Neue Staffel bei Netflix „Kaulitz & Kaulitz“: The party moves to Magdeburg
Poolparty, Peniskäfig und ein bisschen Proll: Die neue Staffel „Kaulitz & Kaulitz“ beginnt mit unterhaltsamem Trash. Doch dann kommt die Folge, in der die Zwillinge ihre frühere Heimat besuchen.
Man kann gleich vorwegnehmen, dass der Männerdetox nicht allzu lange hält. Bill Kaulitz (36) sitzt da also an seinem Swimmingpool auf einem Hügel in Los Angeles, neben ihm sein Bruder Tom (36). Die beiden sind Deutschlands wohl bekannteste Zwillinge - und jetzt packen sie gleich etwas aus, was man im Fernsehen eher selten sieht.
Da schenkt Tom seinem Bruder nämlich einen Keuschheitsgürtel für Männer, einen sogenannten Peniskäfig. Der, so scherzt Tom, solle Bill dabei helfen, sich beim Daten zurückzuhalten. Sein Bruder hatte nämlich vorab verkündet, er mache jetzt einen Männerdetox („Nur gucken und nicht anfassen“).
Die beiden Musiker von Tokio Hotel („Durch den Monsun“, „Changes“) haben sich ein Leben aufgebaut, das doch ziemlich anders ist als das der meisten - da wird mal eben ein Ferrari auf einer Auktion in Arizona gekauft. Oder das Haus nebenan. Das zeigen sie in den neuen Folgen der Serie „Kaulitz & Kaulitz“.
Die dritte Staffel läuft jetzt bei Netflix (Streamingstart am 23. Juli). Sie zeigt natürlich nur einen Ausschnitt. Man sieht zum Beispiel das Haus von Bill, eine Designperle, die er auch schon im Architekturmagazin „AD“ präsentiert hat. Nicht aber das Heim von Tom und seiner Frau Heidi Klum (53).
„Du bist nun mal eine Diva“
Was die Brüder diesmal intensiver machen - sie sprechen über ihre Beziehung zueinander und das Aufwachsen in Sachsen-Anhalt. Die beiden nehmen sich einen Lifecoach namens Karin. Und Karin hat da so ein paar Ideen. „Sie hat gesagt: „Du bist nun mal eine Diva und du bist dramatisch, darum lebe das aus, und dein Bruder muss das akzeptieren““, erzählt Bill in Berlin.
Tom bekommt den Rat, sich öfter abzugrenzen von den Entscheidungen, die sein Bruder trifft, auch wenn sie für Bill mitunter mit Liebeskummer enden. Und Tom wird daran erinnert, sich selbst auch mal etwas Gutes zu tun. Einer der Klassiker in zwischenmenschlichen Beziehungen.
„Ich habe schon gelernt zu sagen: „Okay, es ist nicht alles mein Problem, und ich muss ihn nicht immer beschützen““, sagt Tom. Auch wenn ihm heute etwas zu Bills Datingleben durch den Kopf geht, will er das für sich behalten.
Die Serie ist natürlich ein wilder Ritt. Bill turtelt bei einer Poolparty mit Realitystar Jannik Kontalis („Prominent getrennt“); Bandkollege Georg Listing heiratet seine Susanne in Südfrankreich - was Bill nahegeht, weil er ohne Begleitung auftaucht; und mit Mama Charlotte und deren Partner reisen die Zwillinge auf die Burg in Cochem an der Mosel.
Die Mäuse, wie sie sich und andere nennen, gehen zum Gesundheitscheck, lassen sich beim Jubiläumskonzert in Berlin filmen (es kommt zu einer Technikpanne). Es gibt Schampus und Anekdoten: Hat Tom als Kind heimlich das Seepferdchen für Bill gemacht? Mama Kaulitz kann das so nicht bestätigen.
Dann erzählen sie von ihrer Jugend
Unerwartet ist die Serie dann, wenn die beiden über ihre Kindheit sprechen, über ihre schwierige Beziehung zum Vater und ihre frühere Heimat Loitsche nördlich von Magdeburg. „Loitsche war Gefängnis“, sagt Tom an einer Stelle. Freiheit sei gewesen, sich in die S-Bahn zu setzen und nach Magdeburg zu fahren. Bill erzählt etwa von Auseinandersetzungen im Schulbus.
Es habe einige Situationen in der Schulzeit gegeben, in denen sie sich gefragt habe, wie sicher Kinder seien, erzählt Mutter Charlotte. Um eine bestimmte Uhrzeit, wenn es schon dunkel gewesen sei, habe sie die Kinder am S-Bahnhof mit Baseballschläger, Schreckschusspistole und Hund abgeholt.
Sie hätten in einer Ecke gewohnt, in der unglaublich viele Rechtsradikale unterwegs gewesen seien, erzählt die Mutter der Zwillinge. „Und meine Kinder waren kunterbunt. Und die wurden ständig angegriffen.“
In der Serie geht es auch darum, dass die Familie wenig Geld hatte. Sie hätten sich das Badewasser geteilt und am Wochenende mal eine Tüte Chips, erzählen die Zwillinge. Bill erinnert sich, wie er vor Kontrolleuren weggerannt ist, weil er keinen Fahrschein hatte. Und dann, dann kommt der Erfolg mit Tokio Hotel.
In der neuen Staffel ist es Bill, der zuerst nach Loitsche zurückkehrt. Er lässt sich dort für die Modezeitschrift „Vogue“ fotografieren und wird mit den Bildern der erste deutsche Künstler auf dem Cover der deutschen Ausgabe. Später entscheidet sich auch Tom, noch einmal zurückzukommen, denn die Brüder organisieren eine Art Klassentreffen in der früheren Heimat.
Vielleicht sind diese Szenen dann auch die bewegendsten. Etwa, wenn es darum geht, dass eine Schulkameradin Bill im Schwimmbad mal übergriffig zwischen die Beine gefasst hat, um zu sehen, ob er wirklich ein Junge ist. Bei dem Wiedersehen treffen auch die beiden noch einmal aufeinander. Oder wenn eine alte Freundin erzählt, wie sehr sie die Brüder vermisst hat.
„Was ist denn aus unseren Freunden geworden?“
Der Besuch hatte für Bill etwas Heilendes. „Ich mag nicht gerne so einen Groll mit mir rumtragen“, sagte Bill der Deutschen Presse-Agentur. „Für uns war es wichtig, nochmal zu sehen: Was ist denn aus unseren Freunden geworden? Wie ist es für die weitergegangen? Wie gucken die auf uns? Verfolgen die uns noch? Denken die noch an uns? Weil wir denken viel an sie.“
Dass es nicht immer einfach gewesen sei, hatte für Tom auch etwas Lehrreiches. „Gerade, weil wir nicht so behütet aufgewachsen sind, weil es viele brenzlige Situationen gab, mussten wir natürlich schnell erwachsen werden“, sagt Tom heute. „Wir haben gelernt, uns mit echten Freunden zu umgeben. Loyalität war für uns immer sehr früh ganz wichtig.“
Zurück also zu den nebensächlichen Dingen im Leben. Bill will demnächst einen Detox machen, um für die kommende Tour von Tokio Hotel fit zu sein. Aber eine Sache hielt dann doch nicht lange. Der Männerdetox ist vorbei, wie er sagt. Und der Männerkalender wieder voll.