemen zu kämpfen. In der Regel wird ein Schlaganfall vor allem mit körperlichen Beeinträchtigungen in Verbindung gebracht. Doch die häufigsten Folgen sind Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Sprachstörungen, Planungsstörungen und Persönlichkeitsveränderungen wie Reizbarkeit oder Depression sowie schnelle Erschöpfung. So hat eine Studie der Deutschen Schlaganfall-Hilfe ergeben, dass vier von fünf Schlaganfall-Patienten unter neuropsychologischen Störungen leiden.

Blick in eine Stroke-Unit-Station: Hier werden Patienten intensivmedizinisch überwacht. Foto: Pixabay
Blick in eine Stroke-Unit-Station: Hier werden Patienten intensivmedizinisch überwacht. Foto: Pixabay
1000 Patientinnen und Patienten, die sich in der häuslichen Nachsorge befinden, waren von der Organisation befragt worden. 55 Prozent gaben an, seit dem Schlaganfall unter Konzentrations- und Gedächtnisstörungen zu leiden. 28 Prozent hatten Probleme mit der Sprache oder dem Lesen. Solche Sprach- und Sprachverständnisstörungen – sogenannte Aphasien – machen es Betroffenen besonders schwer, sich im Alltag zu verständigen. Denn: Für Außenstehende bleiben diese Veränderungen oft verborgen.

Das hat oftmals schwerwiegende Auswirkungen auf Beruf, Familie und soziale Teilhabe. Betroffene wirken gesund, deshalb reagiert ihr Umfeld mit Unverständnis. So müssen sie sich ständig erklären, was eine anstrengende und belastende Herausforderung darstellt. „Unsichtbare Folgen werden oft unterschätzt“, sagt Dr. Michael Brinkmeier, Vorstand der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. „Wir wollen Verständnis für Betroffene schaffen und aufklären, wie man ihnen helfen kann.“

Gleichzeitig macht die Stiftung Mut: Erfolge brauchen Zeit, die Rehabilitation endet nicht nach wenigen Monaten. „Auch wenn es sich zu Beginn oft anders anfühlt: Vieles verbessert sich über Jahre hinweg, ohne dass Betroffene die Fortschritte sofort bemerken,“ erklärt die Neuropsychologin Dr. Caroline Kuhn. „Wichtig sind gezieltes Training, aber auch konsequente Pausen.“ Das Gehirn bleibe ein Leben lang anpassungsfähig – diese sogenannte Neuroplastizität eröffnet Chancen für Fortschritte selbst Jahre nach dem eigentlichen Ereignis.

Besteht bei einem Menschen der Verdacht auf einen Schlaganfall, sollte sofort der Rettungsdienst benachrichtigt werden. Foto: Pixabay
Besteht bei einem Menschen der Verdacht auf einen Schlaganfall, sollte sofort der Rettungsdienst benachrichtigt werden. Foto: Pixabay
Ein Schlaganfall äußert sich oft durch plötzlich auftretende Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen, Sehstörungen, plötzlich stark einsetzende Kopfschmerzen oder Schwindel. Mit dem sogenannten FAST-Test können Laien einen Schlaganfall erkennen: Face (Gesichtslähmung), Arms (Armschwäche), Speech (Sprachstörung) – und: Time (Zeit ist entscheidend für die ärztliche Versorgung, 112 wählen).

Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe hat eine App herausgebracht, die in allen gängigen Stores kostenlos heruntergeladen werden kann. Mit drei einfachen Fragen zu den häufigsten Symptomen eines Schlaganfalls kann ein Verdacht geprüft und gegebenenfalls direkt der Notruf 112 ausgelöst werden. Die App ist dreisprachig deutsch, englisch und türkisch und mit einer Audiofunktion ausgestattet.

Professor Dr. Darius G. Nabavi, stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung und Chefarzt der Klinik für Neurologie am Vivantes Klinikum Neukölln, betont: „‘Time is brain‘ heißt praktisch: Jede Minute ohne Behandlung verschlechtert die Chancen für eine Genesung. Mit dem Notruf 112 wird die Schlaganfall-Rettungskette in Gang gesetzt – vom Rettungsdienst bis zur strukturierten Versorgung in einer Stroke Unit.“