TV-Jahr 2026 schon halb vorbei Die besten Serien des Jahres - bislang

Gregor Tholl, dpa
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Von Gregor Tholl, dpa
| 30.06.2026 09:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Sarah Pidgeon als Carolyn Bessette Kennedy, Paul Kelly als John F. Kennedy Jr.: Die Serie „Love Story: John F. Kennedy Jr. & Carolyn Bessette“ wurde zwischen dem 13.02. und 27.03. bei Disney+ veröffentlicht. Foto: Kurt Iswarienko
Sarah Pidgeon als Carolyn Bessette Kennedy, Paul Kelly als John F. Kennedy Jr.: Die Serie „Love Story: John F. Kennedy Jr. & Carolyn Bessette“ wurde zwischen dem 13.02. und 27.03. bei Disney+ veröffentlicht. Foto: Kurt Iswarienko
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Eine Liebesgeschichte aus den 90ern, eine schwule Eishockeyromanze – 2026 hat dem Publikum schon einiges an gefeiertem Fernsehen beschert. Das sind mögliche Lieblingsserien des bisherigen Jahres.

Das Fernsehjahr 2026 hat schon einige Serienhits hervorgebracht, über die Millionen weltweit reden, darunter „Off Campus“, „Heated Rivalry“ und „Love Story: John F. Kennedy Jr. & Carolyn Bessette“. 

Ob die Hypes genauso groß waren wie 2025 bei „Adolescence“ oder „Pluribus“, 2024 bei „Rentierbaby“, 2023 bei „Succession“, 2022 bei „Severance“ oder „Wednesday“? Oder aber 2021 bei „Squid Game“ oder „The White Lotus“, im Jahr 2020 beim „Ted Lasso“-Auftakt und 2019 bei der Serie „Euphoria“ (deren letzte Staffel gerade 2026 viele enttäuschte)? Das ist wohl, im Wortsinn, Ansichtssache. 

Jedenfalls ist es bei einigen amerikanischen und britischen Medien wie „New York Times“ oder „Guardian“ Tradition, eine Art Halbjahresbilanz in Sachen Fernsehserien vorzulegen. Das machen wir jetzt auch mal.

Was sollte man 2026 gesehen - oder einfach nicht verpasst - haben? Eine Auswahl 13 erfreulicher TV-Überraschungen sowie solider Staffeln bereits etablierter Serien - alphabetisch geordnet:

„Bait“ (Prime Video; 6 Folgen seit 25. März online)

Riz Ahmeds satirischer Blick auf die Unterhaltungsbranche - erzählt aus der Perspektive eines aufstrebenden Schauspielers, der für die Rolle des nächsten James Bond vorspricht. Ein Kunstwerk, mit dem sich ausgerechnet der hauseigene Streamer Prime Video darüber lustig macht, dass sich die Amazon MGM Studios noch immer Zeit lassen mit der Suche nach dem neuen James Bond (also dem Nachfolger von Daniel Craig).

 

„Beef“, Staffel 2 (Netflix; alle 8 Episoden seit 16. April online)

Carey Mulligan und Oscar Isaac spielen ein unglückliches Paar, das einen Country-Club betreibt und erpresst wird. Auch wenn man das inzwischen klassische Seriengenre „Reich-gegen-Arm-Drama“ nun schon öfter und besser sah, wurde die zweite Beef-Staffel von vielen geliebt. Die erste Staffel von 2023 mit Steven Yeun und Ali Wong, die nach einem Verkehrsunfall in eine langwierige Fehde geraten, bleibe aber unerreicht, sagen fast alle.

„Half Man“ (HBO Max; alle 6 Episoden wurden bis 29. Mai veröffentlicht)

Richard Gadd („Rentierbaby“, Originaltitel: „Baby Reindeer“) hat es schon wieder getan: ein schonungsloses Drama rausgehauen. Diese neue Serie setzt sich mit dem Schaden auseinander, den Männer einander zufügen können.

Der Sechsteiler beginnt in der Gegenwart: Zwei Männer umkreisen einander in einer dunklen Scheune. Der eine, Niall (Jamie Bell), trägt volle schottische Hochzeitsmontur. Der andere, Ruben (gespielt von Gadd), hat den Oberkörper frei und die Hände wie ein Boxer beim Sparring bandagiert. Der Kampf, der unweigerlich bevorzustehen scheint, wirkt sehr unfair. 

Anschließend geht es mehr als 30 Jahre zurück, um die gemeinsame Geschichte dieser Männer zu rekonstruieren. Der sanftmütige, belesene Niall (gespielt von Mitchell Robertson), bekommt von seiner Mutter und deren Lebensgefährtin den „irren“ Ruben (Stuart Campbell) als eine Art älteren Bruder ins Zimmer gesetzt. Der wurde soeben aus dem Jugendknast entlassen (in dem er saß, weil er einem Jungen die Nase abgebissen hatte). Eine brutale wahnsinnige Story, die einen fertigmachen kann, entspinnt sich.

„Heated Rivalry“ (HBO Max; alle 6 Folgen wurden bis 13. März veröffentlicht)

Die Hockey-Romanze „Heated Rivalry“ (wichtiges Zitat aus der Serie: „I’m coming to the cottage“) löste hetero- und homosexuelle Begeisterungsstürme weltweit aus und entfesselte die Star-Power der Schauspieler Connor Storrie und Hudson Williams. 

Basierend auf den Romanen von Rachel Reid wird die Geschichte der Profi-Eishockeyspieler Ilya und Shane erzählt, die vorgeben, einander zu hassen, sich aber heimlich zu Sexdates treffen und schließlich Hals über Kopf ineinander verlieben. Eine schwule Lovestory inmitten der rauen Welt von Pucks und Schutzausrüstung. Es gibt viel Sex, aber auch romantische Momente: etwa einen bewegenden Monolog auf Russisch von Ilya (Storrie) oder glückliche Tage im Haus am See.

„Kacken an der Havel“ (Netflix; 9 Folgen seit 26. Februar online)

Die kreativ bekloppte deutsche Comedy-Fernsehserie von Dimitrij Schaad und Alex Schaad (Veronica Ferres spielt eine böse Bürgermeisterin namens Veronica Ferres) handelt von dem erfolglosen Rapper Toni Fleischer (Anton „Fatoni“ Schneider). Er kehrt nach dem Tod seiner Mutter in seine ostdeutsche - fiktive - Heimatstadt mit dem unvorteilhaften Namen Kacken an der Havel zurück, zu seiner absurden Familie und einem verrückten Freundeskreis.

 

„Lord of the Flies“ (Sky/Wow; alle 4 Folgen wurden bis 3. März veröffentlicht)

Die vierteilige BBC-Miniserie begeisterte die Kritik. Die frische Adaption von William Goldings Roman über eine Gruppe von Jungs, die auf einer Insel stranden, scheint bestens ins Jahr 2026 zu passen. Derzeit ist ja viel über das Männlich- und Junge-Sein, die „Manosphere“, die Sinnlosigkeit von Gewalt und die Zerbrechlichkeit von Demokratie und Respekt die Rede.

 

„Love Story: John F. Kennedy Jr. & Carolyn Bessette“ (Disney+; alle 9 Episoden wurden bis 27. März veröffentlicht)

Die erste Staffel der Anthologie-Serie (Produzent: Ryan Murphy)widmet sich der Beziehung zwischen John F. Kennedy Jr. (Paul Kelly) und Carolyn Bessette (Sarah Pidgeon), die in den 90ern Furore machte. Der Sohn des 1963 ermordeten US-Präsidenten Kennedy heiratete Bessette 1996. Drei Jahre später kamen beide gemeinsam mit Carolyns Schwester Lauren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Die Serie löste in Teilen des aktuellen Trump-Amerikas eine Kennedy-Nostalgie aus, aber auch einen 90er-Jahre-Style-Hype.

 

„My Ex“ (ZDF; 6 Folgen seit 27. April online)

Ausgerechnet im Zeitalter von Dating-Apps sucht die Interior-Designerin Ivy (Palina Rojinski) ihren Traummann in dieser RomCom nicht online, sondern offline in einer alten Erinnerungskiste. Denn laut einem Orakel versteckt sich in ihrer Vergangenheit, genauer gesagt unter ihren Ex-Beziehungen, die große Liebe. Das Problem: Sie hat nur drei Monate Zeit für die Suche, sonst bleibt sie für immer einsam und unglücklich. Moderner ZDFneo-Stoff.

„Off Campus“ (Prime Video; alle 8 Episoden seit 13. Mai online)

Zwischen einer Musikstudentin und dem Star-Eishockeyspieler einer Uni entsteht eine unerwartete Romanze. Die College-Serie bringt tiefe Freundschaften und dauerhafte Bindungen sowie die Komplexität des Erwachsenwerdens auf den Punkt - ganz im aktuellen Zeitgeist. Der Hype um die Serie hat mit Ella Bright und Belmont Cameli sowie Mika Abdalla und Stephen Kalyn sozusagen neue Weltstars geboren.

 

„Only Margo“ (Apple TV; alle 8 Folgen wurden bis 20. Mai veröffentlicht)

In diesem cleveren und charmanten Mix aus Komödie und Drama spielt Elle Fanning die intelligente Teenagerin Margo aus der Arbeiterklasse. Deren Englischlehrer sagt, sie habe das Zeug für Harvard, nutzt dies aber auch für Schmeicheleien und Sex mit ihr aus. Als sie schwanger wird, haut er ab. 

Margos Harvard-Pläne sind dahin, doch ihre Kreativität bleibt, die auch einen OnlyFans-Account umfasst. Statt Klischees liefert diese Serie (Originaltitel: „Margo’s Got Money Troubles“) eine tiefgründige Geschichte über Wahlfamilie und weibliche Solidarität. Die schauspielerischen Leistungen sind hervorragend, allen voran Michelle Pfeiffer als Margos knallharte Mutter Shyanne.

„Proud“ (HBO Max; alle 8 Folgen werden bis 31. Juli veröffentlicht)

In der queeren polnischen Serie geht es um Filip, einen jungen drogenaffinen Schwulen, der nach dem plötzlichen Tod seiner Schwester entscheiden muss, ob er die Vormundschaft für seine kleine Nichte übernimmt. Die Serie von Karol Klementowicz erhielt beim internationalen Festival Series Mania in Lille völlig zu Recht den Grand Prix. Großartiges Fernsehen auf der Höhe der Zeit.

 

„Tage, die es nicht gab“, Staffel 2 (ARD/ORF; 8 Folgen seit 16. Januar online bei der ARD)

Als Doris (Diana Amft) mit ihrer Tochter nach Hause kommt, entdeckt Sarah (Niobe Eckert) in ihrem Zimmer die Leiche ihrer besten Freundin. Es ist allerdings völlig rätselhaft, wie die Mitschülerin Emily ins Haus gekommen ist; und erst recht, wer sie erstochen hat. Viele fanden Staffel eins (2023) rund um vier Frauen um die vierzig, die seit ihrer gemeinsamen Zeit in einem kleinstädtischen österreichischen Elitegymnasium eine verschworene Gemeinschaft bilden, stärker. Dennoch ist diese Produktion ein deutschsprachiges Serienhighlight.

„The Pitt“ (HBO Max; alle 15 Folgen von Staffel 2 wurden bis 16. April veröffentlicht)

Eine Krankenhausserie, die völlig unerwartet auftauchte und sich gleich mit ihrer ersten Staffel 2025 zu einer extrem gefeierten Fernsehproduktion entwickelte. Staffel zwei gilt vielen als das TV-Highlight 2026 überhaupt. 

Die Serie zeigt wenig Interesse an hysterischer oder melodramatischer Zuspitzung, die in der Geschichte des Fernsehens Krankenhausdramen so oft leicht ins Absurde abgleiten ließen („Grey’s Anatomy“, „Scrubs“, „Die Schwarzwaldklinik“, „In aller Freundschaft“). Stattdessen wird subtil die Entwicklung der Charaktere und ihr Zusammenfinden beobachtbar gemacht.

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