Pakistan Netflix-Bergsteiger Nirmal Purja stirbt am Broad Peak

Mathis Richtmann und Qamar Zaman, dpa
|
Von Mathis Richtmann und Qamar Zaman, dpa
| 01.08.2026 19:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Dieses undatiertes Archivfoto (ursprünglich am 29.10.19) zeigt Purja auf dem Gipfel des Nanga Parbat. (Archivbild) Foto: Nirmal Purja
Dieses undatiertes Archivfoto (ursprünglich am 29.10.19) zeigt Purja auf dem Gipfel des Nanga Parbat. (Archivbild) Foto: Nirmal Purja
Artikel teilen:

Eine Lawine erfasst am Donnerstag zehn internationale Alpinisten im pakistanischen Karakorum-Gebirge. Vor gut einem Jahr starb in der Region Laura Dahlmeier bei einem tragischen Unfall.

Als erster Mensch hatte er alle Achttausender innerhalb einer Saison bestiegen. Jetzt ist der nepalesischstämmige Extremsportler Nirmal Purja nach Angaben seiner Firma tot. Alle Mitglieder seiner Gruppe starben nach einem schweren Lawinenunglück am Donnerstag am Broad Peak - ein Berg mit rund 8.050 Metern Höhe - in Pakistan, bestätigte der Alpine Club Pakistan der Deutschen Presse-Agentur am Samstagabend.

Der Kontakt zu der Gruppe sei nach einem Lawinenabgang am Donnerstagmorgen abgebrochen, hieß es vom APC. Es wurde eine große Rettungsaktion eingeleitet. 

Unter den toten Alpinisten sind nach Angaben des ACP insgesamt sechs Bergsteiger aus Nepal, ein Bergsteiger aus Pakistan, ein chinesischer Bergsteiger, eine Alpinistin aus den USA sowie eine Bergsteigerin aus dem Oman.

Purja auf dem Gipfel des Everest. (Archivbild) Foto: Nirmal Purja
Purja auf dem Gipfel des Everest. (Archivbild) Foto: Nirmal Purja

Tiefe Trauer und Kummer

„Mit tiefer Trauer und unermesslichem Kummer bestätigen wir den tragischen Tod von Nirmal Purja“, schrieb seine Firma in einer Stellungnahme auf Instagram. „Der tragische Tod von sechs Nepalesen und vier weiteren ausländischen Bergsteigern, darunter Weltrekordhalter Nirmal Purja, im pakistanischen Karakorum-Gebirge, schockiert uns“, schrieb der nepalesische Premier Balendra Shah auf Facebook.

Auch die Bergsteigerlegende Reinhold Messner würdigte Purja: „Was bleibt, ist nicht nur die Trauer über seinen Tod, sondern auch die Erinnerung an ein Leben, das er in vollen Zügen gelebt hat“, schrieb er auf Instagram. Es sei ein Privileg, ihn gekannt zu haben. 

Rekordbergsteiger aus Netflix-Doku

Die zehnköpfige Expedition sei von Nirmal Purja, dem bekannten nepalesischstämmigen Alpinisten mit britischer Staatsangehörigkeit, geleitet worden, hieß es vom ACP. Purja - auch bekannt unter dem Namen Nims Dai - machte unter anderem international Schlagzeilen, nachdem er 2019 in Rekordzeit alle 14 Achttausender innerhalb von sieben Monaten erklommen hatte. Im August 2023 wurde sein Rekord von einer Norwegerin und einem Nepalesen im Team übertroffen.

Mehrere Gipfel locken Alpinisten aus aller Welt in die Region, um den oft gefährlichen Aufstieg zu wagen. (Archivbild) Foto: Olivier Matthys/EPA/dpa
Mehrere Gipfel locken Alpinisten aus aller Welt in die Region, um den oft gefährlichen Aufstieg zu wagen. (Archivbild) Foto: Olivier Matthys/EPA/dpa

In einer Mischung aus Trotz und Selbstbewusstsein nannte Purja seine damalige Mission „Project Possible“ (Projekt Möglich). „Als ich von dem Projekt erzählte, haben die Leute gelacht“, sagte er damals der dpa in Nepals Hauptstadt Kathmandu. „Sie sagten, das wäre nicht möglich.“

Die Netflix-Produktion „14 Peaks: Nothing is Impossible“ widmet sich seiner Leistung. Sie zeigt die extremen Wetterbedingungen, denen Bergsteiger in den Höhen ausgesetzt sind und handelt von dem Balanceakt zwischen Leben und Tod bei Purjas Extrem-Expedition. Zuvor veröffentlichte er unter dem Namen Nimsdai Purja eine Autobiografie, die zum Bestseller wurde. Eine deutsche Fassung erschien im Jahr 2022 unter dem Titel „Jenseits des Möglichen: 1 Mann, 6 Weltrekorde, 14 Achttausender“.

Den Broad Peak zu besteigen sei ursprünglich nicht Teil seines Plans gewesen, schrieb Purja am Montag auf der Plattform X. Nach einer Besteigung des Gasherbrum II - einem weiteren pakistanischen Achttausender - fehle ihm lediglich die Besteigung des Broad Peak, um der erste Mensch zu sein, der alle 14 Achttausender ohne Sauerstoff zweimal bestiegen habe, schrieb er.

Purja war in der Bergsteigerszene ein Star. Foto: Niranjan Shrestha/AP/dpa
Purja war in der Bergsteigerszene ein Star. Foto: Niranjan Shrestha/AP/dpa

Die britische BBC berichtete, dass Purja seine Liebe zum Bergsteigen während seiner Zeit als Elitesoldat der britischen Marine fand. Er sei von Königin Elizabeth II. 2018 ausgezeichnet worden. Auch sein Vater und ältere Brüder seien bereits Teil der britischen Streitkräfte gewesen, berichtet der Sender.

Laura Dahlmeier starb in der gleichen Region

Vor fast genau einem Jahr kam die Deutsche Laura Dahlmeier am 28. Juli 2025 beim Bergsteigen am Laila Peak ums Leben. Die Unglücksorte liegen nah beieinander. Die 31-jährige ausgebildete Bergführerin war mit ihrer Seilpartnerin unterwegs, als sie beim Abstieg auf einer Höhe von 5.700 Metern von einem Steinschlag am Kopf getroffen wurde. Sie war mutmaßlich sofort tot. 

Trotz umgehend eingeleiteter Rettungsmaßnahmen konnte aufgrund der anhaltenden Steinschlaggefahr und schwieriger Wetterbedingungen niemand zu ihr vordringen. Die Rettungsaktion wurde schließlich eingestellt, da es Dahlmeiers ausdrücklicher und niedergeschriebener Wille war, dass in einem solchen Fall niemand sein Leben riskieren dürfe, um sie zu bergen. Ihr Leichnam verblieb am Berg, wo sie ihre letzte Ruhestätte fand.

Experte: Klimawandel verschärft Gefahrenlage in Bergsteigerregion

Der Broad Peak ist der zwölfthöchste Berg der Erde und liegt im Karakorum-Gebirge auf der Grenze zwischen Pakistan und China. Die Region im hohen Norden Pakistans zieht jährlich viele internationale Bergsteiger-Expeditionen an.

Als Achttausender sei der Broad Peak ein schwieriger Berg und es habe auch in der Vergangenheit immer wieder Unfälle dort gegeben, sagt Irfanullah Baig, ein pakistanischer Bergsteigerexperte. Aber mit dem Klimawandel würden Lawinen, schwere Wetterbedingungen und Steinschlag zunehmen. „Die Temperaturen in den Ortschaften am Fuß der Berge steigen auf 40 Grad. Damit gibt es keine stabile Schneedecke mehr und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Schneeschmelze jederzeit Lawinen auslöst“, erklärt der Experte.

Ähnliche Artikel