Warenhauskette Kommt Galeria aus der Krise? So bewerten Fachleute die Lage
Ein neuer Millionenkredit verschafft Galeria Spielraum, doch neue Einschnitte stehen bevor. Handelsexperten und Gewerkschaftsvertreter sind skeptisch, ob die Warenhauskette wieder auf Kurs kommt.
Nach wochenlangen Verhandlungen meldete Galeria am Donnerstag Vollzug: Die angeschlagene Warenhauskette bekommt einen neuen Millionenkredit. Im Gegenzug muss Galeria sich ein weiteres Mal sanieren – diesmal außerhalb einer Insolvenz. Geplant sind im Zuge dessen auch weitere Filialschließungen. Gelingt dem Unternehmen die Kehrtwende? Experten beurteilen die Lage zwiespältig.
Die neue Kreditlinie entschärfe die existenzbedrohende Krise, sagte Carsten Kortum, Handelsprofessor der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn. „Galeria gewinnt einige Monate Zeit.“ Ein großer Teil des Geldes werde jedoch nicht in die Zukunft des Unternehmens fließen, sondern nur bestehende Verpflichtungen bedienen, wie die Ablösung bisheriger Kredite. Damit blieben keine Finanzmittel für echte Investitionen in Filialen oder Digitalisierung übrig.
Kortum kritisierte zudem die Eigentümer. Nötige Mittel seien nicht zur Verfügung gestellt worden. „Die letzten und derzeitigen Eigentümer hatten alle ihre eigene Agenda, aber nie die des Unternehmens im Blick. Damit setzt sich die jahrelange Misere fort.“
Etwa 30 Filialen gelten als Wackelkandidaten
Die neue Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro stellt die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereit. Laut Galeria verschafft sie dem Unternehmen den Spielraum für die notwendige Transformation. Das Geld ist an einen Sanierungsplan geknüpft, der weitere Einschnitte vorsieht. Ziel ist ein optimiertes und profitables Warenhausnetz, teilte der Konzern mit.
Dazu will Galeria mit Vermietern über die Mietkonditionen verhandeln. Wie viele Filialen weiterbetrieben werden, ist noch offen. Nach Informationen der dpa gelten etwa 30 der 83 Warenhäuser als Wackelkandidaten und sollen besonders gründlich geprüft werden. Um welche Filialen es sich handelt, ist bislang nicht bekannt.
Entscheidend sei die Konzentration auf tragfähige Standorte, sagte Johannes Berentzen von der Handelsberatung BBE. Bereits 2024, im Zuge der letzten Insolvenz, hätten die Schließungen weitreichender ausfallen müssen. Damals schloss Galeria neun Filialen.
Galeria kündigte auch eine strategische Neuausrichtung an. Ein Kriterium für eine erfolgreiche Zukunft sei die Schärfung des Sortiments auf Kernkategorien, die die Kundenfrequenz erhöhten. „Wenn das gelingt, hat das Warenhaus als Format durchaus eine Zukunft“, so Berentzen.
Experte: Bedeutung des Warenhauses hat stark abgenommen
Boris Hedde, Geschäftsführer des Handelsforschungsinstituts IFH Köln, äußerte Zweifel. Von einer Rettung will er nicht sprechen. Eine Kreditlinie ergebe noch kein belastbares Geschäftsmodell. „Die Bedeutung des Warenhauses als Einkaufstätte für Konsumenten hat in Deutschland über die Jahrzehnte deutlich abgenommen.“ Hinzu komme die starke Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Die Aussichten blieben daher gedämpft.
Marcel Schäuble, Landesfachbereichsleiter Handel bei Verdi Hessen, bezeichnete den Kredit als gute Nachricht. Damit sei der Fortbestand des Unternehmens finanziell abgesichert. Die Ursachen der Krise seien jedoch nicht behoben, es gebe nach wie vor kein tragfähiges Zukunftskonzept. Leidtragende seien erneut die Beschäftigten, die um ihren Arbeitsplatz bangen müssten.
Verdi-Vorstandsmitglied Silke Zimmer erklärte: „Für die Beschäftigten ist das eine extreme Belastung, ständig neue Gerüchte über Schließungen und Jobabbau hören und lesen zu müssen.“ Das Management müsse für Klarheit sorgen und rasch Antworten geben.
Gesamtbetriebsrat und Wirtschaftsausschuss von Galeria mahnten am Freitag in einem Flugblatt an die Beschäftigten, das der dpa vorliegt: „Wir hoffen, dass in dieser Zukunftsausrichtung die Belegschaft nicht wieder die Zeche zahlt. Denn eines ist klar, ein Kredit allein bringt uns auf lange Sicht nicht weiter.“ Die Mittel müssten genutzt werden, um das Unternehmen weiterzuentwickeln und langfristig zu sichern.
Beetz: „Ich glaube an Galeria“
Die Galeria-Geschäftsführer Tilo Hellenbock und Norman Krotten richteten sich am Donnerstagabend in einer E-Mail an die Belegschaft. „Wir danken euch für eure Treue und den zweifellos starken Einsatz in den vergangenen Wochen und Monaten für Galeria und für unsere Kundinnen und Kunden“, schrieben sie. In der kommenden Woche sollen die Führungskräfte auf einer Tagung über die Neuausrichtung informiert werden.
Auch Bernd Beetz, Mit-Eigentümer der Warenhauskette, meldete sich am Donnerstag zu Wort. „Dass es für Galeria weitergeht, erleichtert mich.“ Die Beschäftigten und ihre Familien hätten in den vergangenen Monaten wieder mit großen Unsicherheiten umgehen müssen. Die Lage bleibe weiter angespannt. Dennoch betonte er: „Ich glaube an Galeria.“