Erdbebenkatastrophe Geruch des Todes breitet sich nach Beben in Venezuela aus

dpa
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Von dpa
| 29.06.2026 04:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Menschen suchen nach den Namen von Angehörigen auf Listen überlebender Personen. Foto: Matias Delacroix
Menschen suchen nach den Namen von Angehörigen auf Listen überlebender Personen. Foto: Matias Delacroix
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Die Rettungsarbeiten werden nicht eingestellt, doch die Zeit für die Suche nach Überlebenden läuft aus. Nach den Erdbeben sind viele Familien in Notunterkünften untergebracht.

Nach den Erdbeben in Venezuela breitet sich im Katastrophengebiet La Guaira der Geruch verwesender Leichen aus. „Der Geruch ist ein Anzeichen dafür, dass noch Leichen unter den Trümmern liegen“, schrieb am Wochenende die Menschenrechtsorganisation Provea auf der Plattform X. Offiziell liegt die Zahl der Todesopfer bislang bei 1.450, wie der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, mitteilte. Rund 3.200 Menschen sind demnach verletzt worden. 

Die Rettungsarbeiten in dem südamerikanischen Land sind am Montag an ihrem fünften Tag. Zehntausende Menschen werden noch vermisst. Rund 30.000 venezolanische Einsatzkräfte sowie 2.700 Rettungsexperten aus 24 Ländern sind im Einsatz. Auch ein Team des Technischen Hilfswerks (THW) ist dabei. 

„Heute haben wir Überlebende geborgen, daher werden die Rettungsarbeiten nicht eingestellt“, sagte die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez am Sonntag. Laut Experten sinken die Überlebenschancen der Verschütteten nach 72 Stunden – also drei Tagen – stark. Nach 86 Stunden bargen internationale Teams allerdings eine Sechzigjährige in Caraballeda in La Guaira, wie der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, auf X mitteilte. 

Regierung überprüft, ob Gebäude bewohnbar sind

Nach der jüngsten Schadensbilanz wurden rund 780 Wohnhäuser sowie 38 Krankenhäuser zerstört oder schwer beschädigt. Auch Einkaufszentren und andere öffentliche Gebäude sind demnach eingestürzt – insgesamt rund 2.500 Wohngebäude und andere Einrichtungen. Nach den Beben der Stärke 7,2 und 7,5 am frühen Mittwochabend (Ortszeit) wurden mindestens 430 Nachbeben verzeichnet.

Rund 780 Wohngebäude wurden laut Behörden beschädigt. Foto: Matias Delacroix
Rund 780 Wohngebäude wurden laut Behörden beschädigt. Foto: Matias Delacroix

Mehr als 70.000 Familien sind nach der Katastrophe auf humanitäre Hilfe angewiesen. Zahlreiche Menschen schlafen im Freien oder in Notunterkünften. Die Präsidentschaft hat eine Sonderkommission eingerichtet, um das Maß der Schäden und die Bewohnbarkeit der Gebäude zu überprüfen, wie Rodríguez ankündigte.

Verzweifelte Suche der Angehörigen 

Laut einer inoffiziellen Plattform für die Suche nach Vermissten gelten derzeit mehr als 47.000 Menschen als vermisst – nachdem fast 79.000 Vermisstenmeldungen eingegangen waren. Die Angaben lassen sich allerdings nicht unabhängig überprüfen. Menschen suchen auch nach den Namen ihrer Angehörigen auf Listen von Überlebenden, die sich etwa in Notunterkünften befinden. 

Kritik an Präsidentin – und Rückkehrwunsch von Oppositionsführerin

Venezuela befand sich vor den Erdbeben ohnehin schon in einer schwierigen Lage. Seit Jahren leidet das Land unter politischen Spannungen, wirtschaftlichen Problemen und einer der größten Migrationskrisen der Welt. Im Januar führte Washington einen Militäreinsatz im Land durch, bei dem der autoritäre Machthaber Nicolás Maduro gefangen genommen wurde. Die derzeitige Staatschefin war Vizepräsidentin in der Maduro-Regierung.

Kritik an der Präsidentin wird laut. (Archivbild) Foto: Pedro Mattey
Kritik an der Präsidentin wird laut. (Archivbild) Foto: Pedro Mattey

In den vergangenen Tagen wurde Kritik an der geschäftsführenden Präsidentin laut. Nachdem sie am Freitag bei einem Rundgang in der Hauptstadt Caracas ausgebuht worden war, wurde sie am Sonntag in sozialen Netzwerken wegen eines protokollarischen Treffens mit internationalen Rettungsteams kritisiert. „Jede Sekunde zählt. Jede Sekunde. Dennoch hält die Regierung von Delcy Rodríguez die Rettungskräfte für eine politische Handlung von ihrer Arbeit ab“, schrieb der regierungskritische Journalist Orlando Avendaño auf X.

Friedensnobelpreisträgerin Machado möchte nach Venezuela zurückkehren. (Archivbild) Foto: Jesús Hellín/EUROPA PRESS/dpa
Friedensnobelpreisträgerin Machado möchte nach Venezuela zurückkehren. (Archivbild) Foto: Jesús Hellín/EUROPA PRESS/dpa

Unterdessen kündigte die Oppositionspolitikerin María Corina Machado an, dass sie angesichts der Erdbeben in ihre Heimat zurückkehren möchte. „Auf jeden Fall, die Zeit ist gekommen“, sagte sie dem US-Sender Fox News. 

Laut einem Bericht der „New York Times“ hält die US-Regierung allerdings einen solchen zeitnahen Schritt für unangebracht. Im vergangenen Dezember war die bis dahin im Untergrund lebende Politikerin heimlich aus Venezuela ausgereist, um den Friedensnobelpreis in Oslo persönlich entgegenzunehmen. Kurz darauf, als sie bereits im Ausland war, wurde Machthaber Maduro gefangen genommen. Nun arbeitet Washington mit der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez eng zusammen.

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