Solo-Haushalte Jeder Fünfte in Deutschland lebt alleine
In Deutschland leben über 17 Millionen Menschen alleine – besonders oft ältere Menschen und Großstädter. Was sind die Gründe? Und heißt alleine leben auch einsam sein?
In Deutschland lebten im vergangenen Jahr 17,3 Millionen Menschen alleine. Das war gut jede fünfte Person (20,9 Prozent), wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilt. Das entspricht in etwa den Zahlen von 2024 (17,4 Millionen).
Allerdings sei die Zahl in den vergangenen 20 Jahren deutlich gestiegen - und zwar um 22,3 Prozent. So lebten den Angaben zufolge im Jahr 2005 knapp 14,2 Millionen Menschen hierzulande alleine, ihr Anteil an der Bevölkerung machte damals 17,3 Prozent aus.
Das ist keine „singulär schlechte Entwicklung“
Für Soziologe Alexander Langenkamp von der Frankfurter Goethe-Universität ist das keine „singulär schlechte Entwicklung“. Generell können sich Menschen heute eher leisten, alleine zu wohnen. Davon würden insbesondere Frauen profitieren.
„Es gibt aber auch durchaus einige Mechanismen, die problematisch sind, zum Beispiel in großen Städten, wo die meisten Leute alleine wohnen“, sagt der Experte. Dort habe sich der Wohnungsmarkt stark dahingehend entwickelt, dass verfügbare Wohnungen, eher für sehr kleine Haushalte geeignet seien.
Menschen in Großstädten wohnen häufiger alleine
„Je größer der Wohnort, desto höher ist der Anteil alleinlebender Menschen an der Einwohnerschaft“, erklärten auch die Statistiker.
- So lebte in Großstädten ab 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern 2025 gut ein Viertel (25,9 Prozent) der Bevölkerung alleine.
- In mittelgroßen Gemeinden zwischen 20.000 und 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern lag ihr Anteil bei rund einem Fünftel (20,6 Prozent).
- In kleinen Gemeinden unter 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern wohnten mit 17,2 Prozent anteilig die wenigsten Menschen alleine.
Welche Altersgruppen leben besonders häufig alleine?
Vor allem ältere Menschen leben oft alleine. Laut den Statistikern wohnte in der Altersgruppe „65 plus“ im vergangenen Jahr gut jede dritte Person (34,4 Prozent) alleine. Bei den mindestens 85-Jährigen waren es sogar mehr als die Hälfte (55,8 Prozent). „Aber auch unter den jungen Erwachsenen zwischen 25 und 34 Jahren war der Anteil mit 28,7 Prozent überdurchschnittlich hoch“, hieß es. Den Daten zufolge lebten Frauen (21,5 Prozent) etwas häufiger alleine als Männer (20,4 Prozent).
Dass die Hochaltrigen besonders oft alleine lebten, habe einfach mit der Demografie zu tun, sagt der Soziologe. „Und gerade in der Gruppe 85plus wohnen sehr viele Frauen alleine, weil die eine höhere Lebenserwartung haben als ihre Ehemänner.“ Bei den jungen Menschen handele es sich hingegen um eine Transformationsphase. Diese seien bei den Eltern ausgezogen und befänden sich in Studium oder Ausbildung, bevor sie dann womöglich mit einem Partner oder einer Partnerin zusammenziehen würden.
Und wie sieht der internationale Vergleich aus?
Der Anteil der Alleinlebenden in Deutschland liege deutlich über dem EU-Schnitt, so das Bundesamt. Dieser habe im letzten Jahr lediglich bei 16,5 Prozent gelegen.
„Insbesondere recht wohlhabende Staaten mit einem stark ausgebauten Sozialsystem haben mehr Alleinwohnende“, sagt Langenkamp. Das bedeute, man müsse sich das alleine wohnen durchaus auch leisten können.
Laut der EU-Statistikbehörde Eurostat lebten nur in den fünf nord- beziehungsweise nordosteuropäischen Staaten Litauen (31 Prozent), Finnland (26 Prozent), Dänemark (24 Prozent) sowie Estland und Schweden (je 22 Prozent) anteilig mehr Menschen alleine als in Deutschland. Am niedrigsten waren die Werte in der Slowakei (3 Prozent), Irland (8 Prozent) und Polen (9 Prozent).
Heißt alleine leben auch einsam sein?
Der Soziologe betont auch, Alleinleben und Einsamkeit seien zwei ziemlich voneinander losgelöste Dinge. „Vereinfacht gesagt: Einsamkeit ist die Empfindung, alleine sein ist der Zustand.“ Man könne sich durchaus in einer Beziehung einsam fühlen - beziehungsweise alleine leben und glücklich sein.