58. Verhandlungstag Bitte um Hilfe? Zeugin schildert Gespräch mit Block-Tochter

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Von dpa
| 24.06.2026 12:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Seit fast einem Jahr steht die Unternehmerin Christina Block vor Gericht. Foto: Georg Wendt
Seit fast einem Jahr steht die Unternehmerin Christina Block vor Gericht. Foto: Georg Wendt
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Im Block-Prozess befragen die Anwälte die Hauptermittlerin der Hamburger Polizei weiter. Sie schildert eine Aussage der Tochter - die Verteidigung möchte das aber so nicht stehenlassen.

Im Block-Prozess hat die Verteidigung die Hauptermittlerin der Hamburger Polizei zu ihrem ersten Besuch bei der angeklagten Mutter nach der Entführung befragt. Am 3. Januar 2024 war die Polizei gemeinsam mit dem Jugendamt zum Wohnhaus der Unternehmerin Christina Block gefahren, um zu sehen, wie es dem zehnjährigen Jungen und dem 13-jährigen Mädchen geht. An dem Tag habe sie keine Hinweise gehabt, dass die Kinder nicht an diesem Ort sein wollen, sagte die Zeugin auf Nachfrage.

Es ist der 58. Prozesstag im Verfahren um die Entführung der Block-Kinder. Foto: Georg Wendt
Es ist der 58. Prozesstag im Verfahren um die Entführung der Block-Kinder. Foto: Georg Wendt

Die 44-Jährige fügte aber hinzu, dass die Tochter in einem späteren Gespräch in Dänemark am Rande einer Vernehmung einmal geäußert habe, warum sie damals nichts gesagt habe. „Ich dachte, Du glaubst mir sowieso nicht“, habe das Mädchen ihr berichtet, erklärte die Hauptermittlungsführerin. Das Kind habe angegeben, schon vorher andere um Hilfe gebeten zu haben, sie sei entführt worden, sie wolle „hier raus“. Aber niemand habe etwas getan.

Die Verteidigung erinnerte daraufhin daran, dass eine Mitarbeiterin des Jugendamtes als Zeugin bestritten habe, wie von dem Mädchen berichtet im Wohnhaus der Mutter um Hilfe gebeten worden zu sein. Auch ein Kinderpsychologe hatte das als Zeuge verneint.

Kinder sagen im Prozess nicht aus

Die Kinder selbst möchten im Prozess nach Angaben ihrer Anwältin nicht aussagen. Auf die Frage der Verteidiger, warum sich zu diesem Gespräch mit der Tochter nichts in den Akten der Ermittler finde, räumte die Zeugin ein: „Ja, hätte ich verschriftlichen müssen.“

Auch Blocks Lebensgefährte Gerhard Delling ist angeklagt. Foto: Georg Wendt
Auch Blocks Lebensgefährte Gerhard Delling ist angeklagt. Foto: Georg Wendt

Christina Block wird vorgeworfen, nach einem langen Sorgerechtsstreit einer israelischen Sicherheitsfirma den Auftrag zur Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder vom Wohnort des Vaters in Dänemark erteilt zu haben. Die Kinder waren in der Silvesternacht 2023/24 in ein Auto gezerrt, erst auf einen Hof nach Süddeutschland und dann nach Hamburg gebracht worden.

In dem Prozess gibt es sechs Mitangeklagte. Darunter ist Blocks Lebensgefährte, der Ex-Sportmoderator Gerhard Delling. Alle Angeklagten bestreiten, etwas Unrechtes getan zu haben. Nur ein Israeli hat seine Beteiligung an der Entführung gestanden. Der 36-Jährige ist der einzige Angeklagte, der in Untersuchungshaft sitzt.

„Meinem Mandanten ging es nur um die Kinder“, sagte sein Verteidiger, Sascha Böttner, am 58. Prozesstag. Es sei vom Chef der mutmaßlichen Entführer, David Barkay, „massiver emotionaler Druck“ ausgeübt worden. Er habe dem Angeklagten das Gefühl vermittelt, dass ohne ihn die Kinder nicht gerettet werden könnten.

Notizbuch in Plastiktüte überreicht

Die Kriminalbeamtin schilderte eine Besichtigung des Hofes in Süddeutschland, die laut Anklage im Februar 2025 war. Ein Vertreter der Familie habe den Staatsanwalt allein sprechen wollen und eine Plastiktüte mit einem Notizbuch überreicht. Dieses soll Barkay gehören. „Von dem Notizbuch waren wir auf jeden Fall überrascht“, berichtete die 44-Jährige. Ein Verteidiger merkte an: „Eine Frage wäre ja auch gewesen: Warum gebt Ihr uns das erst jetzt?“

Die Ermittlungen gegen die Familie auf dem Hof in der Region Pforzheim waren 2025 eingestellt worden. Alle Vorwürfe hätten damals sinnvoll erklärt werden können, sagte die Zeugin. Vor zwei Wochen dann hatte die Hamburger Staatsanwaltschaft bestätigt, dass die Ermittlungen gegen drei der Familienmitglieder wieder aufgenommen worden seien. Im Zuge der laufenden Hauptverhandlung habe es weitere Erkenntnisse gegeben, hieß es. Für alle Beschuldigten im Fall Block gilt die Unschuldsvermutung.

Streit um Aussagegenehmigung

Die Verteidiger wollten der Zeugin zahlreiche Fragen zu parallelen Verfahren rund um die Kindesentführung stellen. Dabei ging es unter anderem um ein Verfahren gegen Blocks Ex-Mann Stephan Hensel und dessen neue Frau Astrid Have. Hintergrund war, dass die Kinder im Sommer 2021 nach einem Wochenendbesuch in Dänemark nicht zurück nach Hamburg gebracht worden waren.

Doch immer wieder sagte die Kriminalbeamtin, laut ihrer Aussagegenehmigung dürfe sie dazu nichts sagen. Das stieß bei den Verteidigern auf Verärgerung. Ihren Antrag, dass die Kammer auf eine Erweiterung der Aussagegenehmigung hinwirken solle, lehnten die Richter ab.

Die Befragung der Hauptermittlungsführerin wird am Donnerstag (25. Juni) fortgesetzt.

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